Kai-Uwe Ricke Der Sparmeister

Nach vier Jahren im Amt ist Kai-Uwe Ricke als Chef der Deutschen Telekom zurückgetreten. Der Sohn des früheren Telekom-Lenkers Helmut Ricke gilt als Pragmatiker und Teamspieler. Zwar reduzierte er die drückende Verschuldung des früheren Staatskonzerns, musste aber Marktanteile abgeben.

Bonn - Im November 2002 übernahm der heute 45-jährige Ricke nach monatelanger Suche nach einem Nachfolger für Ron Sommer das Ruder bei der Deutschen Telekom . Sein Vater Helmut Ricke war von 1990 bis 1994 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bundespost Telekom, der Vorläuferin der 1995 gegründeten Deutschen Telekom AG.

Ricke junior, der damalige Chef der Mobilfunksparte des Konzerns, gilt als Pragmatiker und Teamspieler - das Gegenteil seines Vorgängers Sommer. Dieser war wegen der hohen Schulden, des sinkenden Aktienkurses und hoher Vorstandsgehälter in die Kritik geraten und hatte seinen Hut genommen, weil ihn der Bund als Mehrheitsaktionär fallen ließ.

Der gelernte Bankkaufmann und Betriebswirt Ricke begann seine Karriere in der Kommunikationsbranche als Vorstandsassistent beim Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann.

Große Einkäufe unter Sommer

1990 wechselte er zum Elmshorner Telefonanbieter Talkline und war dort von 1995 bis 1997 Sprecher der Geschäftsführung. Anfang 1998 berief Sommer Ricke zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der damaligen Deutsche Telekom MobilNet GmbH. Der designierte neue Konzernchef René Obermann begann an Rickes Seite im selben Jahr seine Karriere bei der Telekom. Im Februar 2000 wurde Ricke Vorstandschef der neuen Mobilfunk-Dachgesellschaft T-Mobile International, und im Mai rückte er in den Konzernvorstand auf, wo er für die Sparte Mobilfunk verantwortlich ist.

Unter Sommer wickelte Ricke für T-Mobile mehrere Zukäufe ab, unter anderem den der britischen One2One und die der US-Anbieter Voicestream und Powertel für mehr als 50 Milliarden Dollar - eine Summe, die Kritiker auf den Plan rief. T-Mobile investierte auch erheblich in den neuen Mobilfunkstandard UMTS, und gab allein in Deutschland rund 8,5 Milliarden Euro für Lizenzen aus.

Die Verschuldung der Telekom stieg Mitte 2001 auf den Rekordstand von 71 Milliarden Euro. Wegen des Verbots des Kabelverkaufs durch das Kartellamt kürzte der Konzern erstmals die Dividende, der Börsengang von T-Mobile wurde wegen des schwachen Börsenumfelds ausgesetzt, der Schuldenabbau verzögerte sich und die T-Aktie rutschte im Juni 2002 auf ihren Tiefpunkt bei 8,14 Euro.

Rekorddividende 2005

Rekorddividende 2005

Nach dem Rücktritt von Sommer trat Ricke, der als umgänglicher, aber auch als harter Verhandler beschrieben wird, ein schweres Erbe an. Mit eisernem Sparen und dem Verkauf von Beteiligungen senkte Ricke die Verschuldung im Konzern deutlich. In seiner Antrittsrede bei der Telekom reagierte er auf Management-Etiketten, die ihm zuvor angeheftet wurden und möglicherweise auch in Anspielung auf den ehemaligen Vorstandsposten seines Vaters: "Ich bin ich."

Mit einem kräftigen Wachstum der US-Tochter Voicestream brachte der passionierte Segler die Kritiker vorerst zum Schweigen. Die US-Tochter wurde der Wachstumsmotor im Konzern, den Ricke Anfang 2005 umbaute. Aus vier Säulen wurden die drei Geschäftsfelder Breitband/Festnetz, Mobilfunk und Geschäftskunden. Am Konzerngewinn im Jahr 2005 von 5,6 Milliarden Euro wurden die leidgeprüften T-Aktionäre mit einer Rekorddivende beteiligt. Nach dem Schuldenabbau stellte Ricke profitables Wachstum in den Vordergrund.

Gerade erst das Projekt "Telekom 2010" gestartet

Doch der Aktienkurs kam nicht in Fahrt. Auch zehn Jahre nach dem Börsengang dümpelt der Kurs unter dem Emissionspreis von 14,32 Euro. Der scharfe Preiswettbewerb holt das einstige Staatsunternehmen immer mehr ein. Im Sommer musste Ricke eingestehen, die Wachstumsaussichten im Inland überschätzt zu haben, der Konzern senkte die Prognosen für 2006 und 2007.

Rickes Kritiker vermissen eine klare Strategie, um den Konzern wieder aus seinem Tief herauszuholen. Seither reißen die Spekulationen über seine Ablösung nicht ab. Vor allem der Finanzinvestor Blackstone, der im April - beraten von Ron Sommer - mit 4,5 Prozent bei der Telekom einstieg, soll unzufrieden sein.

Anfang September präsentiert Ricke dann seine Strategie "Telekom 2010", mit der er aus Europas umsatzstärkstem Anbieter auch die ertragsreichste Firma der Branche machen wollte. Grundlage ist die Verlagerung von Schlüsselfunktionen an den Konzernvorstand, der der Aufsichtsrat zustimmt. "Ich fühle mich wirklich gut", sagte Ricke nach der Sitzung.

Zuversicht auf der Pressekonferenz

Am vergangenen Donnerstag hatte sich Ricke auf der Quartalspressekonferenz noch zuversichtlich gezeigt, auch wenn der scharfe Preiswettbewerb der Telekom im dritten Quartal weiter zu schaffen gemacht hatte und nur das Mobilfunkgeschäft dem Konzern zu einem Umsatzplus verhalf. Die im September gestarteten gebündelten Angebote aus Telefonie, Internet und Unterhaltung sowie die gesenkten Mobilfunkpreise zeigten ihre Wirkung, sagte er. Der Erlösrückgang im Inland habe sich bereits im dritten Quartal weiter abgeschwächt.

Mit seiner neuen Strategie wollte er zudem bis 2010 die Kosten um fünf Milliarden Euro senken. Nun wird sich wohl sein designierter Nachfolger René Obermann der Aufgabe annehmen, den mit Beamten durchsetzten Konzern schlanker, kundenorientierter und dabei weniger kostenträchtig zu machen. Auch er muss - wie seine Vorgänger - versuchen, es allen recht zu machen: Den Aktionären, dem Bund und der Arbeitnehmerseite.

manager-magzin.de mit Material von reuters

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