Edouard Michelin Konzernerbe bei Angelunfall ertrunken

Edouard Michelin, Chef des französischen Reifenkonzerns Michelin, ist bei einem Angelunfall ums Leben gekommen. Er war seit seinem Eintritt in das Unternehmen vor 20 Jahren als Nachfolger seines Vaters an der Konzernspitze aufgebaut worden. Die Unternehmensführung soll nun Michelins Co-Chef Michel Rollier übernehmen.

Paris - Der Chef des weltgrößten Reifenherstellers Michelin, Edouard Michelin (42), ist am Freitag beim Hochseeangeln vor der bretonischen Küste ertrunken. Das Unternehmen mit 130.000 Mitarbeitern werde vorerst von Michel Rollier (60) weitergeführt, teilte die Groupe Michelin mit. Rollier war dem Konzernerben vor einem Jahr als Co-Chef zur Seite gestellt worden. Schon Rolliers Vater hatte Michelins Vater François Michelin als Co-Chef beigestanden.

Der Konzernerbe war am Freitagmorgen mit dem Leiter des Fischerverbands von Audierne, Guillaume Normant, in einem 8,50 Meter langen Boot zum Angeln ausgefahren. Am Nachmittag wurde seine Leiche etwa zehn Kilometer nördlich der Insel Sein aus dem Meer geborgen. Erst am Sonntag wurde das Wrack in 70 Metern Tiefe von einem Tauchroboter gefunden. "Es zeigt keine sichtbaren Schäden und die Kabinentür ist offen", erklärte die Meerespräfektur. Das Seegebiet westlich der Insel Sein gilt wegen seiner Riffe und unberechenbaren Strömungen als tückisch. Zur Zeit des Unglücks herrschte dichter Nebel.

Der Tod des Firmenerben löste in Frankreich Trauer und Bestürzung aus. Präsident Jacques Chirac würdigte den Gestorbenen ebenso wie zahlreiche Vertreter von Verbänden. Bei der Formel-1 in Monaco, wo Michelin das Weltmeister-Team von Renault sowie McLaren-Mercedes, Honda, Red Bull, BMW-Sauber und Scuderia Toro Rosso ausstattet, trugen die Mitarbeiter Trauerflor.

Edouard Michelins Tod trifft das Familienunternehmen hart. Der Vater von sechs Kindern war zwei Jahrzehnte auf die Konzernführung vorbereitet worden. Keiner seiner fünf Geschwister drängt sich als Nachfolger auf. Zum Berufsstart mit 22 Jahren hatte er gemäß der Familientradition zuerst am Band gestanden, bevor er über 21 Firmenstationen 1999 in die Konzernspitze stieß. Rollier gehört zum weiteren Kreis der Familie. Er war 1999 nach 33 Jahren Erfahrung in der Papierindustrie als Finanzchef zu Michelin gekommen.

dpa

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