Deutsche Bank-AR-Chef Seiteneinsteiger mit Fortune

Als Clemens Börsig 2001 zur Deutschen Bank wechselte und gleich als Finanzvorstand einstieg, war er in Bankenkreisen ein Nobody. Doch der Seiteneinsteiger reüssierte beim Primus der deutschen Geldhäuser. Ein Rückblick auf Börsigs bisherige Karriere.

Frankfurt am Main - Seit 2001 arbeitet Clemens Börsig für die Deutsche Bank , doch bisher stand der Finanzmanager nicht in vorderster Linie. Mit dem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats rückt er nun vollends ins Rampenlicht.

Börsig, Jahrgang 1948, studierte Betriebswirtschaftslehre und Mathematik in Mannheim und startete nach einer Phase als wissenschaftlicher Assistent 1977 beim Mannesmann-Konzern. Bei den Düsseldorfern stieg er nach einiger Zeit zum Abteilungsleiter in der Konzernplanung auf und machte Karriere bei den Tochtergesellschaften Kienzle und Tally.

1985 erfolgte der Wechsel zu Bosch, bei dem Stuttgarter Familienunternehmen trat er als Leiter der Zentralabteilung Betriebswirtschaft ein. Der Aufstieg in die Geschäftsführung erfolgte Mitte 1990. Sieben Jahre später kletterte Börsig erneut auf der Karriereleiter nach oben und wurde Finanzchef des RWE-Konzerns.

Bei den Essenern trat der Betriebswirt mit dem Motto an: "Ich will bei RWE  Unternehmenswert schaffen." In der Tat schnellte der Börsenkurs schon nach dem ersten Treffen mit Aktienanalysten kräftig in die Höhe, von 33 auf 56 Euro in der Spitze. Das brachte ihm den Spitznamen "Bumm-bumm Börsig" ein.

Es sollte dennoch nur ein kurzer Zwischenstopp werden, denn die Deutsche Bank erkannte bald seine Talente für die Zahlen und warb ihn 2001 ab. Beim Primus der deutschen Kreditinstitute führt er seitdem das Finanzressort und verantwortet die Risikosteuerung.

Börsig, der als Breuer-Intimus gilt und zu Ackermann dem Vernehmen nach ein sachliches Verhältnis pflegt, gehört seit der Reorganisation der obersten Führungsebenen auch dem eigentlichen Machtzentrum der Deutschen Bank an, dem Group Executive Committee.

Die Materie der Finanzen kommt seinem Wesen entgegen, denn der 58-Jährige gilt als nüchterner Zahlenmensch, ganz im Gegensatz zu dem charismatischen Breuer. Aktienanalysten schätzen Börsigs Sachlichkeit und Detailkenntnis.

Börsig gilt auch als neuer starker Mann im Aufsichtsrat der "European School of Management and Technology" (ESMT), einer Kaderschmiede der deutschen Wirtschaft, die große Startschwierigkeiten hatte. Weitere Aufsichtsratsmandate hat Börsig bei Heidelberger Druck  und Foreign Colonial Eurotrust inne.

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