Samstag, 17. August 2019

Großsponsor Jacobs-Stiftung rettet mit 200 Millionen Euro Bremer Privatuni

2. Teil: Ebbe im Spendentopf


Ebbe im Spendentopf

Die IUB sollte aber auch nicht irgendeine Hochschule werden, sondern nach Witten/Herdecke die zweite echte Privatuniversität Deutschlands. 2003 kam mit der Zeppelin-Universität am Bodensee die dritte private Hochschule hinzu. Anders als private Wirtschaftshochschulen setzten die Bremer nicht auf das schmale Fundament der kostengünstig zu betreibenden Studiengänge BWL oder VWL, sondern auf fächerübergreifendes Arbeiten in den Natur-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften und einen konsequent internationalen Ansatz. Die Campus-Universität auf einem früheren Kasernengelände ist komplett englischsprachig und verzeichnet inzwischen 1000 Studenten aus über 85 Nationen.

Bei der Gründung wollte die IUB noch im amerikanischen Stil Stiftungskapital einwerben - 250 Millionen Mark waren das erklärte Ziel. Bremens Bürgermeister Henning Scherf, der damals vor allem über einen großen Schuldenberg regierte, war vom Projekt überzeugt. Die private Universität sollte das Image des Stadtstaates aufbessern helfen.

Also ging die Privatuni aus der Landeskasse gepäppelt an den Start, aber die Baisse verdarb der Wirtschaft die Lust, tiefer in den Spendentopf zu greifen. So kam Gründungspräsident Fritz Schaumann im Sommer 2003 wieder zum Bremer Senat - und erhielt 50 Millionen Euro auf zehn Jahre geborgt, um die Liquidität zu sichern. Im Herbst 2003 rettete eine 15-Millionen-Euro-Zahlung des Energieriesen E.on den Jahresabschluss. Sie fand einen Umweg über Bremer Landeskonten, wurde bei E.on als "Betriebsausgaben" und an der IUB als "Spende" verbucht - steuerrechtlich pikant.

Akademischer Erfolg, finanzieller Fehlschlag

Neben dem fehlenden Stiftungskapital-Stock hat die IUB ein weiteres Geldproblem: Nicht einmal jeder zehnte Student zahlt die Studiengebühren, die für Bachelorstudenten 15.000 und für Masterstudenten 20.000 Euro jährlich betragen, in voller Höhe. Weltweit steht die Hochschule in Konkurrenz etwa mit Elite-Unis der USA. Die IUB wählt die Bewerber unabhängig von ihrer finanziellen Situation aus - und musste vielen interessanten Kandidaten die Gebühren erlassen. Die größten Studentengruppen kamen in den ersten Jahren aus Ländern Osteuropas.

Eine Expertenkommission, die "mittelfristige Perspektiven" entwickeln sollte, nahm die IUB in den letzten Monaten intensiv unter die Lupe - und fand einige Schwachstellen. Zwar sei sie "faktisch die einzige private Universität in Deutschland, die Natur- und Ingenieurwissenschaften anbietet, dabei aber auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit einem klaren Profil überzeugt", lobte Wilhelm Krull, Kommissionsleiter und Generalsekretär der VW-Stiftung. Akademisch gesehen sei die IUB ein voller Erfolg. Aber ihr fehle eben jedes Jahr ein "Kernbudget von 25 bis 30 Millionen Euro, das voll und ganz aus den Erträgen eines Stiftungskapitals bestritten" werden müsste.

Die Experten orteten zudem erhebliche wissenschaftliche Defizite und kamen zum Ergebnis, die IUB habe "derzeit nicht die Möglichkeit, aus eigener Kraft zu einer international sichtbaren Forschungsuniversität zu werden". Es fehlen auch größere Zahlen von Studenten in höheren Semestern; von den rund 1000 Studenten sind 618 im Bachelorstudium. Und da die meisten Bachelor-Absolventen Deutschland wieder verlassen, sehen die Personalabteilungen der Firmen, die doch für die IUB spenden sollen, bei ihren Bewerbungsrunden wenig von den Absolventen.

"Am Anfang einer Erfolgsgeschichte"

Aus der Expertenkritik will die IUB Konsequenzen ziehen und das Selbstverständnis bescheidener formulieren, auf mehr Konzentration bei den Forschungsansätzen und mehr Kooperation mit anderen staatlichen Forschungs-Einrichtungen setzen. Uni-Präsident Treusch griff auch eine weitere Empfehlung der Kommission auf: Er will dafür sorgen, dass mehr IUB-Studenten Deutsch lernen und Interesse an ihrem Gastland entwickeln. "Die Sprache des Gastlandes zu beherrschen ist nicht nur nützlich, um sich auch außerhalb des Campus zurecht zu finden", erklärte er jüngst den neu eingeschriebene Studenten. "Es wird Ihnen auch helfen, Praktikums- und Arbeitsplätze in Deutschland zu finden. Und nicht zuletzt erschließen Sie sich die Möglichkeit, zusammen mit Ihren Patenfamilien Bremen und deutsche Kultur kennen zu lernen."

Erst einmal ist die Privatuniversität einige drückende Sorgen los und kann ihre Zukunft durch den 200-Millionen-Batzen der Jacobs-Stiftung weit entspannter planen. "Wir stehen nicht am Ende, sondern am Anfang einer Erfolgsgeschichte", sagte Joachim Treusch erleichtert.

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