Medienzar Happy Birthday, Rupert Murdoch

Wohl kaum ein Medienmogul polarisiert so stark wie Rupert Murdoch. Der australische Selfmademan ist ebenso verehrt wie verhasst. Am Samstag wird er 75 Jahre alt - ein Rückblick auf seine Karriere.

Washington - Knallhart, erfolgreich und oft gehasst - das ist ein Spannungsfeld so ganz nach dem Geschmack von Rupert Murdoch. Der bekannteste Medienmogul der Welt hat kein Problem mit seinem Image als skrupelloser Machtmensch: "Man kann nicht Außenseiter und über 30 Jahre erfolgreich sein, ohne dabei in seinem Umfeld ein gewisses Maß an Narben zu hinterlassen", sagte er dem "Time-Magazine" unverblümt.

Nach dem Motto agiert der Gründer der News Corp, einem der größten Medienkonzerne der Welt, seit über 50 Jahren im Mediengeschäft. Auch zum 75. Geburtstag am kommenden Sonnabend lässt sein Geschäftseifer nicht nach.

Murdoch wittert das goldene Zeitalter im Internet, wie er der BBC sagte, und geht gewohnt aggressiv und mit Milliardeninvestitionen daran, sich einen Anteil an dem Kuchen zu sichern. Der gebürtige Australier jonglierte nicht von Anfang mit solchen Summen. Mit 22 Jahren übernahm er nach dem Tod seines Vaters dessen Provinzblatt in Adelaide.

Daraus schuf er eine Firma, die heute rund um den Globus Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsender, Filmstudios, Verlage, Satelliten- und Internetaktivitäten kontrolliert. Dabei hat Murdoch immer mit harten Bandagen gekämpft. In Großbritannien blies er in den 80er Jahren zum Generalangriff gegen die mächtigen Gewerkschaften.

Zum Entsetzen des Fleet Street-Medienestablishments feuerte Murdoch die Streiker und machte sein Verlagshaus ein paar Kilometer weiter an der Themse auf. Das Massenblatt "Sun" peppte er unter einem Aufschrei der Entrüstung mit nackten Girls auf Seite Drei auf, der behäbigen "Times" verordnete er mehr Boulevard- und Skandalthemen. Für schamlose Kampagnen und provozierte Kontroversen sind Murdochs Blätter immer gut. Kritik, er ziehe das Niveau nach unten, prallen an ihm ab. Keiner könne sich anmaßen, Lesern den Geschmack zu diktieren.

Erfolg hat er mit seinen Produkten zur Genüge, wie mit dem rechtslastigen US-Kabelsender FoxNews, der Branchenprimus CNN auf die Pelle rückte. Um in den USA expandieren zu können, nahm Murdoch 1985 die US-Staatsbürgerschaft an. Auch die News Corp ist seit 2004 eine US-Firma und wie ihr Gründer in New York ansässig.

Warum Chinas Präsident Murdoch lobte

Anfang der 90er Jahre entdeckte Murdoch China. Erneut geriet er mit seinen Methoden in die Kritik. Er habe sich bei der Pekinger Führung auf infame Art eingeschmeichelt, warf ihm die BBC vor, etwa durch den Rauswurf des Peking-kritischen Senders aus seinem dort ausgestrahlten Star-TV, und die Unterdrückung der Memoiren des in Peking verhassten letzten britischen Gouverneurs von Hongkong, Chris Patten im eigenen Verlag.

Der damalige Präsident Jiang Zemin lobte prompt die "ausgewogene" Chinaberichterstattung der Murdoch-Medien. Ob dieser Schmusekurs für einen erklärten Antikommunisten nicht Heuchelei sei, wurde Murdoch gefragt. "Ich glaube nicht, dass es überhaupt noch Kommunisten in China gibt", erwiderte er.

Murdochs China-Engagement trug auch private Früchte. 1998 ließ er sich nach 31 Jahren von seiner zweiten Frau Anna scheiden und ehelichte eine Managerin von Star-TV, Wendi Deng. Mit ihr erweiterte er seine Kinderschar vor kurzem auf sechs. Gemunkelt wird, dass das wegen der Erbansprüche der Jüngsten die Familienbande belastet hat. Der Patriarch hatte seinen ältesten Sohn Lachlan (34) jahrelang als Firmenerben herangezogen, doch stieg der im Sommer 2005 plötzlich aus. Dessen Bruder James ist noch im Unternehmen tätig.

Dabei geht es um viel Geld. Die News Corp setzte im vergangenen Geschäftsjahr 2004/2005 (30. Juni) 23 Milliarden Dollar um. Die Familie kontrolliert 29 Prozent der Aktien. Murdoch allein hat laut Forbes-Liste ein Vermögen von 7,8 Milliarden Dollar.

"Gehen sie eigentlich irgendwann in den Ruhestand?" fragte ihn der Reporter eines australischen Businessmagazins unlängst. "Daran denke ich nie", antwortete Murdoch. Der Medienzar könnte einen ziemlich langen Atem haben. Seine Mutter, Dame Elizabeth, ist 97 und noch ziemlich munter.

Christiane Oelrich, dpa