Neuer Telekom-Chef Obermanns Blitzkarriere

Mit 23 Jahren gründete er eine eigene, kleine Firma, mit 37 hat er sich bis auf den Chefposten von T-Mobile vorgearbeitet. Und nur sechs Jahre später nimmt René Obermann das Angebot an, Vorstandschef der Telekom zu werden. Seine Fähigkeit, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, dürfte ihm dabei helfen - Spitzname "Bulldozer".

Bonn - Der derzeitige T-Mobile-Chef René Obermann gilt als engster Vertrauter von Kai-Uwe Ricke im Management der Telekom. Das wurde erst kürzlich wieder deutlich: Aus einigen Querelen unter den Vorständen Walter Raizner bei T-Com und T-Systems-Chef Lothar Pauly ging Obermann als Sieger hervor. Ricke übertrug ihm große Teile des Endkundengeschäfts in Deutschland, Raizners Einflussbereich wurde verkleinert. Das geschah im September.

Im selben Monat gelang Obermann nach Einschätzung von Branchenexperten ein Coup auf dem US-Markt. Der 43-jährige, gebürtige Düsseldorfer koordinierte dort die Ersteigerung von 120 Mobilfunklizenzen zum Preis von 4,18 Milliarden Dollar.

Von Kollegen wird der smarte Hobby-Motorradfahrer als höchst fachkundiger Perfektionist beschrieben, der auch unpopuläre Entscheidungen fällt, sobald er von einer Sache überzeugt ist. Einige Telekom-Kollegen haben ihm wegen seiner Unnachgiebigkeit den Beinamen "Bulldozer" gegeben.

Millionendeal mit Hutchison Whampoa

Bereits während seines Volkswirtschafts-Studiums gründete Obermann 1986 eine eigene Firma in Münster, ABC Telekom. Damals hatte er eine zweijährige Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW  gerade abgeschlossen. Anfangs handelte Obermann in seinem neuen Geschäft mit Telefonen, Faxgeräten und Anrufbeantwortern, dann weitete er das Angebot aus und bot Mobilfunkdienste an.

Fünf Jahre später weist das Unternehmen bereits 20 Millionen Mark Umsatz aus, zwanzig Mal mehr als im Gründungsjahr. Obermann hat zu Gunsten des Geschäfts sein Studium mittlerweile abgebrochen. Er verkauft nun die Mehrheit an seinem Unternehmen an den Großkonzern Hutchison Whampoa  in Hong Kong. Bis 1998 leitet er als Geschäftsführender Gesellschafter den ABC-Telekom-Nachfolger Hutchison Mobilfunk GmbH.

Im April 1998 bietet ihm der damalige Telekom-Chef Ron Sommer den Posten des Geschäftsführers Vertrieb bei T-Mobile Deutschland an - auf Empfehlung von Kai-Uwe Ricke, der Obermann bereits drei Jahre zuvor beim Verband der Anbieter von Mobilfunkdiensten (VAM) kennen gelernt hatte. Bis heute sind die beiden befreundet, woran sich nach Einschätzung aus Unternehmenskreisen auch durch den Postenwechsel nicht ändern dürfte: Obermann hat die Abwahl von Ricke dem Vernehmen nach nicht unterstützt.

Im Jahr 2000 steigt Obermann zum Vorsitzenden der Geschäftsführung T-Mobile International auf. Bis Ende 2002 kann er die Zahl der Mobilfunkkunden in Deutschland auf knapp 25 (heute: rund 30) Millionen ausbauen - mehr als Konkurrent Vodafone  D2-Kunden zählte.

Auf Wachstumskurs in den USA


Auf Wachstumskurs in den USA

Obermann, heute verheirateter Vater von zwei Kindern, wird darauf in den Konzernvorstand mit Zuständigkeit für das strategische Geschäftsfeld Mobilfunk berufen und im Dezember 2002 Vorstandschef von T-Mobile, dem Wachstumsmotor des Konzerns.

Auf dem wichtigen US-Markt entwickelt sich das Geschäft nach einem anfangs umstrittenen Kauf der Gesellschaften Voicestream und Powertel positiv. 2001 hatte der Konzern 50,7 Milliarden Dollar Kaufpreis entrichtet. Bis heute baut T-Mobile als viertgrößter Anbieter auf dem Markt seine Position aus: Obermann steigerte die Zahl der Kunden 2005 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 21,7 Millionen, der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro.

Der deutsche Handy-Markt dagegen hat sich abgeschwächt, was Obermann voraussah. Er leitete ein milliardenschweres Sparprogramm ein, mehrere hundert Mitarbeiter mussten gehen. Heute macht sich die von ihm eingeleitete Bremsung auf dem deutschen Markt bezahlt.

Nicht nur den Chefposten bei T-Mobile übernahm Obermann von Ricke, mit dem er seit seinem Start in der Telekom-Mobilfunksparte eng zusammengearbeitet hatte.

Nun übernimmt er zum vierten Mal in Folge eine Führungsposition bei der Telekom, die zuvor Ricke innehatte. Es dürfte das schwerste Erbe für den "Bulldozer" sein.

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