Bewerbung Das Aschenputtelprinzip

Binnen weniger Minuten entscheidet sich, ob ein Kandidat mit seiner Mappe punkten kann. Worauf kommt es also wirklich an? Ein Bewerbungstrainer und ein Personalmanager erläutern, was ausgezeichnete Bewerbungen ausmacht.
Von Nele Justus und Inga Leister

"Wichtiger als eine teure Bewerbermappe und dickes Papier ist der logische Aufbau einer Bewerbung", sagt Coca-Cola-Mitarbeiter Geert Harzmann. Das heißt: Erst kommt das Anschreiben, dann der Lebenslauf, darauf folgen Praktikums- und Arbeitszeugnisse, die Abi- und Universitätszeugnisse und zum Schluss gegebenenfalls Arbeitsproben.

Genauso wichtig wie der Aufbau ist die Vollständigkeit einer Bewerbung. Wer es nicht schafft, alle Unterlagen einzureichen, schießt sich selber aus dem Rennen. "Auch das Abizeugnis ist ein Muss!", betont Harzmann. Viele Bewerber denken: Das ist doch nicht mehr wichtig. Falsch! Zusammen mit dem Lebenslauf und den anderen Zeugnissen ermöglicht es einen Blick auf die Stärken und Schwächen eines Bewerbers.

Ein Anschreiben dürfe nie länger als eine Seite sein und solle die Motivation eines Bewerbers erklären, nicht etwa den Lebenslauf referieren, rät Geert Harzmann. Noch wesentlicher sei es, die Qualifikation deutlich zu machen, sagt Bewerbungstrainer Püttjer - in Schlagworten, was die fachlichen Anforderungen betrifft. Bei den Soft Skills sollte man sich dann aber vor Floskeln wie "teamfähig" und "flexibel" hüten. Besser kommen Beispiele an, die belegen, warum man gut in eine Mannschaft passt.

Schwächen? Kennt der Bewerber nicht

Bei vielen spiele außerdem das Studium im Lebenslauf eine zu große Rolle, erzählt Püttjer. Eine kurze Information über den Studienschwerpunkt und gegebenenfalls über Tätigkeiten an der Uni reiche. Auch das Wort "Praktikum" sollte ein Bewerber vermeiden, sagt Püttjer und schlägt stattdessen vor, beispielsweise von "ersten Erfahrungen" zu schreiben. Wer Schwächen hat, sollte sie nach seiner Ansicht ganz weglassen: Man punkte nur mit dem, was man kann.

Zum Lebenslauf sagt Harzmann: "Der darf ruhig zwei Seiten lang sein - im Einzelfall ist auch ein längerer Lebenslauf möglich." Wichtig: Er soll einen schnellen Überblick verschaffen. Bewerber sollten also auf eine logische Struktur achten und inhaltliche Schwerpunkte - wie Tätigkeiten während eines Praktikums - kennzeichnen. Das bedeute aber nicht unbedingt eine chronologische Reihenfolge, betont Experte Püttjer. Er empfiehlt, drei bis fünf ausgewählten Praktika mit Tätigkeitsbezug anzugeben. Wichtig sei es, die üblichen Schlagworte aus Stellenanzeigen aufzugreifen.

Das Foto gehört in den Lebenslauf. Es sollte von einem professionellen Fotografen aufgenommen sein und einen stilvollen Eindruck vermitteln; Urlaubsabschüsse und Automatenbilder sind fehl am Platz. "Wer diese Kriterien erfüllt, gibt eine gute Visitenkarte ab!", sagt Geert Harzmann von Coca-Cola.

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