Donnerstag, 24. Oktober 2019

Gerüchte Folgenschwerer Flurfunk

"Schon gehört? Wir sind pleite, der Chef in der Karibik." Verschwörungstheorien verbreiten sich unter Kollegen in Windeseile. Gerüchte können erstaunliche Kräfte entfalten und eine Menge Schaden anrichten. Verhindern lässt sich das durch die richtige Informationspolitik und gezieltes Eingreifen im zwischenmenschlichen Bereich.

München/Hamburg - "Gerüchte gab es immer und wird es auch weiterhin geben", lautet die nüchterne Einschätzung des Anwalts Michael Scheele aus München. Zu groß sei das Bedürfnis, Wissenslücken mit Mutmaßungen zu schließen, Orientierungslosigkeit oder Unsicherheit mit Spekulationen zu verringern und Aggressionen abzureagieren, so der Jurist und Sachbuchautor.

Destruktive Eigendynamik: Gerüchte können großen Schaden anrichten
In Zeiten beruflicher Verunsicherung finden Gerüchte den besten Nährboden: Wenn viel in Bewegung ist und Mitarbeiter nicht genau wissen, wie es mit ihrem Betrieb weitergeht. Dann würden eben auch ungesicherte Informationen weitergegeben, sagt Christine Öttl, Coaching-Expertin aus München. "Gerüchte haben ja auch etwas Positives, etwas Verbindendes: Wer Gerüchte austauscht, kommt miteinander ins Gespräch. Es hat auch etwas Konspiratives, das einen zusammenrücken lässt."

Nicht immer sind sie folgenlos: "Manchmal entstehen völlig grundlos die wildesten Geschichten", sagt Christine Öttl, die früher selbst als Führungskraft gearbeitet hat. "Das kann sich negativ auf die Arbeitsatmosphäre und auf die sozialen Beziehungen auswirken." Wenn in der Firma Veränderungen anstehen, sollten die Verantwortlichen deshalb damit nicht hinter dem Berg halten und erklären, was passiert.

Viele Unternehmen spielten auf Zeit und versuchten zunächst, keinerlei Auskünfte zu geben, hat Claudia Cornelsen beobachtet. Das sei aber genau die falsche Strategie, um Reputationsverluste zu vermeiden, warnt die PR-Beraterin aus Hamburg. "Das ist Wasser auf die Mühlen des Gerüchts." Wenn noch Klärungsbedarf besteht, sei die beste Strategie, zunächst einzuräumen, dass etwas falsch gelaufen sein könnte und Klärung zuzusagen.

Mitarbeiter, die von beunruhigenden Gerüchten über die Zukunft des Betriebes erfahren, sind gut beraten, bei Vorgesetzten zu fragen, ob sie der Wahrheit entsprechen, empfiehlt Christine Öttl: "Oft stecken nur Kleinigkeiten dahinter, und einige Leute machen daraus gleich ein Drama." Häufig dringen Gerüchte gar nicht bis zu den Vorgesetzten durch.

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