Enron Kronzeuge attackiert Ex-Chef

Im Prozess um den spektakulären Zusammenbruch des US-Energiehändlers Enron hat der ehemalige Finanzchef Andrew Fastow Ex-Vorstandschef Jeffrey Skilling schwer belastet. Fastow zeigte sich vor Gericht sehr aufgewühlt.

Houston - "Ich dachte, ich würde ein Held für Enron werden", erklärte Andrew Fastow am Dienstag vor Gericht. Er habe damals geglaubt, nicht nur sich selbst, sondern auch dem Unternehmen zu helfen. Als Enron-Finanzchef war Fastow der Architekt der betrügerischen Bilanzpraktiken, die sich vor allem um die Verschleierung milliardenschwerer Wertverluste drehten. Er hat persönlich bereits vor zwei Jahren Betrug zugegeben und sich zu einer Millionenstrafe und zehn Jahren Gefängnis bereit erklärt. Der 44-Jährige ist der ranghöchste der 16 ehemaligen Enron-Manager, die in Houston gegen ihre früheren Vorgesetzten Ken Lay und Jeffrey Skilling aussagen. Er gilt als Hauptzeuge der Anklage.

Fastow brach nach US-Agenturberichten in Tränen aus, als er auf seine Frau, Lea Fastow, zu sprechen kam. Auch sie hat sich im Zusammenhang mit dem Enron-Betrug bereits schuldig bekannt und muss eine Haftstrafe verbüssen. Andrew Fastow sagte, seine Lügen hätten sie ins Gefängnis gebracht.

In dem spektakulären Wirtschaftsprozess - einem der größten der US-Geschichte - gilt es herauszufinden, welche Rolle Lay und Skilling bei dem milliardenschweren Bilanzbetrug spielten, der 2001 letztlich zum Kollaps des Unternehmens führte. Den beiden Angeklagten werden Betrug, Verschwörung und Insider-Handel in insgesamt mehr als drei Dutzend Anklagepunkten vorgeworfen.

Nach dem Bankrott des einst zu den zehn größten US-Firmen gehörenden Konzerns verloren tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, Milliarden von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter wurden zunichte gemacht. Lay und Skilling hatten bisher jede Schuld für das Desaster von sich gewiesen und Fastow voll für den Kollaps von Enron verantwortlich gemacht. Fastow jedoch erklärte nun vor Gericht, Lay und Skilling hätten sehr wohl von den zweifelhaften Geschäften gewusst, die er für Enron in die Wege geleitet habe.

Unter anderem hätte der gesamte Vorstand die beiden Beteiligungsgesellschaften LJM1 und LJM2 abgesegnet, die er für Enron gegründet habe, um die Milliardeverluste in den Bilanzen zu verstecken, erklärte Fastow. Die beiden Unternehmen hätten Anteile von Enron gekaut. Die Einnahmen hätten geholfen, die Gewinne von Enron aufzubauschen.

Fastow sagte weiter, nachdem eine solche Transaktion in Höhe von 16 Millionen Dollar mit Hilfe von LJM1 gelungen sei, hätte ihn Skilling selbst zur Gründung von LJM2 gedrängt. "Er sagte zu mir: Hol soviel von dem Saft raus wie Du nur kannst", erklärte Fastow heute über sein damaliges Gespräch mit Skilling. Der Saft sei das Kapital gewesen. Mittels LJM2 seien schließlich Unternehmensanteile für 386 Millionen Dollar gekauft worden. Die Board-Mitglieder hätten zwar die zweifelhafte Natur der Gemeinschaftsunternehmen, deren Gründung nicht in den Büchern auftauchten, diskutiert, ihrnen aber letztlich zugestimmt, sagte Fastow der "New York Times" zufolge.

manager-magazin.de mit Material von Reuters