Was ist eigentlich Bootstrapping?

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist für viele ein lang gehegter Traum. Mit seinem Kompakt-Lexikon für Unternehmensgründungen gibt Herausgeber Tobias Kollmann Firmenchefs in spe einen Leitfaden an die Hand. manager-magazin.de präsentiert wöchentlich einen Auszug aus dem Lexikon.

1. Begriff

Die Bootstrap Finanzierung ist eine Form der Gründungsfinanzierung, bei der die Strategie des Start-ups und die Realisierung des Gründungsvorhabens an ein sehr enges Budget und knappe Ressourcen angepasst sind. Ziel ist die Vermeidung von Ausgaben bei gleichzeitiger Maximierung der Einnahmen. Ratsam ist die Bootstrap Finanzierung vor allem bei einer Gründung nach dem Low-Budget-Model.

2. Ursprung des Begriffs

Der Begriff Bootstrap stammt aus den USA und bedeutet übersetzt Schnürsenkel. Ähnlich wie der Schnürsenkel zur effizienten und fußschonenden Nutzung des Schuhwerkes festgezogen sein sollte, sollte auch die Gründungs- und Wachstumsstrategie des Start-ups eng an den knappen verfügbaren Ressourcen der Gründer ausgerichtet sein.

3. Voraussetzung

Voraussetzung für eine Bootstrap ist, dass die Gründer – im Gegensatz zur Selbstfinanzierung – über eigene Finanzmittel (Gründerkapital) verfügen und ihnen Möglichkeiten der Inanspruchnahme externer Finanzierungsquellen für Eigen- und Fremdkapital sowie gegebenenfalls Sicherheiten zur Unterlegung von Fremdkapitalfinanzierungen offen stehen. Dabei kann es sich auch um sehr beschränkte Möglichkeiten handeln, die den gesamten finanziellen Spielraum für das Gründungsvorhaben dann auch entsprechend eng gestalten.

Grundsätze des Bootstrappings

4. Grundsätze

Nach Bhide haben sich die folgenden sieben Grundsätze bei der Bootstrap Finanzierung bewährt und können Gründern daher als Verhaltensregeln empfohlen werden.

  • Grundsatz 1: Die Gründer sollten so schnell wie möglich mit einem operativen Geschäft beginnen.

  • Grundsatz 2: Die Gründer sollen sich auf ein frühzeitiges Erreichen der Gewinnschwelle und eines positiven Cashflows fokussieren.

  • Grundsatz 3: Gründungsunternehmen mit Bootstrapping-Ansatz sollten höherwertige Produkte oder Services verkaufen, bei denen die Gründer sinnvoll die Vertriebsfunktionen wahrnehmen können.

  • Grundsatz 4: Die Gründer sollten nicht mit hochbezahlten Teammitgliedern ohne Verständnis für die Gründerkultur des jungen Unternehmens arbeiten.

  • Grundsatz 5: Die Gründer müssen beim Unternehmenswachstum entsprechend der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen kontrolliert vorgehen.

  • Grundsatz 6: In der Gründungs- und Frühentwicklungsphase muss der Fokus des Bootstrap-Unternehmens auf dem Cash als laufend verfügbarer Liquidität liegen.

  • Grundsatz 7: Banken sollten gepflegt werden, auch wenn sie in der frühen Entwicklungsphase noch nicht als Kreditgeber zur Verfügung stehen.

5. Finanzierungsinstrumente

Die wesentlichen Finanzierungsinstrumente des Bootstrap sind Gründerkapital, Family- and Friends-Kapital, Bankkredite, Lieferantendarlehen, Leasing und Öffentliche Fördermittel.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.