SchmidtBank-Prozess "Kreditvorgänge waren unfassbar"

Der Ex-Sanierer der SchmidtBank, Paul Wieandt, hat dem früheren Inhaber Karl Gerhard Schmidt Missmanagement vorgeworfen. Als er Ende 2001 die Verantwortung für die Privatbank übernommen habe, hätten transparente Strukturen gefehlt, sagte Wieandt im Untreue- und Betrugsprozess gegen Schmidt.

Hof/Saale - Akten seien vielfach nicht vollständig bearbeitet, Dateien im Computer nicht gepflegt worden, sagte Paul Wieandt. Nach objektiven Kriterien hätte die SchmidtBank zahlreiche Kredite niemals ausbezahlen dürfen.

"Es gab Kreditvorgänge, die waren unfassbar", sagte Wieandt am 24. Verhandlungstag. Deshalb habe sich bei rund 40 Prozent des Kreditvolumens ein Wertberichtigungsbedarf ergeben. Auf Grund der daraus folgenden extremen Schieflage war die traditionsreiche Privatbank Ende 2001 von einem Konsortium der deutschen Großbanken übernommen worden.

Die SchmidtBank habe dann später eine Schandenersatzklage gegen den früheren Inhaber des Kreditinstituts in Höhe von rund 10 Millionen Euro eingereicht, diese dann aber wieder zurückgezogen. Nachdem aus dem Einlagensicherungsfonds über einer Milliarde Euro an die SchmidtBank geflossen seien, wäre es geradezu sträflich gewesen gewesen, keine Schadenersatzansprüche zu prüfen, sagte Wieandt. Der Zeuge sprach auch von einer "kreativen Bilanzgestaltung" der SchmidtBank.

Bereits in den neunziger Jahren seien Wertberichtigungen durch den Verkauf von stillen Reserven vorgenommen worden. Zum Zeitpunkt ihrer dramatischen Schieflage im Herbst 2001 habe die SchmidtBank über keinerlei stille Reserven mehr verfügt. Auch die damalige Tochter Consors habe sich in einer schwierigen finanziellen Lage befunden. Der Online-Broker habe daher wertmäßig nicht berücksichtigt werden können.

Schmidt muss sich seit Oktober 2006 wegen 232fachen Betrugs in einer Gesamthöhe von 2,5 Millionen Euro und der Veruntreuung von rund 31,5 Millionen Euro vor dem Landgericht Hof verantworten. Das Urteil gegen den 71-Jährigen wird vermutlich nicht vor Juni verkündet.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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