Mittwoch, 17. Juli 2019

Verwöhnten-Blog Satte Manager ohne Biss?

Vielen 40-jährigen Entscheidern fehlen Ehrgeiz und Mut, wichtiger ist ihnen ein komfortables Leben, sagt Personalberater Hermann Sendele gegenüber manager-magazin.de. Haben Sie Verständnis für die Haltung der Selbstverwirklicher? Oder treibt die kommende Führungselite den Staat in den Abgrund? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

mm.de: Herr Sendele, was unterscheidet die Manager um die 40 von ihren Vorgängern?

Personalberater Sendele: "Es gibt in dieser Generation viele, die das tun, was sie müssen - aber keinen Schlag mehr"
Sendele: Einem Großteil der heute 40-Jährigen fehlt der Biss, sie sind nicht mehr ohne weiteres bereit, Risiko einzugehen oder ihr Privatleben für den Beruf hintanzustellen. Es gibt in dieser Generation viele, gerade im Mittelmanagement, die das tun, was sie müssen - aber keinen Schlag mehr. Die haben ein gutes Gehalt und spannende Hobbys. Wenn sie aufsteigen, verdienen sie zwar mehr Geld, müssen aber brutalen Einsatz bringen - und das schöne Leben ist weg. Davor schrecken viele zurück.

mm.de: Aber das trifft doch sicherlich nicht auf alle zu?

Sendele: Nein, natürlich nicht. Es gibt ein top-end, eine kleine, internationale Kaste, die noch leistungsbereiter ist als die Generation davor. Aber die haben sich abgekoppelt von der großen Masse der Manager, die immer weniger bereit sind, vollen Einsatz zu bringen. Ich nenne sie "Genussmenschen" oder "Freizeitoptimierer".

mm.de: Was sind die Gründe für diese Einstellung?

Sendele: Die 40-Jährigen haben eigentlich durch die Bank eine exzellente Ausbildung, sind smart und treten sehr gewandt auf...

mm.de: ... aber das sind doch beste Voraussetzungen?

Zu zufrieden: Fehlt vielen Managern der Biss?
manager-magazin.de
Zu zufrieden: Fehlt vielen Managern der Biss?
Sendele: Sicher, aber ihnen fehlt der Antrieb, mehr aus ihrem Leben zu machen. Sehr viele werden eine ganze Menge Geld erben, das bremst die Strebsamkeit. Hinzu kommt: Anders als die Vorgänger-Generation sind sie in Wohlstand und materieller Sicherheit aufgewachsen und kamen leicht in ihre ersten Jobs rein. Wohlstand aber kann eine Karriere bremsen: Sie mussten sich nicht anstrengen, haben das Leben lange nur von der Sonnenseite kennengelernt. Jetzt sind sie es gewohnt, genau abzuwägen, ob sich zusätzliche Anstrengung lohnt. Dies ist die erste Generation, die das Schlagwort von der "Work-Life-Balance" bewusst in die Tat umsetzt.

mm.de: Hat diese Einstellung auch Auswirkungen auf die tägliche Arbeit im Job?

Mehr zum Thema in:
manager magazin 9/2006

Manager um die 40

Egofixiert und risikoscheu - die Wohlstandskinder der 60er übernehmen keine Verantwortung. Lesen Sie den Artikel im manager magazin, Heft 09/2006 ab S.124.

Inhalt
Sendele: Beruflich sind da sehr viele mittlere Güteklasse. Sie scheuen das Risiko, sichern alles doppelt- und dreifach ab. Sie sind sehr gut in der Analyse, im Sanieren und Umstrukturieren. Aber es mangelt an Kreativität und Mut zu Neuem. Sie perfektionieren Prozesse, übernehmen aber zu wenig Eigenverantwortung. Die meisten sind Verwalter, keine Unternehmer.

mm.de: Kann das auf Dauer gutgehen?

Sendele: Nein, nicht wenige 40-Jährige werden den Wettlauf verlieren. Die Restrukturierungen der Konzerne gehen weiter, und die 40-jährigen Deutschen müssen sich mit den Chinesen, den Indern, den Russen messen, die hungriger und ehrgeiziger sind. Da werden Einige von der Fliehkraft des Karrierekarussels weggerissen werden.

Hat Personalberater Sendele Recht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung! Wir werden Ihre Zuschriften gebündelt auf unsere Seite stellen.

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