Eliteunis Acht Kandidaten im Finale

Acht Unis sind im Finale des Exzellenzwettbewerbs. Beim Wettlauf der Hochschulen geht es um viel Geld und um das Prestige, das der Titel der Eliteuni mit sich bringt: 1,9 Milliarden Euro werden bis 2011 vergeben, 27 Universitäten hatten sich beworben.

Die glorreichen Drei bekommen bald Verstärkung: Heute haben der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Bonner Wissenschaftszentrum an der Ahrstraße bekannt gegeben, welche Hochschulen sich ernsthafte Hoffnungen machen dürfen, der TU München, der LMU München und der TH Karlsruhe auf den Olymp der Eliteunis zu folgen.

An der Gipfelbesteigung dürfen sich versuchen: aus Berlin die Freie und die Humboldt-Universität, aus Niedersachsen die Uni Göttingen. Aus Baden-Württemberg gleich ein Dreigestirn mit Freiburg, Heidelberg und Konstanz. Aus Nordrhein-Westfalen die RWTH Aachen und - eine große Überraschung - die Ruhr-Universität Bochum. Im Oktober wird endgültig klar sein, wer sich in der dünnen Luft behauptet hat und in den kleinen Kreis der lorbeerbekränzten Unis aufgenommen wird.

Beim Wettlauf der Hochschulen geht es um viel Geld, aber auch um das Prestige, das der Titel der Eliteuni mit sich bringt: 1,9 Milliarden Euro werden bis 2011 vergeben, 27 Universitäten (siehe Fotostrecke) hatten mit einem Antrag ihren Hut in den Ring geworfen. Die Idee zum Elitewettbewerb stammt noch von der rot-grünen Bundesregierung, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, einige deutsche Hochschulen in die internationale Champions League zu befördern.

In der ersten von zwei Krönungsmessen hatte es nur das süddeutsche Trio geschafft. Acht weitere Hochschulen erhalten jetzt ihre Chance und wurden von den Wissenschaftlern aufgefordert, ihre Anträge zu präzisieren. Die anderen 19 Universitäten sind erst einmal aus dem Rennen - jedenfalls im Ringen um den schmucken Titel einer "Spitzenuniversität". Daneben gibt es allerdings zwei weitere Fördertöpfe für Graduiertenschulen und Forschungsverbünde, so dass viele trotz der Niederlage im Schaulaufen nicht leer ausgehen werden.

Es ist nur eine Vorauswahl, doch die Auflistung der Kandidaten im Elitewettbewerb der Hochschulen zeigt: Die Gießkanne hat als Prinzip der Mittelverteilung im deutschen Hochschulsystem vorerst ausgedient. Anstatt den gesamten Garten gleichmäßig zu bewässern, werden nun einzelne Pflanzen gepäppelt - in der Hoffnung, dass sie möglichst schöne Blüten hervorbringen mögen.

Allerhand Konfliktpotenzial

Und viele Bildungspolitiker und Hochschulpräsidenten verhalten sich so hilflos wie der Hobby-Gärtner, dem der Rasensprenger weggenommen und stattdessen ein Gartenschlauch mit dickem Strahl in die Hand gegeben wird. Nun sollen sie die Ressourcen punktgenau an Institute und Forschungsbereiche verteilen, mehr noch: Sie konkurrieren mit dem Nachbarn, der möglichst viel Wasser für den eigenen Garten abzweigen will.

Dieses Prinzip heißt Wettbewerb, und einige Bundesländer haben noch immer große Schwierigkeiten damit. So jammerte sich das an dauersprudelnde Transferleistungen gewöhnte Berlin vor der Entscheidung schon einmal kräftig in Form.

Berlins ehemaliger Wissenschaftssenator Thomas Flierl (Linkspartei) sah die Haupstadthochschulen bereits in der ersten Auswahlrunde benachteiligt, sein Nachfolger Jürgen Zöllner (SPD) mahnte nun einen gerechten Wettbewerb an. Der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz unterstellte gar eine "nicht sachliche" Jury-Entscheidung; sie habe "einseitig reiche Bundesländer" bevorzugt und somit die nahezu bankrotte Hauptstadt benachteiligt. Und der Präsident der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, schloss im Falle einer erneuten Nichtberücksichtigung einen Rücktritt nicht aus - nun kann er im Amt bleiben.

Allerhand Konfliktpotenzial

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, verteidigte das Auswahlverfahren und warf "Teilen der Berliner Presse" eine "Kampagne für die Universitäten der Stadt" vor, um den Druck auf die Gutachter zu steigern. Und er prophezeite in der "Berliner Zeitung", dass der Wirbel sich schnell legen werde, falls eine oder mehrere Hauptstadt-Unis es ins Finale schaffen.

Benachteiligt gegenüber den Südstaaten Bayern und Baden-Württemberg sahen sich auch Schleswig-Holstein und die neuen Bundesländer: Nur drei Prozent der Exzellenzmittel gingen in die neuen Länder, rechnete Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz erbost vor, daraus ergebe sich "nationaler Handlungsbedarf". Und sein Kollege Dietrich Austermann in Schleswig-Holstein vermutete Süd-Seilschaften am Werk.

Die Liste der Elitekandidaten wurde durch eine international besetzte Gutachtergruppe erstellt - und gerade deren ausländischen Mitgliedern ist das föderale Proporzdenken der Deutschen fremd. Die endgültige Eliteentscheidung trifft dann ein Bewilligungsausschuss, dem auch die zuständigen Fachminister angehören. Dann sind neue Konflikte programmiert - in der ersten Runde waren Politiker und Wissenschaftler kräftig aneinander gerasselt.