Mittwoch, 13. November 2019

Bewerbungsfoto Lächeln für die Karriere

Dem Foto im Bewerbungsschreiben kommt ungeheure Wichtigkeit zu, für Personalexperten ist es das Tüpfelchen auf dem I. Wer also verkrampft lächelt, zu viel Make-up aufträgt oder die Krawatte schlecht bindet, hat praktisch schon verloren. Doch was meint "perfekt" beim Bewerbungsfoto? 

Mit dem Foto können Bewerber eine Menge falsch machen. Experten sind sich einig, dass das Bild alles andere als nebensächlich ist. "Schließlich will der Verantwortliche in der Personalabteilung wissen, ob der Bewerber ins Team passt. Durch das Foto erhält er schon mal einen subjektiven Eindruck", sagt Christian Püttjer, Bewerbungsspezialist aus Bredenbek bei Kiel.

Finger weg vom Passbildautomaten: Professionelle Aufnahmen sind eindeutig besser
Die Grundregeln sind klar: "Fotos aus dem Automaten am Bahnhof sind bei Bewerbungen um qualifizierte Positionen nicht angemessen - ebenso keine Ganzkörperfotos, Urlaubsfotos oder Modeaufnahmen", sagt Jürgen Homeyer, Sprecher bei Metro Börsen-Chart zeigen in Düsseldorf. Das Foto sage schließlich etwas über den Menschen und über die Bedeutung der Bewerbung für ihn aus.

Professionelle Aufnahmen aus dem Fotostudio kommen bei Personalabteilungen besser an. Um festzustellen, ob der Fotograf gute Bewerbungsbilder macht, sollten sich Interessenten zunächst einige Referenzfotos zeigen lassen. "Wir führen grundsätzlich ein Beratungsgespräch, bei dem wir Tipps bezüglich Kleidung, Frisur und Make-up geben", sagt Carmen Jasmyn Hoffmann, Fotografin in Leipzig. Empfehlenswert sei es auch, die Bewerbungsmappe zum Fototermin mitzubringen, damit die Fotos perfekt auf die Bewerbung abgestimmt werden können.

Modell "Personalchefs Favorit": Dezent hochgeschlossen - maskulineres Auftreten signalisiert offenbar Führungsstärke. Wenn Personaler nach selbstbewussten Führungpersönlichkeiten fahnden, lassen sie sich unterbewusst von äußeren Merkmalen steuern, so von Rennenkampff. Modell "Bitte recht freundlich": Eher kantige, trotzdem feminine Bewerberin. Der Wissenschaftlerin zufolge sind Bewerberinnen mit kantigem Kinn, breiten Schultern und hoher, etwas eckiger Stirn klar im Vorteil. Modell "Dressed for success": Die etwas männlichere Variante Völlig verändern lässt sich das Äußere natürlich nicht - aber von Rennenkampff rät zu dunkler, hochgeschlossener Kleidung, zurückgekämmten Haaren und sparsamem Einsatz von Schmuck, Lippenstift, Nagellack. Sie mahnt aber auch: "Keine erstklassige Frau sollte versuchen, einen zweitklassigen Mann aus sich zu machen." Mit diesem Foto hätte die Bewerberin demnach schlechtere Karten - Modell "Rapunzel": Offene Haare, rotes Kleid plus Schmuck
Betont männliche Gesichtszüge sind oft von Vorteil, so die Mannheimer Wissenschaftlerin in ihrer Dissertation. Modell "Testosteron": So ein Mann, so ein Mann. Den Zuschlag bekommen demnach häufig Kandidaten, deren äußere Merkmale als typisch männlich gelten - ob bei Bewerbern oder Bewerberinnen. Modell "Graue Strickjacke": Zu weich für die harte Berufswelt? Männern mit feminineren Zügen könnte ein klassisch geschnittener Business-Anzug helfen. Modell "Seriös trotz langer Haare": Könnte gerade noch klappen Trost für Frauen mit Stupsnase und Schmollmund, auch für Männer mit Pferdeschwanz: Wird vor allem eine kommunikative, zuhörende, vermittelnde Persönlichkeit gesucht, dann sammeln nach von Rennenkampffs Angaben Kandidaten mit weiblichen Markmalen Punkte - was ebenfalls für Bewerberinnen wie Bewerber gilt. Modell "Schluffi mit Pulli": Kann sonst kaum punkten

Bewerbungsfotos: Bitte recht männlich
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Einen wissenschaftlich fundierten Tipp für weibliche Bewerber hat Anke von Rennenkampff parat. Die Mannheimer Diplomsoziologin hat sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Bewerbungsfoto auseinander gesetzt. Sie fand heraus, dass Bewerber, die auf den Fotos allzu feminin wirkten, schlechtere Chancen bei den Personalern hatten.

Bei Führungspositionen sind offenbar männliche Attribute wie Durchsetzungsfähigkeit, Zielorientierung und ein gewisses Maß an Aggressivität gefragt. "Frauen, die sich auf eine Führungsposition bewerben, sollten versuchen, ihre femininen Züge etwas zu kaschieren", sagt von Rennenkampff. Oft helfe es schon, wenn Frauen ihre langen Haare zurückkämmten oder hochsteckten, so die Wissenschaftlerin.

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