Bundesbank Aufstieg beim zweiten Versuch

Bei der Bundesbank stehen in den nächsten Monaten gewichtige personelle Veränderungen an. Der bisherige Chefvolkswirt Hermann Remsperger dürfte bei der Rochade an Einfluss gewinnen. Und auch BuBa-Vorsteher Axel Weber wird wohl in seiner Position nochmals gestärkt.

Frankfurt am Main - Bei der Bundesbank stehen in diesem Halbjahr personelle Veränderungen auf höchster Ebene an. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD, Donnerstagsausgabe) hat der Chefvolkswirt der Bundesbank, Hermann Remsperger, beste Chancen, Nachfolger von Jürgen Stark als Leiter der internationalen Abteilung der Notenbank zu werden.

Eine Bundesbank-Sprecherin wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de inhaltlich nicht kommentieren. Sie sagte: "Es gibt derzeit keine Entscheidung über eine Neuverteilung der Ressorts."

Hintergrund der Personalie ist der Wechsel von Stark, der auch Vizepräsident der Bundesbank ist, Anfang Juni in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Posten des Leiters der internationalen Abteilung gilt als sehr einflussreich. Das liegt daran, dass die Bundesbank in internationalen Angelegenheiten selbstständig agieren kann und nicht auf Zustimmung der EZB angewiesen ist. Zu den Aufgaben des Leiters der internationalen Abteilung gehört es unter anderem, die G7-Treffen vorzubereiten. Diese Aufgabe ist insofern aktuell bedeutend, weil Deutschland im kommenden Jahr den Vorsitz des Staatenbündnisses übernimmt.

Wie es in dem Bericht der FTD außerdem heißt, soll Remsperger allerdings nicht zum Vize-Präsidenten aufsteigen. Für dieses Amt sei Franz-Christoph Zeitler vorgesehen, das für Recht und Bargeld zuständige Vorstandsmitglied bei der Bundesbank, vorgesehen. Auch für den Nachfolger von Remsperger als Chefvolkswirt wird derzeit ein Kandidat ganz heiß gehandelt - kein geringerer als Bundesbank-Chef Axel Weber. Eine Sprecherin der Bundesbank sagte gegenüber manager-magazin.de: "Eine Variante wäre es, die volkswirtschaftliche Analyse beim Bundesbankpräsidenten anzusiedeln."

Remsperger ist Chefvolkswirt der Bundesbank seit sieben Jahren. Als gemeinhin "oberster Ökonom" war er schon zu Zeiten des Präsidenten Ernst Welteke dessen wichtigster Zuarbeiter im Bereich der Geldpolitik. Remsperger (Dissertation: "Regelgebundene Geld- und Finanzpolitik") galt schon einmal als Kandidat für den Chefposten der internationalen Abteilung. Damals machte allerdings Stark das Rennen.

Remsperger ist kein Eigengewächs der Bundesbank. Er führte bis 1998 die volkswirtschaftliche Abteilung der BHF-Bank und hat sich in der Zeit den Ruf als Kenner der Bundesbank-Politik erworben. Zur Bundesbank kam der Honorarprofessor der Johann Wolfgang Goethe-Universität im September 1998, als er Mitglied des Direktoriums wurde. Seit Mai 2002 ist er im Vorstand der Notenbank für die Bereiche Volkswirtschaft und Statistik zuständig.

manager-magazin.de

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