Samstag, 18. Januar 2020

Gründer-Kolumne Web 3.0 in den Startlöchern

2. Teil: Undurchsichtige Informationsflut

Undurchsichtige Informationsflut

Das aktuelle Web ist – einfach betrachtet – in erster Linie eine Sammlung von Informationen, die von unterschiedlichen Organisationen beziehungsweise Unternehmen und (mit dem Einzug von Web-2.0-Konzepten) verstärkt auch von Privatpersonen veröffentlicht werden. Die große Menge verschiedenartiger Informationen ist allerdings Fluch und Segen zugleich: Es ist nämlich gerade die Vielfalt an verfügbarem Material, die das Finden der gewünschten Informationen beziehungsweise des gewünschten Produktangebotes letztendlich erschwert – die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Das Resultat der unkontrollierten Entwicklung des Webs ist eine Informationslandschaft, in der Informationen in vielen unterschiedlichen Formaten und nur wenig strukturiert vorliegen.

Suchmaschine: Die Web-Spürhunde finden zwar Daten, verstehen aber nicht deren Bedeutung
Freilich gibt es (Preis-)Suchmaschinen und elektronische Marktplätze. Dieses erlauben meist aber lediglich das Auffinden von Informationen, die gesuchte Zeichenketten enthalten beziehungsweise vom Urheber in einem geeigneten Format bereitgestellt werden – die wirkliche Bedeutung von Informationen bleibt Suchmaschinen und elektronischen Marktplätzen aber verschlossen und kann daher nicht zur Suche verwendet werden.

Es ist zumeist dem Benutzer beziehungsweise Produktnachfrager überlassen, Informationen zu interpretieren, zu abstrahieren, zu vergleichen, zu bewerten und Schlüsse daraus zu ziehen. Angesichts der steigenden Informationsflut fällt es dem einzelnen Benutzer aber zunehmend schwerer, dies zu leisten. Es kann immer öfter beobachtet werden, dass der Nachfrager wenig Lust hat, sich in den Angebotswüsten im Internet zurechtzufinden.

Intelligente Suche mithilfe der Semantik

Im Rahmen des sogenannten Semantic Web werden aktuell Konzepte erforscht sowie Standards und Technologien entwickelt, die dabei helfen, die Interpretation, Aggregation, Bewertung und den Vergleich von Informationen im Internet zu automatisieren. Ein Austausch von Informationen zwischen verschiedenen Webplattformen soll damit ohne Verlust von semantischer Information (Bedeutung) möglich sein. Die Informationen sind dann auch für die Plattformen interpretierbar, für die die Informationen ursprünglich nicht generiert wurden – zum Beispiel also für Suchmaschinen und Marktplätze.

Nutzer werden im Web der Zukunft Anfragen über semantische Konzepte stellen und in Wissensbeständen navigieren können. Kontextadaptive Webanwendungen werden "intelligent" auf die jeweilige Situation reagieren, in der der Nutzer sich gerade befindet, um gezielt Informationen anzubieten, die seine aktuelle Bedürfnislage befriedigen beziehungsweise in der aktuellen Situation von Nutzen sein können.

Die Vision eines intelligenten Internets ist allgegenwärtig. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis die entsprechenden Technologien und darauf aufbauenden Geschäftsmodelle damit beginnen, das Web wirklich zu revolutionieren und erste Lichtungen in den Informationsdschungel schlagen. Was aber wird in der Zwischenzeit geschehen?

Die Antwort liegt fast auf der Hand: Unternehmer sollten sich die offensichtliche Not der Nachfrager zur Tugend machen und den Kunden mit seinem individuellen (Informations-)Bedürfnis in den Mittelpunkt der eigenen Geschäftsidee rücken. Und damit ist nicht nur die reine Personalisierung bereits bestehender Webangebote gemeint – denn diese erwartet der Kunde laut aktueller Studien ohnehin. Gemeint ist hier vielmehr der mögliche Wechsel von einem Angebots- zum Nachfragermarkt – aus E-Business wird (M)E-Business! Das Web 3.0?

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