Industriemilliardär Friedrich Karl Flick ist tot

Der Milliardär Friedrich Karl Flick ist in Österreich am Wörthersee gestorben. Flick, der in der Nachkriegszeit eines der größten Industrieimperien Deutschlands aufbaute und die Parteispendenaffäre von 1981 auslöste, wurde 79 Jahre alt.

Wien - Der Milliardär und frühere Industrielle Friedrich Karl Flick ist im Alter vom 79 Jahren gestorben. Das teilte sein Vermögensverwalter Jörg-Andreas Lohr am Freitag in Wien mit.

Flick starb nach Angaben seines Sprechers an einer "schweren Krankheit". Der gebürtige Berliner war bereits 1958 Österreicher geworden und galt in der Alpenrepublik mit seinem geschätzten Vermögen von etwa sechs Milliarden Euro auch als "der reichste Österreicher". Zudem war er Besitzer des größten privaten Forstbetriebs des Landes. Sein Hauptwohnsitz war in den letzten Jahren die fast schon zur Familien-Festung ausgebaute Luxus-Villa am Ufer des Wörthersees.

Flick war eine der schillerndsten Figuren in der Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit. Der ehemalige Unternehmer, Investor und Milliardär sorgte auch nach dem Verkauf seines Industrie-Imperiums Mitte der 80er Jahre für Schlagzeilen: Etwa, als er aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz nach Österreich verlegte. Der Abschied des prominenten Steuerzahlers schmerzte die deutschen Finanzbehörden ganz besonders, denn er bedeutete Einnahmeausfälle von jährlich 100 Millionen Mark (51 Millionen Euro).

Der öffentlichkeitsscheue Flick, der 1927 in Berlin geboren wurde, trat 1957 als promovierter Kaufmann in den Konzern seines Vaters ein. Dieser war nach dem Krieg von einem amerikanischen Militärgericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen er drei Jahre verbüßte. Flick senior war einer der größten Waffenlieferanten für das NS- Regime gewesen. Doch gelang es ihm ein zweites Mal, ein Industrieimperium aufzubauen.

Um Stahlfirmen, den Papierhersteller Feldmühle, Dynamit Nobel und ein Paket von Daimler-Benz-Aktien hatte Flick eine mächtige Industriegruppe aufgebaut. Als Friedrich Flick 1972 im Alter von 89 Jahren starb, übernahm Friedrich Karl oder "FKF", wie man Flick kurz nannte, die Leitung der Geschäfte. Andere Familienmitglieder wie seine Neffen Gert-Rudolf (Muck) und Friedrich Christian (Mick) verabschiedeten sich gegen Abfindungen in dreistelliger Millionenhöhe bis 1975 endgültig aus dem Konzern.

Jahre zuvor war Eberhard von Brauchitsch, der 1970 als persönlich haftender Gesellschafter bei Flick ausgeschieden war, in das Unternehmen zurückgekehrt. An der Seite von FKF kümmerte sich von Brauchitsch um die "Pflege der Bonner Landschaft" (von Brauchitsch). Und das führte den Konzern in die Parteispendenaffäre von 1981.

Die Flick-Affäre und die Folgen

Die Flick-Affäre und die Folgen

Die so genannte Flick-Affäre war einer der größten Wirtschaftsskandale in der deutschen Nachkriegszeit. Mehr als 25 Millionen Mark (12,8 Millionen Euro) hatten die Manager zwischen 1969 und 1980 an die Parteien gespendet.

Der Name Flick wurde zum Synonym für die Einmischung der Wirtschaft in die Politik, für die "gekaufte Republik". Flick musste höchstpersönlich vor dem 1983 eingesetzten Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen. Kein leichter Gang für den als menschenscheu beschriebenen Patron, der dann auch - wie erwartet - jede Einflussnahme abstritt.

In den Strudel der Affäre gerieten auch die ehemaligen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs (beide FDP), die 1987 wegen Steuerhinterziehung zu Geldstrafen verurteilt wurden. Von Brauchitsch erhielt ein zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Im Gefolge der enervierenden Spendenaffäre beschloss Friedrich Karl Flick, seinen Anteil am Konzern versilbern. Wie er rasch feststellte, hätte der deutsche Fiskus über die Erbschaftssteuer aber Milliarden Mark von ihm fordern können. Den einzigen Ausweg - sprich den mit 28 Prozent niedrigsten Steuersatz - fand Flick in der vollständigen "Betriebsaufgabe".

Mit 43.000 Beschäftigten erzielte die Flick-Gruppe 1984 weltweit einen Umsatz von 22 Milliarden Mark (11,3 Milliarden Euro). 1985 trennte sich Flick von seinem Imperium und verkaufte die Firmengruppe für rund 5,4 Milliarden Mark an die Deutsche Bank . Danach konzentriert er sich auf das Privatleben mit seiner 33 Jahre jüngeren dritten Frau Ingrid und auf die Verwaltung seines auf 10,4 Milliarden Mark taxierten Vermögens. 1994 zog Flick endgültig nach Österreich.

Prachtvolle Villen und luxuriöse Anwesen, zum Teil mit Atombunker und Panzerglasscheiben gesichert, besaß Flick unter anderem in Kärnten, Düsseldorf und München. In Wien verkehrte der ehemalige Unternehmer, dem ein barocker Lebensstil nachgesagt wurde, in der Haute Volée der Hauptstadt.

Ende September war Flick in die Intensivstation des Klinikums München-Großhadern gebracht worden. Einen Großteil des Jahres 2004 hatte er bereits in der Klinik verbracht, nachdem er sich nach einer Hüftoperation eine Blutvergiftung zugezogen hatte. Flick hinterlässt seine Frau Ingrid und die 1999 geborenen Zwillinge Victoria-Katharina und Karl Friedrich.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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