Audi Ein Ringkämpfer, zwei Athleten

Rupert Stadler bleibt auf Dauer Audi-Chef. Außerdem führt Stadler weiter den Audi-Geschäftsbereich Finanzen. Die beiden Ressorts Entwicklung und Produktion wurden neu besetzt.

München - Der Aufsichtsrat des Ingolstädter Autobauers Audi  hat Rupert Stadler dauerhaft zum neuen Vorstandschef berufen. Zudem bestellte das Gremium zwei neue Vorstandsmitglieder, deren Vorgänger zum Volkswagen-Mutterkonzern wechseln.

Bisher leitete der Finanzvorstand Stadler Audi nur kommissarisch, nachdem sein Vorgänger Martin Winterkorn an die Spitze des Wolfsburger Mutterkonzerns wechselte. "Stadler wird in Personalunion weiter den Geschäftsbereich Finanz und Organisation führen", teilte Audi mit.

Produktionsvorstand Jochem Heizmann, den Winterkorn zu VW holt, werde vom bisherigen Ingolstädter Werksleiter Frank Dreves ersetzt. Der 54-Jährige arbeitet seit 1982 für Audi und war in seiner Laufbahn auch in leitender Funktion für VW tätig.

Neuer Entwicklungsvorstand werde Michael Dick. Sein Ressort hatte Winterkorn bis zum Jahreswechsel neben seinem Posten als Vorstandschef geführt. Der 55-Jährige habe seine Karriere 1977 bei Audi gestartet und war nach Abstechern nach Wolfsburg zuletzt Leiter Gesamtfahrzeug, Fahrwerk, Vorseriencenter und Projektsteuerung, wie es hieß.

"Wir haben mit diesen Entscheidungen im Rahmen der Neustrukturierung des Volkswagen-Konzerns schnell und konsequent die personellen Weichen für die Zukunft von Audi gestellt. Der Audi-Vorstand ist damit wieder komplett aufgestellt und voll handlungsfähig", erklärte Aufsichtsratschef Winterkorn.

Der neue Audi-Chef hatte bereits deutlich gemacht, dass er am Kurs seines Vorgängers Winterkorn festhalten will. Für einen Richtungswechsel bei der VW-Tochter gebe es keinen Grund, sagte Stadler kürzlich auf der Automesse in Detroit. Für das vergangene Jahr konnte er dabei nicht nur einen Rekordabsatz von 905.100 verkauften Autos vermelden, sondern hatte auch neue Bestwerte bei Umsatz und Ergebnis für 2006 in Aussicht gestellt.

In Detroit präsentierte Stadler bei einem showreifen Auftritt den geländegängigen Q7 in einer 500-PS-Version mit dem stärksten Pkw-Dieselmotor der Welt. Zugleich schickte er eine Kampfansage an die Erzrivalen in München und Stuttgart: Er wolle alles daran setzen, dass Audi das Ziel erreicht, zur erfolgreichsten Premiummarke der Welt aufzusteigen.

"Einer der engsten Vertrauten von Winterkorn"

"Einer der engsten Vertrauten von Winterkorn"

Lange war spekuliert worden, Stadler sei nur ein Interimsvorsitzender und werde schon bald Winterkorn nach Wolfsburg folgen und dort Finanzvorstand werden. Damit, dass es nun eine Dauerlösung wird, dürften sowohl Audi als auch Stadler selbst zufrieden sein. "Die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen zu übernehmen, ist für ihn eine reizvolle Aufgabe", sagt ein Unternehmenskenner. Stadler könne nun weitere Erfahrung sammeln. "Er ist ja erst Anfang 40." Der Audi-Chefsessel sei ja schon öfter Sprungbrett für noch höhere Aufgaben gewesen. Vor Winterkorn hatte auch schon einmal der mächtige VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch den Chefsessel bei Audi inne.

Zwar waren Stadler Vorgänger bei Audi in der Regel Ingenieure. Doch Stadler galt schon bisher nicht als klassischer Finanzvorstand, der sich nur für eher dröge Zahlen interessiert. Er werde wohl auch künftig den Chefposten nicht nur als reine Koordinationsstelle sehen, sondern sich aktiv in die anderen Bereiche einmischen, vermutet ein Branchenkenner. Der Rückendeckung aus Wolfsburg kann er sich sicher sein. "Stadler ist einer der engsten Vertrauten von Winterkorn", sagte ein Unternehmenskenner. Zudem war Stadler fünf Jahre lang Büroleiter bei Piëch in Wolfsburg. Damit ist er bestens vernetzt im neu strukturierten VW-Konzern.

Stadler wuchs im oberbayerischen Wachenzell im Norden von Ingolstadt als Sohn eines Landwirts auf. Der ältere Bruder übernahm den Hof, Rupert Stadler studierte an der Fachhochschule Augsburg Betriebswirtschaft. Der Oberbayer legte eine steile Karriere hin. Er startete seine Laufbahn bei Philips  in Nürnberg, ehe er 1990 zu Audi wechselte. Bei der VW-Tochter übernahm er zunächst Aufgaben im Bereich Controlling. Die heute für höhere Weihen erforderliche Auslandserfahrung sammelte Stadler ab 1994 als kaufmännischer Geschäftsführer für VW und Audi in Spanien. Nach drei Jahren in der Ferne übernahm er die Leitung des Generalsekretariats beim VW-Vorstandsvorsitzenden Piëch und wurde 2002 zusätzlich Leiter der Konzern-Produktplanung.

Als Finanzvorstand war Stadler seit 2003 dafür verantwortlich, dass die Premium-Tochter einen Großteil der Gewinne des VW-Konzerns einfuhr und von Absatzrekord zu Absatzrekord eilte. Zudem hat er gemeinsam mit Winterkorn die ehrgeizige Mittelfristplanung des Konzerns entworfen. Die Energie für die dabei notwendigen Marathonsitzungen holt sich der Manager vor allem beim Sport. Stadler ist regelmäßig mit dem Mountainbike unterwegs und läuft gerne. Damit ist er ein nicht ganz so fanatischer Autofreak wie seine Vorgänger Winterkorn und Piëch.

Audi-Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch, der dem Aufsichtsratspräsidium angehört, begrüßte die Personalentscheidungen: "Belegschaft und Betriebsräte halten Rupert Stadler für den richtigen Mann an der Spitze von Audi. Wir hatten schon im Dezember gesagt, dass Herr Stadler für uns keine kurzfristige Übergangslösung ist, sondern die Marke langfristig stärken werde", erklärte Mosch. Ebenso positiv stünden die Beschäftigten Michael Dick und Frank Dreves gegenüber. "Alle drei kennen das Unternehmen und stehen für Kontinuität beim Erreichen der Unternehmensziele. Wir freuen uns auf die gute Zusammenarbeit."

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

Mehr lesen über