Montag, 6. April 2020

LBB Undank ist der Bank Lohn

1000 Euro Sondergratifikation will LBB-Chef Hans-Jörg Vetter jedem seiner 7400 Mitarbeiter spendieren - als kleines Dankeschön für die Sanierung der angeschlagenen Ex-Bankgesellschaft. Der SPD-geführte Senat aber sperrt sich kurz vor dem Verkauf der Bank gegen einen solchen Bonus.

Berlin - Noch vor dem Auftakt des Bieterverfahrens für die 80,5-Prozent-Beteiligung des Landes Berlin an der Landesbank Berlin Holding AG (LBBH) zeichnet sich offenbar ein Konflikt zwischen dem Vorstand der Landesbank (LBB) und dem Senat ab.

Will mehr Geld für seine Mitarbeiter: LBB-Chef Vetter
Nach Informationen der "Berliner Zeitung" will Landesbank-Chef Hans-Jörg Vetter die rund 7400 Mitarbeiter des Konzerns noch vor der heißen Phase der anstehenden Verkaufsverhandlungen über die Zahlung einer Sondergratifikation am erreichten Sanierungserfolg beteiligen. Im Gespräch ist dabei ein Sonderbonus pro Mitarbeiter von mindestens 1000 Euro. Bislang verweigere der Senat jedes Gespräch über diese Form der Mitarbeiterbeteiligung.

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) habe stattdessen in Aussicht gestellt, dass sich das Land beim Verkauf der Beteiligung für den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren einsetzen werde, schreibt das Blatt. Zum Auftakt des Bieterverfahrens um die LBB hat das Land Berlin vom künftigen Eigentümer weitreichende Zusagen für den Erhalt von Arbeitsplätzen gefordert.

Neben dem Verkaufserlös spiele das Konzept zur Fortführung der Bank eine sehr wichtige Rolle, sagte ein Sprecher von Thilo Sarrazin am Freitag. "Es ist klar, dass das Land Berlin dem Investor nach all den Opfern, die es für die Sanierung der Bank gebracht hat, gewisse Auflagen machen wird", sagte Sarrazin der "Financial Times Deutschland".

Das Land muss seinen 81-prozentigen Anteil an der früheren Bankgesellschaft Berlin Börsen-Chart zeigen nach Auflagen der EU-Kommission bis Ende 2007 verkaufen, weil es das Institut 2001 mit milliardenschweren Beihilfen vor dem Aus gerettet hat. Die Bank hatte sich zuvor mit faulen und ungesicherten Immobilienkrediten verhoben. Zur LBB gehört die Berliner Sparkasse, die für Bieter aus dem In- und Ausland besonders interessant sein dürfte.

Postbank Börsen-Chart zeigen, HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen sowie die französische Bank BNP Paribas Börsen-Chart zeigen hatten zuletzt Interesse angedeutet. Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen darf die LBB nicht kaufen, da sie schon die frühere Konzerntochter Berliner Bank erworben hat. Finanzkreise schätzen den Wert des zum Verkauf stehenden LBB-Aktienpaketes auf rund sechs Milliarden Euro.

Das Sparkassenlager kämpft dafür, dass die LBB in öffentlich-rechtlicher Hand bleibt. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unter der Führung von Präsident Heinrich Haasis rüstet sich deshalb selbst für ein Gebot. "Es spricht vieles dafür, dass Haasis antreten kann", urteilte ein Banker. "Die Reihen unter den Sparkassen sind geschlossen." Geplant ist nach Informationen aus Branchenkreisen die Gründung einer Erwerbergesellschaft in Form einer GmbH & Co.KG, die mit vier Milliarden Euro Kapital ausgestattet werden soll. Derzeit laufen in den Sparkassen-Regionalverbänden die Zustimmungsverfahren für die Pläne. Allerdings war von einzelnen der insgesamt rund 460 deutschen Sparkassen Kritik laut geworden. Der DSGV hält bereits über die DekaBank zehn Prozent an der LBB.

In das Verkaufsverfahrens geht die LBB mit einem höheren Gewinn als geplant. Für 2006 hatte das Institut kürzlich seine Prognosen für den Vorsteuergewinn auf 600 von gut 500 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das landeseigene Geldhaus hat im Großraum Berlin 150 Geschäftsstellen und betreut rund 2,6 Millionen Privatkunden.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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