Gehälter Geldregen für "Goldstaub"

Sekretärinnen starten oft mit einem mauen Einstiegsgehalt. Doch im Laufe ihrer Karriere überrunden die Vorzimmer-Damen nicht selten andere Angestellte in Sachen Verdienst deutlich. Dies zeigt eine Studie, die Gehälter nach Branchen und Regionen untersucht hat.

Hamburg - Sekretärinnen - deutlich über 90 Prozent der Vorzimmer-Personen sind immer noch weiblich - müssen sich zu Beginn ihrer Karriere häufig mit einem niedrigeren Einstiegsgehalt als Sachbearbeiter oder Rezeptionisten begnügen. Doch im Laufe der Zeit steigt das Gehalt der Sekretärinnen oft weitaus stärker als das der vergleichbaren Mitarbeiter.

Dies sind Ergebnisse einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin, die die Vergütung in deutschen Vorzimmern untersucht. Dabei hat die Beratung die Funktionen in vier unterschiedlichen Karrierestufen betrachtet - vom Einsteigerniveau bis zur Geschäftsleitungssekretärin oder Sachbearbeiter auf hohem Niveau.

Während sich das Gehalt von Rezeptionisten innerhalb eines Zehn-Jahres-Zeitraums nicht gravierend von dem Einstiegsgehalt unterscheidet, ist dies bei Sekretärinnen komplett anders. So stieg das Gehalt von Rezeptionisten innerhalb der vier untersuchten Stufen nur um 4000 Euro, das Gehalt von Sachbearbeitern dagegen um 21.000 Euro, das Gehalt von Sekretärinnen sogar um 24.000 Euro.

Branchenübergreifend verdienen Sachbearbeiter auf den unteren Karrierestufen mehr als Sekretärinnen. Allerdings wendet sich das Blatt auf den hohen Karrierestufen, auf denen die Vergütung von Sekretärinnen zu den höchsten im Vergleich zählt.

Grundvergütung nach Branchen am Beispiel von Sekretär/innen (Werte in Euro)

Karriere-stufen Banken Konsum-güter Chemie/ Pharma High Tech Automobil-zulieferer Gesamtmarkt
1. Stufe 35.000 33.000 31.000 34.000 32.000 34.000
2. Stufe 42.000 38.000 37.000 37.000 39.000 39.000
3. Stufe 47.000 48.000 44.000 43.000 44.000 46.000
4. Stufe 59.000 58.000 58.000 49.000 53.000 53.000
Quelle: Towers Perrin:

Für Jutta Kömm, Beraterin bei Towers Perrin, begründet sich dieser Sachverhalt in Unterschieden in der Ausgangsqualifikation sowie der Nähe zu Führungskräften: "Sachbearbeiter durchlaufen eine umfassendere, intensivere Ausbildung, die einen besser vergüteten Einstieg rechtfertigt. Sekretärinnen auf hohem Niveau, wie zum Beispiel Geschäftsleitungssekretärinnen, werden oft wiederum personenorientiert vergütet, weswegen ihre Vergütung dann über der von vergleichbaren Sachbearbeitern liegt."

Für die Vergütungsexpertin schlägt sich hier die Erfahrung nieder, dass für viele Führungskräfte eine gute Sekretärin "Goldstaub" ist, der sie bereitwillig eine überdurchschnittliche Vergütung zugestehen.

In welchen Städten am besten gezahlt wird

Banken zahlen am besten

Ein Blick auf die Vergütung der untersuchten Branchen zeigt, dass Finanzinstitute und hier insbesondere die Banken am besten bezahlen, gefolgt von Konsumgüter- sowie Pharma- und Chemieunternehmen. Unternehmen der Informations- und Telekommunikationsbranche wie auch die Automobilzulieferer bieten eine im Branchenvergleich schwächere Vergütung, die zum Teil deutlich unter den vergleichbaren Werten für den Gesamtmarkt liegt.

Beispielsweise erhält eine Sekretärin auf der höchsten Karrierestufe im Bankensektor im Mittel 59.000 Euro Grundgehalt, eine vergleichbare Sekretärin in der Hightech-Branche hingegen rund 10.000 Euro weniger.

Grundvergütung Sekretärinnen nach Regionen (Werte in Euro)

Karriere-stufe Düssel-dorf München Stuttgart Frankfurt a.M. Hamburg Berlin Ost-deutschl.
1. Stufe 34.000 33.000 39.000 35.000 31.000 28.000 31.000
2. Stufe 40.000 39.000 40.000 41.000 39.000 42.000 39.000
3. Stufe 44.000 47.000 42.000 46.000 46.000 46.000 40.000
4. Stufe 52.000 54.000 50.000 54.000 53.000 55.000 44.000
Quelle: Towers Perrin:

Sachbearbeiter der gleichen Karrierestufe kommen im Konsumgüterbereich mit 59.000 Euro in den Genuss der höchsten Vergütung, während ihre Kollegen aus der Automobilzuliefererindustrie mit 46.000 Euro am geringsten vergütet werden.

Die Einstiegsgehälter für Sekretärinnen bewegen sich im Branchenvergleich ungefähr auf ähnlichem Niveau, bei Sachbearbeitern treten die Unterschiede deutlicher hervor. Die Banken erweisen sich wie bei allen drei Funktionen als Spitzenreiter. Bei den Sekretärinnen überrascht das geringe Gehalt für Einsteiger in der Pharma- und Chemiebranche, das Towers Perrin-Beraterin Kömm in unterschiedlichen tariflichen Regelungen begründet sieht.

Im Zuge des Karrierefortschritts wandelt sich dieses Bild aber: Auf der höchsten Karrierestufe zählen Sekretärinnen dieser Industrie zu jenen Angestellten, die in ihrem Berufsbild auf Spitzenniveau vergütet werden.

Im regionalen Vergütungsvergleich bieten Frankfurt und Düsseldorf als deutsche Finanzzentren zwar mit die niedrigsten Einstiegsgehälter für Sekretärinnen und liegen auch in den höchsten Karrierestufen im Spitzenfeld, müssen sich ihre Position hier aber mit München, Hamburg und Berlin teilen.

Wenig überraschend bieten die ostdeutschen Länder - ohne Berlin - im Durchschnitt die am wenigsten attraktive Vergütungsperspektive, wenngleich die Tendenz auch hier nach oben zeigt. "Die Gehälter zwischen Ost- und Westdeutschland nähern sich auch in den untersuchten Funktionen an", so Towers Perrin-Beraterin Kömm. Sie geht aber davon aus, dass das Vergütungsgefälle mittelfristig bestehen bleibt.

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