Sonntag, 21. April 2019

Was ist eigentlich Basel II?

2. Teil: Gründzüge

3. Grundzüge

Basel I regelte nur die Mindestanforderungen der Eigenkapitalausstattung, das heißt mit wie viel Prozent Risiken durch Eigenkapital abgedeckt werden müssen. Hierbei mussten nur das Kreditrisiko und das im Handelsbuch verzeichnete Marktrisiko mit mindestens 8 Prozent Eigenkapital abgesichert werden. Zur Bewertung des Kreditrisikos wurde der Standardansatz verwendet, bei dem die Risikogewichtungssätze für bestimmte Kreditforderungsarten vorgegeben werden. Die Bonität der Kreditnehmer wurde nicht betrachtet. Das Marktrisiko konnte über den einfachen Standardansatz oder ein internes Modell bewertet werden.

Basel II erweiterte die Richtlinien der Eigenkapitalmindeststandards und fügt dem Gesamtmodell zur gegenseitigen Verstärkung noch zwei weitere Säulen hinzu, betreffend die qualitative Bankenaufsicht und die Marktdisziplin.

  • Mindestkapitalanforderungen (Säule eins):
    Die Mindestkapitalquote von 8 Prozent aus Basel I wird beibehalten, ebenso wie die das Marktrisiko betreffenden Vorschriften. Allerdings können nun zur Bewertung des Kreditrisikos komplexe mathematische und risikogenauere Methoden (zum Beispiel Probability of default, Loss given default) verwendet werden. Alle Kredite sind mittels interner beziehungsweise externer Ratings zu beurteilen und werden somit risikoadäquat und differenziert mit Eigenkapital hinterlegt. Zusätzlich ist auch eine Eigenkapitalhinterlegung für operationelle Risiken vorgeschrieben. Für die quantitative Erfassung sind auch hier unterschiedliche Methoden vorgesehen, die sich durch steigende Risikosensitivität und Komplexität bei gleichzeitig sinkender Eigenkapitalbelastung auszeichnen.
  • Bankaufsichtlicher Überprüfungsprozess (Säule zwei):
    Hier werden internationale Standards für die Befugnisse und Aufgaben der Aufsichtsbehörden zur Kontrolle des Risikomanagements festgelegt. Die Aufsichtsinstanzen führen laufend und regelmäßig Überprüfungen durch, ob jede Bank über entsprechende interne, funktionierende Risikomanagementmethoden verfügt. Somit soll sichergestellt werden, dass die Risikobewertung und Eigenkapitaldeckung dem Risikoprofil der Bank entspricht. Zusätzlich kontrolliert die Bankenaufsicht die Mindestanforderungen an das Betreiben von Kreditgeschäften.

  • Erweiterte Offenlegung (Säule drei):
    Diese Säule fordert eine erweiterten Offenlegung und Transparenz der Banken, um so die Marktdisziplin zu stärken. So wird ein besserer Einblick in das Risikoprofil der Banken und in die Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung gewährleistet. Hierzu zählt die Offenlegung der angewendeten Risikoverfahren und der Portfolios nach Risikoklassen im Jahres- und Quartalsabschluss.

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