Haftbefehle beantragt Hyundai-Chef im Korruptionssumpf

Kaum ein Tag vergeht, an dem der Korruptionsskandal bei Hyundai nicht einen neuen Höhepunkt erreicht. Derzeit gerät die Gründerfamilie trotz taktischer Manöver immer mehr ins Visier der Staatsanwälte. Schon der Aufstieg des Clans zu einem der mächtigsten Südkoreas war von vielfältigen Affären begleitet.

Seoul – Erneut erschüttert ein Korruptionsskandal Südkorea. Diesmal geht es um Hyundai Motor , zweitgrößte Industriegruppe des Landes und siebtgrößter Autokonzern der Welt.

Derzeitiger Höhepunkt des Skandals ist die Beantragung eines Haftbefehls durch die Staatsanwaltschaft von Seoul gegen Konzernchef Chung Mong Koo wegen des Verdachts der Korruption und Veruntreuung.

Der 68-jährige Chung wird beschuldigt, Firmengelder in Höhe von 100 Milliarden Won (etwa 85 Millionen Euro) für einen Geheimfonds abgezweigt zu haben. Aus diesen schwarzen Kassen sollen in den vergangenen Jahren Bestechungsgelder an Regierungsbeamte und Politiker geflossen sein. Dabei soll es unter anderem um die Erhaltung von Baugenehmigungen und Kreditabschreibungen gegangen sein. Die Ermittlungen gegen Hyundai, das auch Hauptsponsor der Fifa-Weltmeisterschaft in Deutschland ist, laufen seit März.

Auch Chungs Sohn, der Präsident der zur Hyundai Motor-Gruppe gehörenden Kia Motors, Eui Sun, soll wegen der gleichen Vorwürfe angeklagt, jedoch nicht inhaftiert werden. Der ältere Chung, der am Montag nach einer 15-stündigen Vernehmung die Anklagebehörde verlassen konnte, steht außerdem im Verdacht, durch illegale Transaktionen die Übertragung der Konzernkontrolle an seinen Sohn gefördert zu haben.

Mit der Beantragung der Haftbefehle machen die Staatsanwälte auch deutlich, dass eine formelle Entschuldigung der Familie Chung sowie die Ankündigung einer wohltätigen Spende an den weiteren Ermittlungen nichts ändert. Die Chungs hatte eine Spende in Höhe von umgerechnet 855 Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen angekündigt. Das entspricht genau dem Anteil der Familie an dem Logistikunternehmen Glovis.

Schon machen sich Analysten Sorgen, dass die Affäre ein Führungsvakuum auslösen und die Ambitionen Hyundais zum fünftgrößten Konzern der Autoindustrie aufzusteigen, zu Nichte machen könnte. Die Aktie fiel zunächst um drei Prozent nach der Ankündigung durch die Staatsanwälte. Südkoreas Finanzminister versuchte unterdessen mit der Bemerkung, dass die Affäre wenig Folgen für Wirtschaft haben werden, die Gemüter zu beruhigen. Die Exporte von Hyundai Motor und Kia machen immerhin fast zehn Prozent der gesamten Ausfuhren von Südkorea aus, der viertgrößten Volkswirtschaft in Asien.

Affären anderer Familienunternehmer Südkoreas 

Im Zuge der Ermittlungen wurden bisher drei Topmanager des Konzerns festgenommen. Zum einen der Chef der Hyundai-Logistiktochter Glovis wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von Firmengeldern. Zum anderen der Chef für Finanzen und Buchführung, Lee Jung Dae, sowie der Leiter der Beschaffungsabteilung, Kim Seung Nyun. Ihnen wird Unterschlagung vorgeworfen.

Ebenfalls festgenommen wurde der frühere Vizepräsident der staatlichen Korea Development Bank, Park Sang Bae. Park wird beschuldigt, umgerechnet mehrere hunderttausend Euro vom Konzern angenommen zu haben, um sie für die Abschreibung und Restrukturierung von Schulden zwei Hyundai-Tochterfirmen einzusetzen.

Ins Rollen kam der Fall, als Polizisten den Industrie-Lobbyisten Kim Jae Rok verhafteten. Er soll Beamte bestochen haben, damit diese sich für die Interessen von Hyundai stark machen. Kim Jae Rok, der in den neunziger Jahren als Berater des früheren Staatspräsidenten Kim Dae Jung gearbeitet hatte, wird außerdem vorgeworfen, in den vergangenen Jahren systematisch Politiker bestochen zu haben.

Dass die Chungs wegen dererlei Vorwürfen erneut in die Schlagzeilen geraten, dürfte in Südkorea kaum jemanden mehr verwundern. 2003 hatte Chung Mong Hun, ein Bruder des Hyundai-Chefs, Freitod begangen, nachdem eine "illegale Spende" öffentlich geworden war. Im Jahr 2000 sollen mindestens 400 Millionen Dollar an den nordkoreanischen Führer Kim Jong Il geflossen sein, um das historische Gipfeltreffen von Pjöngjang mit Südkoreas Staatspräsidenten Kim Dae Jung zu erkaufen.

Angeblich soll das Geschäft der inzwischen verstorbene Konzerngründer Chung Ju Yung in Auftrag gegeben haben. Dieser wurde bisweilen als "Ross Perot Südkoreas" bezeichnet. Medienberichten zufolge kam auch der verhaftete Huyndai-Vormann Chung Mong Koo schon mit dem Gesetz in Konflikt. Anfang der 90er-Jahre verbüßte er nach Berichten eine dreijährige Gefängnisstrafe wegen illegaler Wahlkampffinanzierung.

Auch andere hochkarätige Familienunternehmer Südkoreas kamen schon mit dem Gesetz in Konflikt. So musste 2003 der Chef des Industriekonglomerats SK, Chey Tae Won wegen Bilanzbetrugs für einige Monate ins Gefängnis. Auch der Gründer von Daewoo, Kim Woo Choong, wurde angeklagt, weil er für die Pleite des von ihm gegründeten Konglomerats verantwortlich sein soll. In den meisten Anklagepunkten hatte sich der 69-Jährige mittlerweile für schuldig bekannt.

Auch die Samsung-Gruppe zahlte erst kürzlich einen Millionenbetrag für gemeinnützige Zwecke, um sich von den Vorwürfen frei zu kaufen. Diese besagten, dass Samsung schwarze Kassen unterhält, um politische Entscheidungen zu erkaufen.

manager-magazin.de mit Material von rtr, dpa-afx, dpa, ap

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