Playmobil-Chefin Schauer "Ich bin kein verspielter Typ"

Mit bunten Plastikfiguren, Piratenschiffen und Ritterburgen wurde Playmobil zum erfolgreichsten Spielzeughersteller Deutschlands. Chefin Andrea Schauer setzt auf Kinder als Kritiker, Fertigung in Europa und Unabhängigkeit. "Bei uns haben sich keine Heuschrecken eingenistet", sagt Schauer.

Zirndorf - Der Spielzeughersteller Playmobil hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz erneut gesteigert und will auch 2007 weiter wachsen.

Wie die für Entwicklung, Marketing und Vertrieb zuständige Geschäftsführerin Andrea Schauer im Vorfeld der Spielwarenmesse am Mittwochabend in Zirndorf bei Nürnberg mitteilte, kletterte der Umsatz mit den kleinen Plastikfiguren weltweit um 5 Prozent auf 379 Millionen Euro. Playmobil liege damit auf der Liste der umsatzstärksten Spielwarenhersteller in Deutschland auf Rang drei hinter Lego und Mattel.

"Es gelingt uns zunehmend, auch Mädchen für Playmobil zu begeistern", erklärte Schauer. So betrage das Umsatzverhältnis von Jungen zu Mädchen inzwischen 65 zu 35. In den Anfangsjahren von Playmobil in den 70er Jahren seien es noch etwa 90 zu 10 Prozent gewesen. Angestrebt würden 60 zu 40.

Schauer hob hervor, dass Playmobil mit der Produktion auch künftig nicht nach China gehen werde. "Wir setzen auf Fertigung in Deutschland und Europa", unterstrich sie. Playmobil-Alleininhaber Horst Brandstätter sagte, der Standort Deutschland habe trotz höherer Kosten Vorteile. "Wir sehen die Qualität bereits im Fertigungsprozess, nicht erst beim Empfang der Ware."

So investierte Unternehmensinhaber Brandstätter auch 2006 in Erweiterungsbauten, neue Maschinen und moderne Fertigungsanlagen an den insgesamt vier Werken. Insgesamt stellte die Firma für ihre Standorte in Deutschland, Tschechien, Malta und Spanien in den vergangenen fünf Jahren 300 Millionen Euro zur Verfügung, 2007 sollen weitere 50 Millionen Euro hinzukommen.

"Playmobil ist ein Riesenrad geworden"

"Playmobil ist ein Riesenrad geworden"

"Bei uns haben sich keine Heuschrecken eingenistet. Wir gehen nach wie vor unseren eigenen Weg und setzen auf Qualität made in Germany und Europa", betonte Schauer. Die Managerin ist eine der wenigen Frauen in Führungsposition in Deutschland: Die 47-Jährige ist Chefin des größten deutschen Spielwarenherstellers Playmobil.

Firmeninhaber Horst Brandstätter hatte früh auf die aus dem nahe gelegenen Roßtal stammende Fränkin gesetzt, die nach Stationen beim Schreibgerätehersteller Staedtler und dem Medizintechnikhersteller Aesculap in Nürnberg 1992 nach Zirndorf wechselte. "Ich bin gar nicht so der verspielte Typ", räumt Schauer ein. Nicht zuletzt mit Hilfe ihres damals zweijährigen Sohns gelang es ihr aber rasch, sich die Spielzeugwelt zu erschließen.

Schauer baute das weltweite Marketing der expandierenden Firma auf und wurde im Jahr 2000 Geschäftsführerin für Entwicklung, Marketing und Vertrieb. Die Verantwortung für das Unternehmen mit seinen 2700 Beschäftigten teilt sie sich mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Franz Höhe. Brandstätter hätte sie sogar zur alleinigen Chefin gemacht, doch das wollte Schauer nicht, weil sie fürchtete, dass dann die Kreativität - "meine Stärke" - auf der Strecke bleiben würde.

"Playmobil ist ein Riesenrad geworden, da müssen mehrere Personen Verantwortung tragen", unterstreicht die Geschäftsführerin. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, den Kontakt zur Zielgruppe, den drei- bis zehnjährigen Kindern, nicht zu verlieren.

"Einen Führungsjob muss man voll machen"

"Einen Führungsjob muss man voll machen"

Denn die Kleinen sind zugleich auch die schärfsten Kritiker. "Es ist ein Knochenjob, sich in die Köpfe der Kinder hineinzudenken", sagt die Managerin lächelnd. "Jede Sekunde, die man auf dem Teppichboden mit Kindern spielt, ist viel wert." Auch der ständige Dialog mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - viele davon sind selbst Eltern - bringt Schauer neue Anregungen, was sich die Kinder wünschen und wie sich ihre Spielgewohnheiten verändern.

Und dann sind da noch die bis zu 150 Zuschriften im Monat - Briefe und Zeichnungen, in denen die kleinen Kunden mitteilen, wie sie sich das Spielzeug vorstellen. "Die lesen wir alle", versichert Andrea Schauer. Welche Neuheiten dann letztlich produziert werden - "am Ende ist es eine Bauchentscheidung."

Für Privates - joggen, lesen, kochen - bleibt der Playmobil-Chefin meist wenig Zeit. "Einen Führungsjob muss man voll oder gar nicht machen." Und das sei genau das Problem für viele Frauen, meint Schauer. "Es ist ein Spagat, in Verantwortung zu arbeiten und zugleich ein Kind großzuziehen."

Viele Frauen hätten Angst, dass die Familie leiden könnte. Die 47-Jährige wünscht sich in Deutschland etwas mehr die Mentalität der Franzosen: "Dort ist es keine Frage, dass die Frauen bald nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten gehen. Dieses Selbstverständnis vermisse ich in Deutschland."

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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