Microsoft Abgang des iPod-Angreifers

Zune, der vermeintliche iPod-Killer aus Redmond, hatte bisher nicht den gewünschten Erfolg. Nun werden personelle Konsequenzen gezogen. Zune-Manager Bryan Lee wirft das Handtuch.
Von Karsten Langer

Hamburg - Sechs Jahre lang mühte sich Bryan Lee redlich, Microsofts Unterhaltungssparte auf den Pfad des Erfolgs zu führen. Erst war Lee, stellvertretender Leiter des Unterhaltungsgeschäfts bei Microsoft , für die Xbox verantwortlich, dann für die Markteinführung des iPod-Konkurrenten Zune. Außerdem kontrolliert er Microsofts eHome Group, die die Windows Media Center Edition produziert.

In einigen Wochen wird Lee den Konzern verlassen. Er wolle künftig persönliche Interessen verfolgen, hieß es dazu offiziell aus Redmond. Ein Gartner-Analyst dagegen wertete Lees Abgang klar als ein Zeichen für "Ärger in Zune-Land".

Denn unterschiedlichen Studien und Medienberichten zufolge hat Microsoft weder mit der Xbox noch mit dem Digitalspieler Zune den gewünschten Erfolg. Zwar tauchen immer wieder optimistische Prognosen auf, die den mäßigen Erfolg des Zune in einem besseren Licht erscheinen lassen.

So kündigte Microsoft etwa im Dezember vergangenen Jahres an, bis zum Juni 2006 eine Million Zunes verkaufen zu wollen. Der Softwarehersteller reagiert damit auf die Erhebung des US-Marktforschers NPD Group, derzufolge der iPod-Rivale nach seinem US-Auftakt Mitte November nach nur zwei Wochen von Platz zwei auf Platz fünf zurückgefallen war.

Microsoft aber mokierte sich über Details der Erhebung. Damals betonte Lee: "Es läuft alles nach unseren Erwartungen." Nach Berechnungen der NPD Group erreichte der iPod-Rivale im vergangenen US-Weihnachtsgeschäft nur einen Marktanteil von 2,8 Prozent, mehr als jeder zweite verkaufte MP3-Player (57,3 Prozent) dagegen kam von Apple . Insgesamt verkaufte Apple im letzten Quartal 2006 21 Millionen iPods. Der Marktanteil in Amerika liegt damit bei 72 Prozent. Der Zune ist weit abgeschlagen, und die Xbox bringt Microsoft bisher nur Verluste.

Lees Arbeitsbereiche werden in Zukunft von mehreren Personen übernommen. Die Gesamtverantwortung fällt an den bisherigen Vizepräsidenten J. Allard, ein langjähriges Mitglied der Xbox-Divsion. Allard soll in erster Linie die Musikindustrie vom Zune-Konzept überzeugen. Denn bisher konnte sich die Tauschfunktion über Funk, so wie sie von Zune angeboten wird, nicht durchsetzen. Außerdem fordert Microsoft für den Zune eigene Formate.

Robbie Bach, der Chef der Unterhaltungssparte, wird zukünftig direkt die Abteilungen für die Windows Media Center Edition und Microsofts TV-Bemühungen leiten.

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