Gründertagebuch Auf der Strategiecouch

Es ist so weit: Werner Jülicher und Bernd Maile erhalten ihr erstes Gründerseminar. Drei Tage lang kehren die beiden Comedyautoren ihr Innerstes nach außen und sind am Ende selbst überrascht von dem Ergebnis.

Köln - Zum Preis des "Gründerwettbewerb – Mit Multimedia erfolgreich starten" gehörte auch ein Strategieworkshop und eine sogenannte Gründerwerkstatt beim VDI/VDE-IT in Berlin, einem Gemeinschaftsunternehmen des Elektrotechnik- und des Ingenieurverbands.

Zunächst zögerten wir mit der Zusage für beide Veranstaltungen. Würde eine Teilnahme nicht automatisch den Abschied vom kreativen Autorentum bedeuten? Müssten wir uns zu strukturierten Betriebswirten verändern?

Es gab nur einen Weg das herauszufinden: Wir sagten zu und stellten uns den bohrenden Fragen einer Betriebswirtin und eines IT-Fachmanns. Dazu legten wir uns beim individuellen Strategieworkshop einen ganzen Tag lang auf die Couch und unterzogen uns einer sogenannten Swot-Analyse - zu Deutsch: einer Stärken/Schwächen/Chancen/Risiko-Analyse.

Die Wahrheiten, die im Rahmen dieser Obduktion zutage kamen, waren fast deckungsgleich mit unseren Erkenntnissen. Unsere Schwächen in den Bereichen Technik, kaufmännischer Aufstellung und Finanzierung waren unübersehbar. Aber unsere Stärken bewahrten JumTV vor einer Notoperation.

Es war die sogenannte Kernkompetenz, die uns in einer stabilen Seitenlage hielt: Unsere mehr als zehnjährige Erfahrung im Unterhaltungsbereich des Fernsehens. Wir kennen die Mitstreiter, Konkurrenten, und vor allem die Kundenwünsche eines Comedy- und Entertainmentangebots. Seit Jahren pflegen wir ein weit verzweigtes Netzwerk und haben bewiesen, dass wir erfolgreich und stetig als Kreative arbeiten können. Zudem haben wir uns eingehend mit der hiesigen Marktlage eines Internetportals auseinandergesetzt.

Rezept und Therapie

Unsere Coaches stellten nach der eingehenden Diagnose folgendes Rezept aus: Für die schwächeren Körperfunktionen – wie zum Beispiel mangelhafte Finanzplanung und dem Fehlen von technischem Know-how – sollten wir uns Partner und Dienstleister ins Boot holen.

Dadurch könnten wir uns auf unsere Stärken konzentrieren und ein inhaltlich starkes Internetportal auf den Weg bringen, ohne uns verbiegen zu müssen.

Mit dieser überwiegend positiven Diagnose gingen wir zwar etwas matt, aber ermutigt in die nächste Therapiemaßnahme: der zweitägigen Gründerwerkstatt des VDI/VDE-IT.

Dort saßen bereits 15 andere "Start-upper" und berichteten über die unterschiedlichsten Wehwehchen, die sie sich bei ihrer Gründung zugezogen hatten. Dieser Erfahrungsaustausch und zwei kompetente Seminarleiterinnen brachten es auf den Punkt: Es gibt kein einheitliches Rezept, aber eine Menge Handlungsempfehlungen für eine stabile und Erfolg versprechende Unternehmensgründung.

Zudem hatte die Gruppe eine bemerkenswerte Fähigkeit zur gegenseitigen Hilfe und Selbstheilung. Es herrschte dieser Spirit, den jeder schon einmal erlebt hat, der glaubte, allein mit seinen Problemen zu sein und dann eines Besseren belehrt wurde. Durch den unterschiedlichen Status quo der einzelnen Gründer gab es viele Tipps und eine Menge Erfahrungsaustausch, der bis heute anhält.

So waren wir als Gründer am Ende froh, unser Herz und unsere Nieren auf den Operationstisch gelegt zu haben und wurden nach drei Tagen mit einem aufmunternden Klaps auf den Hintern vom VDI/VDE-IT in den Alltag entlassen.

Nachdem wir also zu Risiken und Nebenwirkungen nicht nur unseren Arzt oder Apotheker befragt hatten, mussten wir jetzt unseren vergrößerten Erfahrungsschatz nur noch in die Tat umsetzen. Wie – das erzählen wir das nächste Mal.

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