Mittwoch, 24. April 2019

YouTube-Gründer Multimillionäre in 18 Monaten

Chad Hurley und Steve Chen lassen die Träume der New Economy neu aufkeimen. Denn was 2005 als kleines Videoportal anfing, wird mit dem Verkauf an Google nun zum Millionengeschäft für die YouTube-Gründer.

Hamburg - Allzu oft kommt es nicht vor, dass sich die YouTube-Gründer Chad Hurley und Steve Chen selbst per Video präsentieren. Doch diesmal war der Anlass bedeutend genug - für die Internet-Gemeinde, und für sie persönlich.

YouTube-Gründer Chen (l.), Hurley: Der Google-Deal löst alle ihre Probleme auf einen Schlag
Es ist das Geschäft ihres Lebens, es wird sie reich machen. Jetzt müssen sie nur der Community zu erklären, was passiert, nachdem Google Börsen-Chart zeigen YouTube übernommen hat. "Mit Googles Unterstützung verfügen wir über die Ressourcen, um den Service auf einen ganz neuen Level zu heben", sagt Chen etwas hölzern, nachdem er sich bei den Nutzern für ihre Treue bedankt hat. Auch Hurley sagt Danke und spricht von einer "großen Zukunft" für YouTube.

Für die beiden Senkrechtstarter hat der Aufbruch in ihr neues Leben begonnen, als sie vor wenigen Tagen in einem Schnellrestaurant mit Google-Gründer Larry Page und seinem Geschäftsführer Eric Schmidt den 1,65-Milliarden-Dollar-Deal besiegelten. So viel steht fest: Wenn die Transaktion abgewickelt ist, werden Hurley und Chen Multimillionäre sein.

Der Weg dahin war kurz. Erst im Februar 2005 hatten die beiden die Firma gegründet, "weil es ihnen zu mühselig war, einen Videoclip über das Internet an Freunde zu verschicken, das sie auf der Party am Abend zu vor gefilmt hatten" - so will es die Legende. In einem Internetforum zitiert ein User namens "sivasankarwhore" Hurley mit den Worten, die erste Version der Software sei innerhalb von nur zwei Monaten entstanden - bei sechs Arbeitsstunden pro Woche. Das Geschäftsmodell sei ähnlich einfach gewesen: Die Inhalte, die zum Beispiel Fernsehstationen teuer kaufen und auswählen müssten, werde bei ihnen auf dem Silbertablett serviert. Die Werbeeinnahmen kämen dann mit steigenden Nutzerzahlen quasi von selbst.

Nach kurzer Zeit wurde die Arbeit allerdings härter. Das rasante Zugriffs-Wachstum war mit dem ursprünglich geplanten Einsatz nicht mehr zu stemmen - schon gar nicht von der heimischen Garage aus. Also bezog die junge Firma ein bescheidenes Quartier in einem abgeschabten Bürohaus in der Third Avenue im kalifornischen San Mateo, ganz unzeitgemäß, zumindest im Vergleich zu den Startups der ersten Generation. Als Kantine fungierte die Pizzeria im Erdgeschoss. Chen kümmerte sich um die Technik, Hurley um das Webdesign. Die Belegschaft wuchs schnell. Heute kümmern sich 67 Mitarbeiter um das Wohl des Portals.

Das Kreditlinien waren bald erschöpft

Auch die Kreditlinien der Jungunternehmer waren bald ausgeschöpft. Je populärer die Seite wurde, umso mehr stiegen die Kosten. Unterstützung kam vom Venture-Kapitalgeber Sequoia Capital, der schon Unternehmen wie Yahoo Börsen-Chart zeigen, Google oder MP3.com entdeckt hatte. Sequoia investierte zunächst 3,5 Millionen Dollar, wenige Monate später nochmals 8,9 Millionen.

Hurleys Plan, mit Online-Werbung Profit zu machen, ließ sich dagegen nicht so leicht in die Tat umsetzen. Zunächst einmal gehört YouTube der Inhalt nicht. Manche Amateurfilmer, die großzügig ihre Kreationen auf die Seite laden, werden schnell zornig, wenn andere damit Geld verdienen wollen. Außerdem hatte YouTube bald den Ruf, eine Art Videoausgabe der Musiktauschbörse Napster zu sein. Die klassischen Fernsehsender beäugten die neue Konkurrenz ebenso argwöhnisch wie die Filmproduzenten aus Hollywood, die häufig Szenen ihrer teuren Produktionen auf YouTube wiedersahen. Mit Hilfe von Kooperationsverträgen gelang es Hurley aber, die Gegner zu beruhigen und ihnen sogar die Vorteile der Plattform nahe zu bringen.

Trotzdem blieb die Gewinnzone in unerreichbarer Ferne. Offizielle Zahlen halten die YouTuber zwar unter Verschluss - doch Experten schätzen, dass das Unternehmen pro Monat ungefähr eine Million Dollar verbrennt. Der Google-Deal löst all diese Probleme mit einem Schlag.

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