Ratan Tata Ehrgeiziger Stahl-Tycoon

Der indische Unternehmer Ratan Tata hat beim Kampf um Corus Nerven bewiesen. Mit dem Kauf des niederländisch-britischen Stahlkonzerns stemmte der 69-Jährige die größte Übernahme in der Geschichte seines Landes. Den Kaufpreis von 9,4 Milliarden Euro halten Analysten und Anleger allerdings für zu hoch.

Hamburg - Als Ratan Tata am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bombay seinen Sieg im Übernahmekampf verkündete, gab er sich bescheiden. "Als wir unser erstes Angebot vorgelegt hatten, hielten das viele für einen unverfrorenen Schritt - ein indisches Unternehmen, das für einen europäischen Konzern bietet, der viel größer ist", erinnerte sich der Hobby-Pilot. "Aber ich denke, mit dieser Übernahme können wir beweisen, dass die indische Industrie aus ihren nationalen Grenzen heraustreten und als Global Player auftreten kann."

Die Zustimmung der Aktionäre zu der Verschmelzung von Tata und Corus gilt Experten zufolge als sicher. Die Europäische Kommission hat den Übernahmeplänen bereits im Dezember grünes Licht gegeben.

Die Börse bewertete das Geschäft allerdings anders als der Käufer: Den Preis von umgerechnet 9,4 Milliarden Euro halten viele Anleger für zu hoch. Sie verkauften Tata-Steel-Aktien im großen Stil. An der Börse fiel der Aktienkurs des indischen Unternehmens nach dem Bekanntwerden der Corus-Übernahme in der Spitze um knapp 11 Prozent.

Schuld an dem Rückschlag waren auch die aktuellen Quartalszahlen. Tata steigerte seinen Netto-Gewinn im abgelaufenen Quartal um 41 Prozent auf 186 Millionen Euro - und damit weniger stark als von Analysten erwartet. Der Konzern litt vor allem unter höheren Rohmaterialkosten.

Im August ist es 100 Jahre her, dass Firmengründer Jamsetji Tata im Osten Indiens ein erstes kleines Stahlwerk errichtete - damals sehr zum Missmut der britischen Kolonialherren. Dass Tata Steel nun ausgerechnet Corus übernimmt, dürfte den indischen Nationalstolz gehörig beflügeln. Corus hieß früher British Steel, und nicht zum ersten Mal kaufen die Inder eine Traditionsmarke der früheren Kolonialherren auf. Bereits im Jahr 2000 erwarb die Tata-Gruppe die führende britische Teemarke Tetley.

Tata, der an der Cornell-Universität Architektur und in Harvard Management studierte, führt die nach ihm benannte Gruppe seit 1991. Aus einem Konsortium von mehr als 300 Firmen formte er einen durchstrukturieren Mischkonzern. Mehr als 200.000 Mitarbeiter - tätig in sieben Branchen von Autos bis hin zu Softwareprodukten - arbeiten für Tata.

2012 möchte sich Tata zur Ruhe setzen - dann ist er 75. Über die Nachfolge wird seit langem heftig spekuliert. Tata selbst ist daran nicht unbeteiligt: Er kündigte bereits an, der nächste Chef der Gruppe müsse nicht unbedingt aus der Familie kommen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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