Rewe Verfahren gegen Ex-Chef Reischl

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Rewe-Chef Hans Reischl eingeleitet. Es werde nun geprüft, ob Konten in unzulässiger Weise genutzt worden seien, erklärte Reischls Anwalt Norbert Gatzweiler. Bei Rewe hätten zahlreiche Mitarbeiter "eine Art" Sparkonto gehabt, so Gatzweiler.

Köln - Die Kölner Staatsanwaltschaft hat nach Hinweisen der Rewe-Geschäftsleitung ein Ermittlungsverfahren wegen dubioser Geschäftsvorfälle beim zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändler eingeleitet. Das bestätigte der Kölner Handelskonzern.

Rewe kündigte an, das Ermittlungsverfahren mit "allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen". Zu Details und betroffenen Personen wollte der Konzern aber keine Stellung nehmen. Rewe-Vorstandssprecher Alain Caparros begrüßte das zügige Handeln der Staatsanwaltschaft und betonte: "Der Vorstand der Rewe Group will, dass die Vorgänge lückenlos aufgeklärt werden." Der Handelskonzern hatte die Staatsanwaltschaft Köln und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingeschaltet, um zur Klärung "möglicherweise strafrechtlicher Sachverhalte" aus der Vergangenheit beizutragen.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat am Dienstag bestätigt, dass sie gegen Reischl ermittelt. Untersucht werde, ob Reischl Konten des Handelskonzerns für eigene Transaktionen missbraucht habe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es gehe um einen möglichen Verstoß gegen das Kreditwesengesetz. Reischl werde aber nicht verdächtigt, Gelder veruntreut zu haben. "Es besteht kein Korruptionsverdacht", sagte der Sprecher.

Das Verfahren sei wegen eines Anfangsverdachts des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz aufgenommen worden, sagte Reischls Anwalt Norbert Gatzweiler am Montag. Ermittlungen gegen Reischl unter dem Verdacht der Bestechlichkeit oder der persönlichen Bereicherung gebe es aber nicht, betonte der Anwalt. Die Staatsanwaltschaft prüfe nur, ob Konten in unzulässiger Weise genutzt worden seien.

"Herr Reischl hat keine Konten der Rewe missbraucht", sagte Gatzweiler. Bei dem Konzern hätten zahlreiche Mitarbeiter "eine Art" Sparkonto gehabt. "Es geht um private Konten, auf denen Herr Reischl private Gelder hatte", erklärte er. Nun gehe es um die Frage: "Konnte er hierüber verfügen, oder hätte es hierzu einer Erlaubnis der BaFin bedurft?" Da es sich um private Gelder handle, gehe er davon aus, dass eine solche Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz nicht nötig gewesen sei.

Die Konten, um die sich die Ermittlungen drehten, seien von Wirtschaftsprüfern untersucht und nicht beanstandet worden, sagte der Anwalt. Er gehe davon aus, das Verfahren "einvernehmlich" mit der Staatsanwaltschaft beilegen zu können.

Reischl war im Jahr 2004 nach 27 Jahren an der Spitze der Rewe im Streit aus dem Handelskonzern ausgeschieden. Er hatte wenige Monate vor Beginn seines regulären Ruhestands bereits ein Aufsichtsratsmandat beim Konkurrenten KarstadtQuelle antreten wollen, was zum Zerwürfnis mit dem bisherigen Arbeitgeber führte.

Der Manager selbst hatte in einem Interview alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe als absurd zurückgewiesen.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters