Online bewerben Allergische Reaktion inklusive

Schnell ein Formular ausgefüllt, flink eine Mail geschrieben und auf "Absenden" geklickt: Sich via Internet zu bewerben, scheint verlockend einfach. Und genau deshalb scheitern viele Bewerber.
Von Inga Leister

Bewerbungstrainer Christian Püttjer rät, im Zweifel auf die schriftliche Form zu setzen, solange das Unternehmen keine elektronischen Bewerbungen verlangt. Denn auf Papier fällt es leichter, ein schlüssiges Bild seiner Person zu skizzieren.

Der Trend geht allerdings klar zum E-Cruiting. Das bringt zumindest den Unternehmen Vorteile. Was ihnen Zeit spart, kann für die Bewerber zu einer langwierigen Prozedur werden - Sie sparen Zeit, die Bewerber keineswegs, allenfalls die Papier- und Versandkosten. Sobald es heißt "Bewerbungen bitte nur online", rät Püttjer: "Man sollte alle Freiräume nutzen, die so ein Online-Formular bietet."

So kann man besondere Qualifikationen und Stärken unterbringen. Unbedingt sollten die Formulare mit gängigen Schlagworten ausgefüllt werden, weil die vielen hundert Bewerbungen als Datenbank nach Schlüsselbegriffen durchsucht werden. "Wer da die falschen Begriffe benutzt hat, fliegt sofort raus", so Püttjer. Dafür reicht schon ein Rechtschreibfehler.

Eine Bewerbung per E-Mail verleitet dazu, einen eher informellen Ton anzuschlagen. Darauf reagieren Personalabteilungen oft heftig allergisch, flugs hat sich der Kandidat ins Abseits bugsiert - den sofortigen K.o. können zum Beispiel Smileys im Anschreiben bringen. Wichtig ist auch, auf die Vollständigkeit der Unterlagen zu achten, Zeugnisse und Urkunden mitzuschicken, rät eine Bayer-Sprecherin.

Jugendsünden im Web können sich bitter rächen

Schlecht kommen dagegen zu viele, zu umfangreiche und irrelevante Dateien an, ebenso verwirrende und ungebräuchliche Formate - bloß keine exotischen Extras. Diese Art von Datenmüll kostet Personaler bisweilen so viel Nerven, dass sie E-Mail-Bewerbungen rundweg ablehnen und ausschließlich Online-Formulare akzeptieren. Also auch wenn es so einfach wirkt: Am besten drei Mal lesen, bevor man wirklich auf "Absenden" klickt.

Von eher begrenztem Wert sind eigene Bewerberhomepages - weil sich Personaler die Zeit zum Besuch meist sparen, weil allzu wirre Amateurseiten mit geschmacklichen Entgleisungen mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften können, weil sie mitunter private Peinlichkeiten und Patzer enthalten: Wenn schon eigene Bewerberhomepage, dann professionell und keine Happy-Home-Produktion.

Nicht zuletzt: Das Internet hat ein gigantisches Gedächtnis. Was der Kandidat einst sorglos ins Netz gestellt hat, kann ihm bei der Bewerbung höchst unangenehm als Bumerang um die Ohren sausen. Denn auch Personalchefs können googlen. Und auf schräge Scherze oder Partyfotos mit allerhand Alkohol ausgesprochen humorlos reagieren.

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