Demografischer Wandel "Unternehmen machen nichts"

Die drohende Personalnot durch eine alternde Bevölkerung wird in deutschen Unternehmen zu wenig thematisiert. Vor allem um junge Talente wird sich der Wettbewerb verschärfen, sagt das Hans-Böckler-Institut.

Aachen - "Die Unternehmen machen nichts. Da kann einem angst und bange werden", sagt der Arbeitsmarktforscher der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Hartmut Seifert. Die Betriebe würden kaum auf die durch den demografischen Wandel drohende Personalnot reagieren. Denn wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand drängen, fehlen überall Arbeitskräfte. Nur wenige Unternehmen treffen bereits jetzt Vorsorgemaßnahmen, so Seifert.

Umkehreffekt: Die jungen Leute, die jetzt in der Ausbildung seien, gingen goldenen Zeiten entgegen, sie bekämen Jobs, heißt es.

"Doch die Manager handeln nach dem Motto: Wir reagieren auf die Probleme, wenn sie da sind", sagte Seifert. Erst wenn es so weit sei, wollten sie den Wettbewerb um junge qualifizierte Arbeitnehmer verstärken. Zu spät: Diese Strategie wird dann von vielen angewandt und es kommt zu einem scharfen Wettbewerb. "Auf die Besonderheiten des demografischen Wandels wird nicht mit notwendigen langfristigen Maßnahmen reagiert", so Seifert.

Nach einer Studie sind Arbeitnehmer zwischen 55 und 65 Jahren in Deutschland im internationalen Vergleich unterproportional beschäftigt. Nur 41,8 Prozent dieser Altersgruppe hatte 2004 einen Job, stellt eine von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fest. Es gebe kaum Maßnahmen, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu bewahren oder zu erhöhen.

Gut ausgebildete junge Leute hätten in Zukunft zwar gute Jobchancen, müssten aber die sozialen Sicherungssysteme schultern, sagte Seifert. "Sie werden sich überlegen, wie sie sich dem entziehen können und eventuell auswandern", stellte der Experte fest.

manager-magazin.de mit Material von dpa