Sonntag, 18. August 2019

Hermann Langness Haudegen von der Waterkant

4. Teil: Wie zukunftsfest ist seine Strategie?

Und was bleibt Langness, um weiteres Unbill von sich fernzuhalten, anderes übrig, als Personalkosten zu drücken, die weitaus höher sind als bei den Discountern? Seine Stellung im Stammgebiet ist schließlich nicht unumstößlich. Der "sehr hohe Marktanteil" (O-Ton Langness) von Famila im Stammgebiet ist keine Lebensversicherung. Der Lokalmatador in den nördlichen Bundesländern ist - wie Langness selber sagt – "von Großen umzingelt". Und: "Jede Biene sticht".

Markant-Supermarkt: 27 dieser Geschäfte gehören zur Langness-Gruppe
Unersättlich gibt sich dabei insbesondere Kaufland, der große Bruder von Lidl, aus dem Reich des Aldi-Erzrivalen Dieter Schwarz. Kaufland, weitgehend ein Nobody zwischen Leine und Ostsee, stößt gerade vehement vor in Feindesland. Reicht es angesichts des Angriffs Langness also, nur bei den Personalkosten anzusetzen?

Einer Expansion in die Breite erteilt Langness eine Absage. Vom Gang ins Ausland ganz zu schweigen. Gedankenspiele, Anfang der 90er Jahre nach Polen zu gehen, sind längst Vergangenheit. Verdichten statt verbreitern lautet seine Devise. Deswegen freut er sich auch so diebisch, dass er neuerdings "im dreistelligen Bereich" Spar-Einzelhändler beliefert. Märkte, die sich nicht durch den Käufer, die Edeka, mehr beliefern lassen wollten.

Für Konsumforscher Johannes Siemes von KPMG ist die Verdichtung eine schlüssige Strategie - aufgrund der Kostenvorteile. "Die Lkws müssen jeweils nur kurze Strecken zur nächsten Abladestation fahren."

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Vielleicht gelingt es Langness tatsächlich - ähnlich wie Thomas Bruch, einem der wenigen anderen mittelgroßen Familienunternehmer,-langfristig zu überleben. Bruch, Eigentümer der Globus-Märkte im Saarland stemmte sich dort recht erfolgreich gegen das Eindringen von Kaufland. Sein Rezept: guter Service, 1a-Sortiment, Übersichtlichkeit und Wohlfühlatmosphäre.

Klar, auch ein Langness will den Service verbessern. Doch dem gelernten Bankkaufmann und studierten Betriebswirt fallen zuvorderst andere Notwendigkeiten ein: "Wir müssen die betriebswirtschaftlichen Kennziffern verbessern, die Genauigkeit der Warendistribution, damit wir nicht zu viel Geld binden." Ganz der Zahlenmensch, ganz der Kaufmann.

Zu punkten weiß Langness mit dem zumeist einträglichen Geschäft von Citti, seiner 50-Prozent-Beteiligung. Zwar schrumpft die Zahl der Cash&Carry-Märkte, doch das Hauptgeschäft, also die Belieferung von Großverbrauchern, brummt. Und durch Kooperationen ist Citti mittlerweile fast in ganz Deutschland tätig. Wenigstens hier und dort mal gute Nachrichten.

Doch die Unkenrufer werden nicht weniger, so viel steht fest. Aber ihm zufliegende Zweifel weiß Herman Langness ja wie lästigen Staub von seinem Jackett zu putzen. Und falls dieser mal hartnäckig hängen bleiben sollte, könnte er einfach wieder in den Keller gehen.

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