Tchibo Dieter Ammer wird wieder Unternehmer

Dieter Ammer tritt als Chef der Tchibo-Holding zurück, seine Position wird nicht neu besetzt. Die überwachenden und leitenden Holdingfunktionen behält Arno Mahlert. Ammer will sich in Zukunft seinen privaten Investments widmen. Deren Volumen hat die 200-Millionen-Euro-Schwelle längst überschritten.
Von Karsten Langer

Hamburg - Tchibo-Chef Dieter Ammer wird den Kaffeeröster zum 30. April 2007 verlassen. Die überwachenden und leitenden Holding-Funktionen behält Arno Mahlert. Über Ammers Nachfolge soll der Aufsichtsrat Anfang April entscheiden.

"Ich verlasse die Tchibo Holding auf eigenen Wunsch, um mich verstärkt auf meinen eigenen Aktivitäten als Investor zu konzentrieren", sagte Ammer. Hintergrund der Personalie ist die strategische Neuausrichtung der Holding: Die Gesellschafter wollen die Unternehmen Beiersdorf  und Tchibo stärken, die Holdingstruktur soll entsprechend angepasst werden.

Ammer selbst soll nun die Neuausrichtung der Holding einleiten und wird dann zum 30. April 2007 ausscheiden, um sich wieder eigenen unternehmerischen Aktivitäten zu widmen. Er soll den Gesellschaftern Ingeburg, Joachim, Michael und Wolfgang Herz aber weiterhin beratend zur Seite stehen und seine Funktionen als Aufsichtsratschef von Beiersdorf und Aufsichtsratsmitglied von Tesa behalten. Als Aufsichtsratschef des Kaffeerösters Tchibo GmbH scheidet Ammer aus. Dort folgt ihm Michael Herz nach.

"Beiersdorf und Tchibo sind als starke und traditionsreiche Unternehmen jetzt so aufgestellt, dass sie zukünftig ihre erfolgreiche Entwicklung mit gestärkter Eigenbestimmung wahrnehmen können", sagt der Tchibo-Holding-Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Pöllath. "Deswegen soll die Tchibo-Holding in ihrer jetzigen Form personell und organisatorisch den neuen Erfordernissen angepasst werden. Dies geschieht zusammen mit Dieter Ammer in den nächsten Monaten", so Pöllath weiter.

Ammer ist seit Mai 2003 Chef bei Tchibo. In seine Amtszeit ist die Neuordnung der Gesellschafterverhältnisse und der Erwerb der Mehrheit der Beiersdorf AG gefallen. Ferner - so der Konzern - seien das Fremdkapital abgebaut und die Markenrechte Davidoff erfolgreich verkauft worden. Außerdem sei es seiner erfolgreichen Arbeit zu verdanken, dass die jetzt vorgesehene Verschlankung der Strukturen möglich geworden sei. Die gemeinsame Entscheidung zu dieser Neuausrichtung beruhe auf dem Erfolg der vergangenen Jahre.

Allerdings stieß das Erfolgsunternehmen Tchibo unter Ammers Führung zuletzt an seine Wachstumsgrenzen. Wie viele Händler leidet auch Tchibo unter dem schwächelnden Geschäft mit Non-Food-Ware. Der wöchentlich wechselnde Angebotsmix aus Textilien, Küchengeräten oder Schmuck verkaufte sich zuletzt immer schlechter.

Beteiligungen für über 200 Millionen Euro

Beteiligungen für über 200 Millionen Euro

Auch nach seinem Abgang bei Tchibo gibt es für Ammer viel zu tun. Den Hanseaten beschäftigen neben seinen Managementaufgaben bei Tchibo von jeher zahlreiche andere Aktivitäten. So hält er über seine Bremer Ammax-Gruppe Beteiligungen an diversen Unternehmen. Geschäftsführer der Ammax GmbH und damit auch der KG sind Ammer selbst und Jan Uwe Lammert, die Gesellschaften sind fast ausschließlich über Eigenkapital finanziert.

Unter anderem hält Ammer Beteiligungen an dem Hamburger Papier- und Zellstoffhändler Gratenau & Hesselbacher, am Schweizer Mineralwasserhersteller Islandic Water und am Hamburger Energieversorger Lichtblick. Vor allem aber ist Ammer Aufsichtsratschef und Großaktionär (12,67 Prozent) beim Solarenergie-Unternehmen Conergy . Gegenwärtig ist allein diese Beteiligung knapp 180 Millionen Euro wert, der Gesamtwert aller Beteiligungen liegt bei über 200 Millionen Euro.

Ammer selbst gehört zu den Gründern der Firma und brachte Conergy im März 2005 an die Börse. Das TecDax-Unternehmen hat in den vergangenen Jahren bei Umsatz, Ertrag und Mitarbeiterzahl kontinuierlich zugelegt.

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