Samstag, 23. November 2019

Enron Topbanker tot im Park gefunden

Der Enron-Prozess wurde erst jüngst vom Tod von Kenneth Lay, dem Gründer des US-Energiekonzerns und Hauptangeklagten, überschattet. Nun ist ein wichtiger Zeuge des Prozesses tot in einem Londoner Park aufgefunden worden.

London - Ein wichtiger Zeuge im Skandal um die Milliardenpleite des US-Energiekonzerns Enron ist am Mittwoch in London tot aufgefunden worden. Die Leiche des ehemaligen Chefs der Nordamerika-Abteilung der Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen, Neil Coulbeck, wurde in einem Stadtpark im Osten der Finanzmetropole entdeckt.

Enron-Zentrale: Wichtiger Zeuge wird tot in einem Park aufgefunden
Wie der Sender BBC berichtete, war der Banker von der amerikanischen Bundespolizei FBI im Zusammenhang mit dem Enron-Prozess befragt worden. Zur Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. Die Royal Bank of Scotland beschäftigte Coulbeck nach eigenen Angaben bis 2004.

Erst in der vergangenen Woche war der wegen Betrugs und Verschwörung verurteilte einstige Enron-Chef, Kenneth Lay (64), an Herzversagen gestorben. Lay war zusammen mit seinem Nachfolger Jeffrey Skilling (52) Ende Mai schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß sollte am 11. September verkündet werden. Lay drohte eine lebenslange Haftstrafe.

Der Tod Coulbecks könnte nach Einschätzung Rechtsexperten die geplante Auslieferung von drei britischen Bankern im Zusammenhang mit dem Enron-Skandal an die USA zumindest verzögern. Die einstigen hochrangigen Mitarbeiter der NatWest-Bank David Bermingham, Gary Mulgrew und Giles Darby sollten an diesem Donnerstag nach Texas geflogen werden.

Bei einer Dringlichkeitssitzung des Unterhauses in London sprachen sich zahlreiche Abgeordnete gegen die Auslieferung der Banker aus. Sie verwiesen darauf, dass die USA ein Auslieferungsabkommen mit Großbritannien bislang nicht ratifiziert hätten. Den Bankern wird vorgeworfen, am kriminellen Verkauf einer Enron-Tochterfirma unter deren tatsächlichem Wert beteiligt gewesen zu sein. Der jetzt tot aufgefundene Banker hatte in dieser Sache als wichtiger Zeuge gegolten.

Enron war durch den Handel mit Energie, Breitbandkapazitäten und hochspekulativen Finanzpapieren zu einem der zehn größten US-Unternehmen aufgestiegen. Der Konzern hatte zeitweise einen Börsenwert von mehr als 60 Milliarden Dollar. 2001 erfolgte dann der Absturz, nach einem nahezu beispiellosen Bilanzbetrug in Milliardenhöhe wurde Insolvenzantrag gestellt.

dpa, reuters

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