IT-Branche Informatiker dringend gesucht

Die europäische Chipbranche schlägt Alarm. "Wir haben zu wenig Ingenieure", sagte Heinz Kundert vom Branchenverband SEMI Europe auf einer Branchentagung. Wenn der Trend anhalte, seien im Jahr 2010 mehr als 90 Prozent aller Wissenschaftler Asiaten. Das sei "fast ein Horrorszenario" für die Branche.

München - Die Politik müsse Bildung stärker fördern und die Ansiedlung von Hightech-Industrien mit Subventionen unterstützen, fordert der Verband auf einer Branchentagung.

Insgesamt ist die Stimmung in der Chipbranche aber gut. "2008 kommt der nächste zyklische Höhepunkt", sagte Brian Matas, Vizepräsident von IC Insights. Unter anderem wegen des anhaltenden Handybooms werde die Branche 2008 mit einer Rate von etwa 20 Prozent wachsen. Damit werde das Wachstum zwar nicht so stürmisch ausfallen wie in früheren Aufschwüngen. Im Gegenzug sei dafür aber auch der jüngste Abschwung moderat ausgefallen.

Im laufenden Jahr rechnen die Marktforscher mit einem Wachstum der Halbleitermärkte von 8 Prozent auf 246 Milliarden Dollar. Die Branche profitierte derzeit vor allem vom Wirtschaftsboom in China und den USA. In beiden Ländern falle das Wachstum in diesem Jahr wohl stärker aus als ursprünglich erwartet, sagte Matas. Risiken seien unter anderem die hohen und volatilen Ölpreise, der Preiskampf bei PCs und die steigenden Zinsen.

Für 2008 ist IC Insights aber zuversichtlich. In Jahren mit Präsidentschaftswahlen in den USA wachse die Weltwirtschaft oft stark, sagte Matas. Auch China wolle im Jahr der Olympischen Spiele eine erfolgreich wachsende Wirtschaft präsentieren. Zudem werde das neue Microsoft-Betriebssystem Vista den Absatz von Computern beflügeln.

Auch Verbands-Präsident Kundert zeigte sich zuversichtlich. "Es wird zwar Rückschläge geben, aber dieser Markt wird weiter wachsen." Allerdings müssten die Europäer mit insgesamt 285 Branchenwerken eine gemeinsam Identität entwickeln, um mit den großen Konkurrenten mithalten zu können.

"Wir müssen nicht nach China gehen"

"Wir müssen nicht nach China gehen"

Fähigkeiten gebe es ausreichend in Europa. In der Nanotechnologie spielten die Unternehmen beispielsweise eine wichtige Rolle. Auch im Bereich der Autoelektronik und bei der Photovoltaik seien die Unternehmen vorne mit dabei. Inzwischen könne man zudem günstige Fertigung in Osteuropa erledigen lassen. "Wir müssen nicht unbedingt nach China gehen."

Allerdings sei eine Kraftanstrengung von Politik und Wirtschaft notwendig. Kundert setzt dabei auch auf Subventionen. In Asien trage eine entsprechende Politik Früchte. So habe der taiwanesische Staat die Halbleiter-Industrie mit günstigem Grund und Steuervergünstigungen gefördert. Das asiatische Land habe auch in die nötige Infrastruktur und Bildung investiert. Dies funktioniert aus Sicht von Kundert auch in Europa. Als Beispiel nannte er Dresden.

Dort haben sich in den vergangenen Jahren um subventionierte Werke des weltweit zweitgrößten Mikroprozessorenherstellers AMD  zahlreiche Zulieferer angesiedelt. Auch der Münchner Chipbauer Infineon  ist dort ansässig. In der Region Dresden entstand neben den Regionen um Leuven (Belgien) und Grenoble (Frankreich) laut Kundert ein weiteres europäisches "Kompetenzzentrum", das die Halbleiter-Industrie vorantreibt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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