Donnerstag, 20. Juni 2019

Hermann Langness Haudegen von der Waterkant

2. Teil: Einblicke in das weitverzweigte Firmenimperium

Der Hausherr ist Regent der dritten Generation. Weitere Familienmitglieder positionierte er an Schaltstellen. Die Gruppe geht auf seinen Großvater zurück, der 1892 einen Großhandel für Stapelwaren gründete. Der Bartels-Familienstamm, der heute noch den Firmennamen prägt, stieg schon früh aus. Ganz im Gegensatz zur Langness-Familie, insbesondere des heutigen Gouverneurs, Jahrgang 1953. Er will das Lebenswerk seiner Ahnen fortsetzen, seinen Kindern später übergeben und äußert keine Bedenken, dass er scheitert.

Kaum von einem Mietshaus zu unterscheiden: Die Zentrale von Bartels-Langness in Kiel
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Kaum von einem Mietshaus zu unterscheiden: Die Zentrale von Bartels-Langness in Kiel
Zweifel hegen dafür andere.

Langness kann darauf verweisen, dass aus der Keimzelle des Großvaters nun eine beachtliche Gruppe mit 10.000 Mitarbeitern erwachsen ist. Kernstück und mit 1,3 Milliarden Euro größter Umsatzbringer sind 83 Famila-Märkte. Mega-Bauklötze, im Durchschnitt 3000 Quadratmeter groß. Langness hat sie in ganz Norddeutschland verteilt, in einem Rechteck von Hannover bis Flensburg und vom östlichen Niedersachsen bis zur polnischen Grenze.

Am Eingang des Headquarters in Kiel hängen aber noch weitaus mehr Firmenschilder als nur das von Famila und Bartels-Langness. Die Gruppe des Hermann Langness ist verästelter als man vermutet. Als bisweilen erfreulich ertragreiches Geschäft erweist sich dabei die 50-Prozent-Beteiligung an Citti, einem Zustelldienst für Großverbraucher wie Restaurants. Citti betreibt außerdem eine Handvoll 6000-Quadratmeter-Märkte, in denen Gewerbetreibende, aber auch Endverbraucher einkaufen können. Allein diese Beteiligung schaufelt etwa 825 Millionen Euro ins Haus.

Gesamtumsatz wird auf 2,1 Milliarden geschätzt

Dagegen fallen andere Gruppentöchter und Beteiligungen im Umsatzvergleich weit ab – wie die 27 Supermärkte (Markant), die Bäckereikette mit 27 Filialen, das Weinimporthaus, die annähernd 50-Prozent-Beteiligung an der Tiernahrungskette "Das Futterhaus", die Beteiligung an einem Großhändler für Heimtierbedarf, die Beteiligung an dem Backgroßhandel Backring Nord, die Beteiligung an einem Tankstellenbelieferer. Summa summarum sollen Schätzungen zufolge 2,1 Milliarden Euro dieses Jahr auf die Konten von Langness fließen.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Ein ansehnlicher Betrag. Doch wie ertragreich ist die Gruppe? Wie viel Zukunft hat dieses Konzept der Diversifikation, auch wenn Langness die Synergien hervorhebt? Wie will sich Langness im Kerngeschäft der Verbrauchermärkte gegen die höchst aggressiven Angreifer von Kaufland und Co. behaupten, wenn er seine Wagenburg Norddeutschland nicht verlassen will?

Wie passabel sich Famila tatsächlich behauptet, ist schwer herauszufinden. Der Primus trägt wenig Erhellendes bei, er blockt ab, wenn es um Kennziffern geht. Auskunftsfreudiger dagegen die Marktforscher von Trade Dimensions, denen zufolge der Famila-Umsatz im Zeitraum von 2000 bis heute stetig stieg, wenn auch nur leicht. Die ernüchternde Erklärung: Jährlich sind ein paar Märkte hinzugekommen.

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