A350 Zukunft ruht auf schmalen Schultern

Mit Hängen und Würgen hat Airbus kürzlich die Entwicklung und Finanzierung des Hightech-Fliegers A350 gestemmt. Zehn Milliarden Euro soll das Konkurrenzmodell zum Boeing Dreamliner kosten, acht Jahre Zeit werden eingeplant. Nun wurde ein neuer Chef engagiert.

München - Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat Didier Evrard zum neuen Chef des zehn Milliarden Euro teuren neuen Airbus Programms A350 XWB ernannt. Evrard kommt vom europäischen Raketenbauer MBDA, an dem die Airbus-Muttergesellschaft EADS  mit 37,5 Prozent beteiligt ist.

Er habe die volle Unterstützung sowohl des EADS- als auch des Airbus-Managements, sagte Airbus-Chef und EADS-Co-Chef Louis Gallois am Mittwoch. Airbus-Vize Fabrice Brégier soll sich nach Informationen der "Welt" bei Konzernchef Louis Gallois persönlich dafür stark gemacht haben, Evrard zu engagieren. Brégier hatte mit dem 53-jährigen Ingenieur eng zusammen gearbeitet, als er Chef bei MBDA war. Bisher wurde das Programm für das Langstreckenflugzeug von Strategie-Chef Olivier Andries koordiniert.

Mit dem neuen A350 XWB will Airbus dem 787 Dreamliner des Erzrivalen Boeing  Paroli bieten. Airbus gab dem mittelgroßen für die Langstrecke konzipierten Modell erst Ende 2006 nach gründlichen Überarbeitungen grünes Licht. Der A350 soll ab 2013 in Dienst gestellt werden, fünf Jahre später als das neue Boeing-Modell. Der Erstflug der 787 wird in diesem Jahr erwartet.

Der A350 soll leichter, leiser und umweltfreundlicher werden als die Boeing 787. Die A350-Struktur soll zu 52 Prozent aus Kohlefaser-Verbundstoffen, zu 14 Prozent aus Titan, zu 20 Prozent aus Aluminiumlegierungen und zu sieben Prozent aus Stahl bestehen. Die Zulieferungen für den Jet sollen zur Hälfte aus dem Dollarraum kommen. Das Flugzeug sei "ein entscheidendes Programm zur Umwandlung von Airbus", sagte Gallois anlässlich der Präsentation im Dezember. "Wir gehen an den A350 mit einem neuen strategischen industriellen Ansatz heran, der alles betreffen wird, was wir im kommenden Jahrzehnt tun werden," so Gallois weiter.

Um den A350 zu finanzieren, plant EADS umfangreiche Kapitalmaßnahmen. Über eine Kapitalerhöhung sowie eine Emission unbefristeter Anleihen sollen Presseberichten zufolge insgesamt fünf Milliarden Euro erlöst werden. Die andere Hälfte der auf zehn Milliarden Euro taxierten Entwicklungskosten soll über Einsparungen generiert werden. Ursprünglich war lediglich mit vier Milliarden gerechnet worden.

Die Produktion des A380 soll nicht nur in Airbus-Werken wie Hamburg oder Toulouse erfolgen, sondern auch bei Lieferanten in Russland, China oder den USA. Von den Entwicklungskosten soll knapp ein Fünftel an Partner ausgelagert werden, die sich entsprechend am Risiko beteiligen. "Wir sind im Gespräch mit zehn Risikopartnern in Europa, Asien und den USA", sagte der Airbus-Chefstratege Olivier Andriès. Bis zur Einigung werde es vier bis fünf Monate dauern. Gallois erklärte: "Wir werden mehr Arbeit in den US-Dollarraum verlegen, um eine natürliche Absicherung gegen eine Dollarschwäche zu haben."

Um sich gegen eine eventuelle Dollarschwäche zu wappnen, sollen 50 Prozent des A350 im Dollarraum gefertigt werden. Jeweils fünf Prozent der Fertigung gehen nach den Plänen des Managements nach Südkorea und China, die Russen sollen mit drei Prozent beteiligt werden.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ddp

Mehr lesen über