Merck-Strippenzieher 400 Millionen in zwei Wochen

Ein lukratives Investment: Der Familienkonzern Merck hat auf geschickte Weise die Übernahme von Schering durch den Dax-Rivalen Bayer behindert. Nun gibt Merck auf; die Inhaber streichen 400 Millionen Euro Gewinn ein. manager-magazin.de stellt die einflussreichen Manager des verschwiegenen Pharmaunternehmens vor.

Darmstadt - Die ureigene Gepflogenheit amerikanischer Konzerne, Rivalen notfalls auch feindlich zu übernehmen, war dem deutschen Pharma- und Chemieunternehmen Merck KGaA  eigentlich fremd.

Doch nun schien es zunächst so, als sei im 327 Jahre alten Unternehmen ein Kulturwandel abrupt eingetreten, schließlich hatte der Familienkonzern versucht, dem Dax-Unternehmen Bayer  den Konkurrenten Schering  noch wegzuschnappen, oder ihm zumindest einen höheren Preis abzuverlangen.

Letzteres ist nun eingetreten. Für das zeitweilige Blockieren - in den vergangenen zwei Wochen hatte Merck den Anteil an Schering auf 21,8 Prozent erhöht - streichen die Merck-Inhaber jetzt hübsche 400 Millionen Euro ein. Treibende Kräfte des Spektakels waren nach Ansicht von Beobachtern vor allem drei Personen der 130 Mitglieder zählenden Sippe sowie ein Familienfremder.

Zum einen Merck-Altmeister Hans Joachim Langmann. Mittlerweile 81 Jahre, hatte der Kernphysiker Mitte der 60er Jahre in die Merck-Familie eingeheiratet. Seitdem beherrscht der bisweilen blasiert wirkende Mann den im MDax  notierten Darmstädter Konzern.

CO2-Emission einer Reise von Hamburg nach München (einfache Strecke) LFU-Rechner Atmosfair-Rechner Quarks Co.-Rechner

Flug ***

190 Kg

170 Kg

175 Kg

Bahn

50 Kg

k.A. **

62,5 Kg

Auto *

150 Kg

k.A. **

110 Kg

Merck-Legende: Hans Joachim Langmann ist die graue Eminenz bei Merck - und seit den 60er Jahren stieg sein Einfluss stetig.

Merck-Legende: Hans Joachim Langmann ist die graue Eminenz bei Merck - und seit den 60er Jahren stieg sein Einfluss stetig.

Zig Jahre Investmentbanker bei verschiedenen Geldhäusern: Seine Finanzerfahrung dürfte Frank Stangenberg-Haverkamp von großem Vorteil gewesen sein

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Lange Jahre als Kinderpsychologe tätig: Jon Baumhauer mischt kräftig bei Merck mit. Er ist einflussreiches Mitglied im Familienrat.

Lange Jahre als Kinderpsychologe tätig: Jon Baumhauer mischt kräftig bei Merck mit. Er ist einflussreiches Mitglied im Familienrat.

Foto: DPA
Intimer Kenner der Deutschland AG: Karl-Ludwig Kley, ehemals Finanzchef der Lufthansa, ist designierter CEO von Merck KGaA. Seit zwei Jahren ist er zudem schon Mitglied des Merck-Gesellschafterrats.

Intimer Kenner der Deutschland AG: Karl-Ludwig Kley, ehemals Finanzchef der Lufthansa, ist designierter CEO von Merck KGaA. Seit zwei Jahren ist er zudem schon Mitglied des Merck-Gesellschafterrats.

Foto: DPA

Dem Vernehmen nach wird Langmanns Einfluss bei Merck mit dem von Berthold Beitz bei ThyssenKrupp  verglichen. Zwar ist Langmann seit 2000 offiziell nur noch Berater und Ehrenmitglied im neunköpfigen Familienrat, dem wichtigsten Gremium des Unternehmens. Doch Insidern zufolge hatte die graue Eminenz das geplante Zusammengehen - manager magazin berichtete exklusiv - mit dem Berliner Konkurrenten Schering schon seit langem ausgeheckt.

Enorme Macht kommt auch zwei weiteren Mitgliedern des Familienrats zu. Ihre Namen: Frank Stangenberg-Haverkamp und Jon Baumhauer. Beide sind ebenfalls Mitglieder im neunköpfigen Gesellschafterrat der Merck OHG, in der die Familie ihren 71-Prozent-Anteil gebündelt hat. Personelle Kontinuität wird bei Merck groß geschrieben: Familienrepräsentant Stangenberg-Haverkamp (57) trat 1984 in das Gremium ein, Baumhauer (62) sogar fünf Jahre früher.

Gestählt im Investmentbanking

Familienmitglied gestählt im Investmentbanking

Stangenberg-Haverkamp und Baumhauer könnten von ihrer beruflichen Bildung nicht unterschiedlicher sein. Der gebürtige Freiburger Baumhauer hatte Philosophie, Geschichte und Psychologie studiert und war dann als Klinischer Psychologe an der Universität München und später als Kindertherapeut tätig. Der seit 2002 amtierende Vorstandschef der Merck OHG (Stangenberg-Haverkamp ist hier sein Stellvertreter) pflegt das Understatement.

"Gute Ideen haben viele Väter", sagte er in den vergangenen Wochen bezüglich des Übernahmeversuchs von Schering. In der Öffentlichkeit tritt er selten auf, insofern überraschte es, als er im vergangenen März mit auf dem Podium saß, als die Schering-Übernahme verkündet wurde.

Sein Pendant Stangenberg-Haverkamp konnte in der Übernahmeschlacht einen Trumpf voll ausspielen. Er ist nicht nur studierter Wirtschaftswissenschaftler, sondern arbeitete etliche Jahre als Investmentbanker. Der Weg führte ihn von der Commerzbank , Barings, IKB Deutsche Industriebank  bis zur englischen Hambros Bank.

Ebenfalls nicht unerheblichen Einfluss dürfte Karl-Ludwig Kley haben. Als Nachfolger für Merck-Übergangschef Michael Römer (59) wurde das Nicht-Familienmitglied angeheuert; offiziell kommt der ehemalige Finanzchef von Lufthansa  im September nach Darmstadt. Doch der intime Kenner der Deutschland AG ist schon seit 2004 Mitglied des Merck-Gesellschafterrats.

Nicht unvorteilhaft für Merck: Kley machte in seiner Karriere unter anderem 15 Jahre Station bei Bayer. Nicht zuletzt mit seinen beiden anderen Brüdern Max-Dietrich Kley (Jurist und Multi-Aufsichtsrat, unter anderem bei Infineon ) und Andreas Kley (Bankkaufmann, viele Jahre hochrangiger Siemens-Manager) verfügt der Finanzmanager über ein beachtliches Kontaktnetzwerk.

manager-magazin.de

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