Sonntag, 15. Dezember 2019

VW-Affäre Zwei Millionen für Ex-Betriebsrat Volkert

Der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hat sein Gehalt durch Sonderboni offenbar fast verdoppeln können. Sein Gönner, Ex-Personalvorstand Peter Hartz, habe die Zahlungen heimlich und eigenverantworlich veranlasst, heißt es. Hartz droht jetzt eine Anklage wegen Untreue.

Hamburg - Neben seinem üblichen Gehalt und Bonuszahlungen habe der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert von 1995 bis 2005 noch heimliche Sonderboni von insgesamt rund zwei Millionen Euro erhalten, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende vorab.

Nicht mehr im Amt: Ex-VW-Personalchef Hartz (l.) und Ex-Betriebsratschef Volkert
Volkert bekam demnach ein Jahresgehalt, das einschließlich Bonuszahlungen zwischen 280.000 und 310.000 Euro schwankte. Zusätzlich habe er Sonderboni von durchschnittlich 200.000 Euro im Jahr erhalten. Die jährlichen Gesamteinkünfte hätten sich dadurch im Schnitt auf 480.000 bis 510.000 Euro erhöht.

Laut "Spiegel" habe Hartz bei seiner Vernehmung durch die Braunschweiger Staatsanwaltschaft zudem ausgesagt, dass er die Sonderzahlungen an Volkert 1995 heimlich eingeführt habe. Hartz habe angegeben, dass er dafür allein verantwortlich gewesen sei. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt Herrn Piëch (den damaligen Vorstandsvorsitzenden) über diese Sonderbonuszahlungen informiert", sagte er demnach bei der Vernehmung. Eingeweiht habe er nur einen weiteren Mitarbeiter, der die Zahlungen anweisen musste. VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder sagte dem Magazin, auch er habe von den Aktionen nichts gewusst.

Hartz müsse nun mit einer Anklage rechnen, schreibt der "Spiegel". Offen sei noch, ob die Staatsanwaltschaft ihm nur einen Verstoß gegen Paragraf 119 des Betriebsverfassungsgesetzes vorwerfen werde, für den eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vorgesehen ist. Sollten die Staatsanwälte zum Ergebnis kommen, Hartz habe das Geld ohne Rechtsgrund ausgegeben, könnte er wegen Untreue angeklagt werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hartz wegen Untreue und Begünstigung. Bis zum Jahresende wollen die Ermittler entscheiden, ob das Verfahren gegen den Ex-Manager und Namensgeber für die umstrittene Arbeitsmarktreform abgetrennt und Anklage erhoben wird.

Volkert war nach dem Bekanntwerden der Affäre um Korruption, Lustreisen und Bordellbesuche bei VW vor mehr als einem Jahr als Betriebsratschef zurückgetreten und hatte den Konzern verlassen. Kurze Zeit später übernahm Hartz die Verantwortung für die Vorgänge in seinem Ressort. In der seit Sommer 2005 schwelenden VW-Affäre ermittelt die Staatsanwaltschaft noch gegen 13 Verdächtige, darunter neben Hartz und Volkert auch gegen weitere ehemalige Manager.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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