Management Teamplayer gesucht

Immer häufiger entwickeln Unternehmen mit eigenen Mitarbeitern und Externen neue Produkte in Projektgruppen. Der Vorteil: Die Arbeit ist interessant und lukrativ, Teamplayer haben gute Aufstiegschancen. Andererseits ist der Konkurrenzdruck hoch. Und geht ein Projekt schief, lassen sich eigene Fehler kaum mehr kaschieren.

Duisburg/Nürnberg - Menschen aus verschiedenen Abteilungen und mit unterschiedlichen Qualifikationen kommen zusammen, um eine neue Software zu entwickeln oder ein Hochhaus zu planen. Nach der Arbeit kehren alle wieder an ihren angestammten Platz zurück und gehen ihren gewohnten Tätigkeiten nach.

Projektarbeit ist nicht mehr nur typisch für die IT-Branche, den Bausektor oder Wissenschaftler. Vielmehr werden heutzutage bestimmte Aufgaben in vielen Branchen in Projekten realisiert.

"Projekte sind Aufträge mit festgelegtem Anfang und Ende. Das Ziel wird dabei meistens erst unterwegs gefunden, zum Beispiel bei der Entwicklung einer neuen Werbestrategie", sagt der Soziologe Matthias Knut. Der Experte vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen weiß, dass in Projekten ohne Kreativität fast nichts geht.

Budget und Ressourcen sind beschränkt, da müssten sich die Mitarbeiter zum Teil schon etwas einfallen lassen, um die Arbeit den Wünschen des Auftraggebers gemäß zu erledigen. Und wer nicht außergewöhnliche Kompetenzen in der Kommunikation aufweisen kann, habe es in Projekten schwer.

Das Zusammenkommen mit Menschen, die sich üblicherweise nicht kennen, stellt für viele eine Herausforderung dar. Die Selbstverantwortung jedes Einzelnen sei hoch, Bereitschaft zu Überstunden gefragt, sagt Knut. Dabei werden Projekte zunehmend nicht nur von Freien und "außer Haus" realisiert. "Vielmehr konkurrieren die internen Mitarbeiter eines Unternehmens mit externen um die Arbeit." Die Firmenchefs, sei es in der Werbebranche oder in der Automobilindustrie, würden Arbeitsaufträge offiziell ausschreiben, um die sich Festangestellte wie Freiberufler bewerben können.

"Das Unternehmen verfolgt damit das Ziel, Kosten zu sparen und die Ausgaben kontrollierbarer zu machen", erläutert Knut. Denn egal ob fest oder frei - der Job sei von allen in gleicher Qualität und Zeit zu erledigen. "Das stellt ganz neue Anforderungen an die Mitarbeiter", sagt der Berufsbildungsexperte im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Dirk Werner.

"Ein Ingenieur muss in Projekten auch mit einem Volkswirt sprechen und zusammenarbeiten." Fachübergreifendes Wissen ist dann gefragt. Auch sollten Projektarbeiter teamfähig sein, um über die eigenen Fachgrenzen hinaus kommunizieren zu können. "Und ganz wichtig ist auch die Bereitschaft, sich auf wechselnde Arbeitsgebiete einzulassen", gibt Werner zu bedenken.

Fehler werden nicht verziehen

Fehler werden nicht verziehen

Der Experte empfiehlt die Arbeit in Projekten auch für Berufsanfänger: "Für viele bedeutet Projektarbeit am Anfang den Einstieg in das Unternehmen." Die Firmen testeten so die Flexibilität der Neuen oder von Freiberuflern.

Wer sich auf Projekte einlässt, sollte allerdings bedenken, dass die eigenen Interessen nicht immer durchsetzbar sind: "Ich muss mit anderen kooperieren und Kompromisse eingehen", sagt Werner. Das seien große Herausforderungen für die eigene Konfliktfähigkeit und das Frustrationspotenzial. "Dennoch reichert Projektarbeit die eigene Tätigkeit an, macht die Arbeit interessanter und fördert das unternehmerische Denken."

Doch nicht nur die Abwechslung macht für viele Menschen Projektarbeit interessant. Reizvoll seien auch die höheren Verdienstmöglichkeiten, die vor allem bei erfahrenen Projektarbeitern möglich seien, sagt der Arbeitssoziologe Markus Promberger vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Problematisch ist für den Experten allerdings die Unsicherheit des Arbeitsverhältnisses: "Ich halte nichts davon, die Leute nur für zwei Jahre einzustellen, bis das Projekt beendet ist." Denn derjenige, der die nahe Arbeitslosigkeit vor Augen hat, suche kurz vor Projektende schon nach einem neuen Job. "Ich denke, Unternehmer machen einen Fehler, wenn sie das nicht berücksichtigen", meint Promberger.

Auch sollte die Kalkulation, vor allem für den Arbeitsaufwand, nicht zu knapp bemessen sein. Fest angestellte Arbeitnehmer oder Selbstständige sollten dies prüfen, wenn sie sich auf Projektarbeit einlassen. "Überstunden und Wochenendarbeit sammeln sich oft an", warnt Promberger.

Auch die vermeintliche Gleichberechtigung in Projekten sei mit Vorsicht zu genießen. Irgendjemand habe immer die Fäden in der Hand. "Bei hoch komplexen Projekten mit ungleichen Partner kann das auch schief gehen", ergänzt Soziologe Knut.

Rechtlich gesehen haben sowohl fest angestellte Projektarbeiter als auch zeitlich befristete oder freie mit Werk- oder Dienstverträgen den gleichen Stand. Sollte die Entwicklung eines neues Produkts nicht wie vom Unternehmen gedacht erfolgen, ergeben sich für alle Beteiligten Konsequenzen, sagt Knut. Für Freie sei dies allerdings mit mehr Unsicherheit verbunden, denn bei qualitativ guter Arbeit würden sich zwar oft Folgejobs anschließen. Schlechte Arbeit bedeute indes, sich einen neuen Auftraggeber suchen zu müssen.

Angelika Röpcke, dpa

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