Google Wohltätige Weltrekordler bevorzugt

Im Google-Universum ist die Welt ein Algorithmus. Jetzt sucht der Suchmaschinen-Gigant mit neuen Kriterien nach den besten Mitarbeitern. Nicht nur Noten zählen, sondern auch Selbsständigkeit und Kreativität: Ein Programm filtert die Bewerber nach ihren persönlichen Fähigkeiten - mit teils skurrilen Fragen.

Mountain View – Auch Kandidaten ohne Eliteuni-Abschluss und Einser-Durchschnitt können in einem neuen Auswahlverfahren auf einen der heiß begehrten Jobs beim Internet-Giganten Google  hoffen. Zum Beispiel, wenn sich schon einmal einen Weltrekord aufgestellt haben oder sich als Hunde-Babysitter selbstständig gemacht haben. Mit solchen Kriterien suchen ab sofort die Personalchefs von Google nach den High Potentials der Computerbranche, wie die Online-Ausgabe der "New York Times" berichtet.

Google hat Suchmaschinen, Nachrichtenseiten und E-Mailprogramme mit cleveren Such-Algorithmen perfektioniert. Warum sollten sich dann nicht auch die besten Köpfe für neue Jobs per automatisierter Datenerfassung finden lassen? Bisher wurden die monatlich etwa 100.000 Bewerbungen streng nach Bestnoten und renommierten Ausbildungsstätten gefiltert – ab jetzt sollen Soft Skills eine viel größere Rolle spielen.

Die Headhunter von Google sind überzeugt, dass sich Persönlichkeit, Lebenserfahrung und Soft Skills in Einsen und Nullen, in Algorithmen und Zahlen darstellen lassen. "Je mehr wir wachsen, desto schwerer wird es, genug neue Leute zu finden", sagte Laszlo Bock, Personalchef bei Google in Kalifornien, der "New York Times". "Mit traditionellen Auswahlmethoden befürchten wir, einige besonders geeignete Kandidaten zu übersehen." Zudem seien Vorstellungsgespräche wenig geeignet, um wirklich passende Mitarbeiter zu rekrutieren.

Zwar verwenden auch andere Firmen automatisierte Online-Auswahlverfahren, doch die suchen im Gegensatz zu Google meist weniger nach kreativen Überfliegern als nach der passenden Besetzung für eher standardisierte Arbeitsabläufe – etwa als Versicherungsagenten oder Bilanzbuchhalter.

Im neuen Google-Auswahlverfahren findet der Bewerber unter anderem folgende Fragen:

  • Haben Sie schon einmal einen regionalen, landesweiten oder Welt-Rekord aufgestellt?
  • Haben Sie schon einmal Geld für Nachhilfe, Kochen oder für das Ausführen eines Hundes verdient?
  • Haben Sie eine wohltätige Organisation gegründet?
  • Haben Sie schon einmal ein Buch geschrieben?

Am Ende erhält jeder Bewerber eine Punktzahl zwischen Null und 100, die angeben soll, wie gut er zur Stelle und Unternehmenskultur passt.

Die Fragen entstanden nach einer umfangreichen Erhebung unter den Google-Angestellten. Dabei wertete das Team von Lazlo Bock Leistungsdaten und Erfolge einzelner Mitarbeiter aus, verglich diese mit persönlichen Fragebögen - und fand durch die Korrelationen wichtige Persönlichkeitsmerkmale für verschiedene Tätigkeiten.

"Es geht nicht darum, von der besten Technologie-Uni zu kommen, es geht darum, dass ein Kandidat Leidenschaft und Ambitionen hat für das, was er tut, und eine Menge Energie", erklärt Alan Eustace, Leiter der Technikabteilung bei Google, in einem Rekrutierungs-Video.

Auch wenn es bisher noch keine Daten über die Effizienz der Fragenkataloge gibt, konnte die Personalabteilung einen ersten Erfolg der neuen Methode vermelden: In der letzten Woche wurden erstmals sechs Bewerber mit einem amerikanischen Notendurchschnitt unter 3,0 (entspricht etwa einer glatten Zwei im deutschen System) angestellt.

manager-magazin.de mit Material von SPIEGEL ONLINE

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