Mittwoch, 21. August 2019

Personalberatung TÜV für Headhunter

2. Teil: In der Branche herrscht Skepsis

Nun werde aber auch im deutschen Personalberatungsmarkt das nachgeholt, was insbesondere in den USA schon längst gang und gäbe sei, nämlich eine Professionalisierung. Internationale Unternehmen wie der Mercuri-Urval-Kunde General Electric Börsen-Chart zeigen, die für ihre Tochtergesellschaften Personal in Deutschland suchen, würden bereits die Zertifizierung zur Bedingung einer Auftragsvergabe machen. "Das wird dazu führen, dass die Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren ausgeschüttelt sein wird", prognostiziert Nußbaum.

"Macht keinen Sinn": Manche Personalberater wollen sich nicht von einer Norm einschränken lassen
[M] dpa ; mm.de
"Macht keinen Sinn": Manche Personalberater wollen sich nicht von einer Norm einschränken lassen
Dagegen steht der Fachverband Personalberatung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) der Norm kritisch gegenüber: Es gebe kaum Auftraggeber, die von einem Personalberatungsunternehmen Normkonformität erwarteten, erklärt Fachverbandsvorsitzender Wolfgang Lichius. Im Gegenteil: "Unternehmen erwarten eine individuelle, auf ihre Wünsche zugeschnittene Dienstleistung." Systeme der Qualitätssicherung, so Lichius, gebe es ohnehin bei allen seriösen Personalberatungsunternehmen.

Auch ein namhafter Konkurrent übt deutlichen Widerspruch: Die Personalberatungsgesellschaft Rickert und Co. in Grünwald bei München will sich nicht an der DIN 33430 ausrichten und dadurch in ihrer Kreativität einschränken lassen: "Die Besetzung einer Top-Position in einem Unternehmen lässt sich nicht in eine Norm pressen", sagt Jürgen Buschmann, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter.

Sein Unternehmen will sich "mit Sicherheit nicht zertifizieren lassen". In einem so spezialisierten Personalberaterunternehmen wie Rickert und Co., das Suchaufträge für Toppositionen der ersten Führungsebene ausführt, "macht das überhaupt keinen Sinn". Für Buschmann stellt die Norm weniger einen Qualitätsnachweis dar, vielmehr einen gewaltigen bürokratischen Aufwand.

Diese Gefahr erkennt auch Christoph Aldering, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner bei Kienbaum. Das Personalberatungsunternehmen, das ebenfalls in der Normenkommission vertreten war, verhalte sich bei seinen Auswahlprozessen zwar normkonform, weiche jedoch in einem Punkt ab: Eigentlich müsste der gesamte Auswahlprozess, um die Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten, peinlich dokumentiert werden. Doch dies halten die Kienbaum-Berater erstens für zu aufwendig. Zweitens besitze eine solche Dokumentation für die Personalauswahl, so Aldering, letztlich "wenig Relevanz".

Jedoch sieht Aldering auch Vorzüge der Norm: Sie sei "sehr hilfreich, um Wissen und hoffentlich auch Akzeptanz bezüglich eines sinnvollen und qualitativ angemessenen Personalauswahlprozesses zu verbreiten." Mehrere Kienbaum-Berater sind bereits zertifiziert, weitere sollen hinzukommen. Ob er selbst diesen Schritt tun werde, so Aldering, könne er allerdings noch nicht mit Sicherheit sagen.

Fest steht, auch Vermittler ohne Zertifikat wenden normalerweise standardisierte Auswahlprozesse an. Aldering: "Das tut ohnehin jeder seriöse Personalberater."

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