Merck-Strippenzieher 400 Millionen in zwei Wochen
Darmstadt - Die ureigene Gepflogenheit amerikanischer Konzerne, Rivalen notfalls auch feindlich zu übernehmen, war dem deutschen Pharma- und Chemieunternehmen Merck KGaA eigentlich fremd.
Letzteres ist nun eingetreten. Für das zeitweilige Blockieren - in den vergangenen zwei Wochen hatte Merck den Anteil an Schering auf 21,8 Prozent erhöht - streichen die Merck-Inhaber jetzt hübsche 400 Millionen Euro ein. Treibende Kräfte des Spektakels waren nach Ansicht von Beobachtern vor allem drei Personen der 130 Mitglieder zählenden Sippe sowie ein Familienfremder.
Zum einen Merck-Altmeister Hans Joachim Langmann. Mittlerweile 81 Jahre, hatte der Kernphysiker Mitte der 60er Jahre in die Merck-Familie eingeheiratet. Seitdem beherrscht der bisweilen blasiert wirkende Mann den im MDax notierten Darmstädter Konzern.
| CO2-Emission einer Reise von Hamburg nach München (einfache Strecke) | LFU-Rechner | Atmosfair-Rechner | Quarks Co.-Rechner | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
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Flug *** |
190 Kg |
170 Kg |
175 Kg |
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Bahn |
50 Kg |
k.A. ** |
62,5 Kg |
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Auto * |
150 Kg |
k.A. ** |
110 Kg |
Merck-Legende: Hans Joachim Langmann ist die graue Eminenz bei Merck - und seit den 60er Jahren stieg sein Einfluss stetig.
Zig Jahre Investmentbanker bei verschiedenen Geldhäusern: Seine Finanzerfahrung dürfte Frank Stangenberg-Haverkamp von großem Vorteil gewesen sein
Lange Jahre als Kinderpsychologe tätig: Jon Baumhauer mischt kräftig bei Merck mit. Er ist einflussreiches Mitglied im Familienrat.
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Intimer Kenner der Deutschland AG: Karl-Ludwig Kley, ehemals Finanzchef der Lufthansa, ist designierter CEO von Merck KGaA. Seit zwei Jahren ist er zudem schon Mitglied des Merck-Gesellschafterrats.
Foto: DPADem Vernehmen nach wird Langmanns Einfluss bei Merck mit dem von Berthold Beitz bei ThyssenKrupp verglichen. Zwar ist Langmann seit 2000 offiziell nur noch Berater und Ehrenmitglied im neunköpfigen Familienrat, dem wichtigsten Gremium des Unternehmens. Doch Insidern zufolge hatte die graue Eminenz das geplante Zusammengehen - manager magazin berichtete exklusiv - mit dem Berliner Konkurrenten Schering schon seit langem ausgeheckt.
Enorme Macht kommt auch zwei weiteren Mitgliedern des Familienrats zu. Ihre Namen: Frank Stangenberg-Haverkamp und Jon Baumhauer. Beide sind ebenfalls Mitglieder im neunköpfigen Gesellschafterrat der Merck OHG, in der die Familie ihren 71-Prozent-Anteil gebündelt hat. Personelle Kontinuität wird bei Merck groß geschrieben: Familienrepräsentant Stangenberg-Haverkamp (57) trat 1984 in das Gremium ein, Baumhauer (62) sogar fünf Jahre früher.
Gestählt im Investmentbanking
Familienmitglied gestählt im Investmentbanking
Stangenberg-Haverkamp und Baumhauer könnten von ihrer beruflichen Bildung nicht unterschiedlicher sein. Der gebürtige Freiburger Baumhauer hatte Philosophie, Geschichte und Psychologie studiert und war dann als Klinischer Psychologe an der Universität München und später als Kindertherapeut tätig. Der seit 2002 amtierende Vorstandschef der Merck OHG (Stangenberg-Haverkamp ist hier sein Stellvertreter) pflegt das Understatement.
"Gute Ideen haben viele Väter", sagte er in den vergangenen Wochen bezüglich des Übernahmeversuchs von Schering. In der Öffentlichkeit tritt er selten auf, insofern überraschte es, als er im vergangenen März mit auf dem Podium saß, als die Schering-Übernahme verkündet wurde.
Sein Pendant Stangenberg-Haverkamp konnte in der Übernahmeschlacht einen Trumpf voll ausspielen. Er ist nicht nur studierter Wirtschaftswissenschaftler, sondern arbeitete etliche Jahre als Investmentbanker. Der Weg führte ihn von der Commerzbank , Barings, IKB Deutsche Industriebank bis zur englischen Hambros Bank.
Ebenfalls nicht unerheblichen Einfluss dürfte Karl-Ludwig Kley haben. Als Nachfolger für Merck-Übergangschef Michael Römer (59) wurde das Nicht-Familienmitglied angeheuert; offiziell kommt der ehemalige Finanzchef von Lufthansa im September nach Darmstadt. Doch der intime Kenner der Deutschland AG ist schon seit 2004 Mitglied des Merck-Gesellschafterrats.
Nicht unvorteilhaft für Merck: Kley machte in seiner Karriere unter anderem 15 Jahre Station bei Bayer. Nicht zuletzt mit seinen beiden anderen Brüdern Max-Dietrich Kley (Jurist und Multi-Aufsichtsrat, unter anderem bei Infineon ) und Andreas Kley (Bankkaufmann, viele Jahre hochrangiger Siemens-Manager) verfügt der Finanzmanager über ein beachtliches Kontaktnetzwerk.
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