Mittwoch, 26. Juni 2019

Deutsche in der Schweiz "Geht doch heim ins Reich"

2. Teil: "Einmarsch der Deutschen"

"Einmarsch der Deutschen"

Im August letzten Jahres waren insgesamt 166.146 Deutsche in der Schweiz registriert - damit liegen sie an vierter Stelle hinter Portugiesen, Serben und Italienern. Einerseits füllen Deutsche einfach Lücken auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, sei es in der Gastronomie, auf der Baustelle oder in der Pflege. Andererseits sind viele von ihnen überdurchschnittlich ausgebildet und arbeiten in der Schweiz als Ärzte, bei Banken, Versicherungen, als Uni-Professoren oder in der Beraterbranche.

Misstrauische Eidgenossen: "Deutsche lieben unsere Jobs"

In der Schweiz finden die Deutschen den persönlicheren Umgang und die größere Loyalität angenehm, wie Jens Reufsteck von der Recruitment-Firma Hobsons erklärt. Hauptsächlich machten die Schweiz aber die höheren Löhne und die niedrigeren Steuern attraktiv.

"Einmarsch der Deutschen" oder "Deutsche lieben unsere Jobs": Mit diesen Überschriften kommentierten Schweizer Tageszeitungen im Sommer die Einwanderungsstatistik. Sie zeigte, dass Deutsche die am schnellsten wachsende ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz sind. 2003 kamen rund 7000 zum Arbeiten ins Nachbarland, 2005 schon 13.800. Seitdem schreiben die Zeitungen von der "Neuen deutschen Welle".

Eine Studie des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft vom letzten Juni zeigt zwar, dass die Zuwanderer aus der EU kaum Schweizer von ihren Arbeitsplätzen verdrängt haben dürften. Trotzdem wächst die Konkurrenz. Reufsteck zufolge haben deutsche Bewerber in einigen Bereichen den Schweizern etwas voraus: Meist könnten sie in ihrem Lebenslauf mehr Berufserfahrung und Auslands-Praktika ausweisen und stellten sich im Vorstellungsgespräch mit einem gesunden Selbstvertrauen vor, so Reufsteck.

Im Alltag gibt es mitunter Anfeindungen, mit denen Deutsche nicht rechnen - sie halten Schweizer für eher freundlich und gemütlich. Ein seltsames Erlebnis hatte zum Beispiel Jeannette Krauth: Die Berlinerin kam als Austausch-Journalistin für einen Monat nach Zürich. An einem Sonntag wurde ihr Hund im Park von einem anderen Hund gebissen.

In der Eile hatte sie beim Tierarzt nicht genügend Bargeld dabei, sagte ihm das aber vor der Behandlung. Und gab ihm damit das Stichwort für eine regelrechte Schimpftirade gegen die Deutschen. "Zehn Minuten hat er sich vor mir aufgebaut und ließ sich nicht bremsen", sagt Krauth. Es war das erste Mal, dass ihr persönlicher Ausländerhass entgegengebracht wurde. Trotzdem, sagt die Journalistin, seien ihre Erlebnisse in der Schweiz überdurchschnittlich positiv gewesen.

Anna Imfeld, AP

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