Russland Killer töten Zentralbank-Vize

Der Vizedirektor der russischen Zentralbank ist bei einem Anschlag getötet worden. Ermittler vermuten die Hintermänner der Bluttat in der Bankenwelt. Andrej Koslow hatte sich in seiner Funktion als Leiter der Bankenaufsicht viele Feinde gemacht.

Moskau - Auf dem Rückweg von einem Fußballspiel ist der Vizechef der russischen Nationalbank und Leiter der Bankenaufsicht, Andrej Koslow, am Mittwochabend von Unbekannten attackiert worden. Aus unmittelbarer Nähe feuerten die Täter mehrere Schüsse ab.

Der Fahrer des 41-Jährigen starb noch am Tatort, Koslow selbst kam mit schweren Schusswunden in Brust und Kopf in ein Krankenhaus. Der Ehemann und Vater von drei Kindern erlag am Donnerstagmorgen seinen schweren Verletzungen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Koslow hatte sich viele Feinde gemacht, weil er mehreren betrügerischen oder zumindest dubiosen Privatbanken die Lizenz entzogen hatte, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Seit Jahresbeginn seien 44 der etwa 1200 russischen Banken davon betroffen gewesen. Der Vizechef des Finanzausschusses des russischen Parlaments, Anatoli Aksakow, sagte, Koslow habe einen sehr schweren Stand gegenüber Banken gehabt, die in Geldwäsche und Betrügereien verwickelt seien.

Der Bankier kam seiner Verpflichtung zur Bankenaufsicht voll und ganz nach und initiierte ein ehrgeiziges Aktionsprogramm gegen Geldwäsche und Kriminalität im Bankenwesen. Ferner führte er Sicherheitsgarantien für private Geldeinlagen ein, um nach mehreren Bankenskandalen der späten 90er Jahre das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen.

Generalstaatsanwalt Juri Tschaika übernahm die Ermittlungen. Einen Zusammenhang zwischen dem Attentat und Koslows beruflichen Aktivitäten hielt Tschaika laut einer Erklärung für möglich.

Parlamentspräsident Boris Grislow äußerte den Verdacht, dass Kriminelle mit Verbindungen zu Bankstrukturen die Tat angeordnet haben könnten. Die Staatsanwaltschaft kündigte Ermittlungen in unterschiedliche Richtungen an. Die Polizei sprach indes offen von einem Auftragsmord.

Tat muss rasch aufgeklärt werden

Aus der Wirtschaft wurde das Attentat mit Sorge kommentiert. "Es wird nun schwieriger sein, Reformen umzusetzen", sagte die Finanzanalystin Natalja Orlowa von der Alfa Bank. Koslow habe bei der Neuausrichtung des Banksektors eine wichtige Rolle gespielt.

Sein Nachfolger werde sich starkem Druck ausgesetzt sehen. Der Chef des Energiekonzerns UES, Sergej Dubinin, wertete die Tat als "Herausforderung für die staatliche Bankenpolitik". Die Tat müsse rasch aufgeklärt werden, "um zu beweisen, dass unsere derzeitige Stabilität kein leeres Versprechen ist".

Russlands Finanzminister Alexej Kudrin wies darauf hin, dass sich Koslow viele Feinde in der Finanzwelt geschaffen habe. "Mehr als einmal ist er skrupellosen Finanziers auf die Füße getreten", sagte der Minister laut Agentur Itar-Tass. Er lobte den Ermordeten als sehr mutig und ehrlich.

Dieser Bewertung schlossen sich zahlreiche prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft an. Bei einer vom Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung sprach Ministerpräsident Michail Fradkow der Familie Koslows sein Beileid aus, anschließend verharrten die Regierungsmitglieder in einer Schweigeminute.

Der Mordanschlag auf den 41-jährigen Bankvize war das erste Attentat auf einen hochrangigen Amtsträger seit vier Jahren. Im Oktober 2002 war der Gouverneur der Region Magadan auf offener Straße erschossen worden. In den frühen 90er Jahren kam es in Moskau wiederholt zu Attentaten, die oft dem organisierten Verbrechen und der Wirtschaftskriminalität zugeschrieben wurden.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters

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