Dieter Berninghaus Bewährungsstrafe gefordert

Am ersten Verhandlungstag vor dem Kölner Landgericht hatte Dieter Berninghaus zugegeben, verbotene Provisionen in Höhe von 6,5 Millionen Euro angenommen zu haben. "Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung", sagte der Ex-Rewe-Chef. Eine relativ milde Strafe ist nun wahrscheinlich.

Köln - Im Untreue-Prozess gegen den früheren Rewe-Vorstandssprecher Dieter Berninghaus hat die Kölner Staatsanwaltschaft am Mittwoch für den Angeklagten eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung beantragt.

Dem Kaufmann wird im Zusammenhang mit dem Kauf der Internetfirma Nexum die Annahme von verbotenen Provisionen in Höhe von 6,5 Millionen Euro vorgeworfen. Berninghaus hatte am ersten Verhandlungstag ein Geständnis abgelegt. Seine Anwälte beantragten am Mittwoch ebenfalls eine Bewährungsstrafe, wobei die Höhe der Strafe in das Ermessen des Gerichts gestellt wurde.

Als Mitglied der Rewe-Unternehmensleitung sollte Berninghaus Anfang 2000 eine Internet-Plattform zur Erweiterung des Rewe-Geschäftsfeldes E-Commerce erwerben. Dabei entschied er sich für die Nexum AG, für die er bereits drei Monate als Aufsichtsratsvorsitzender tätig war. Verkäufer war die Schweizer Investment-Firma Parabola AG, die schließlich 21,3 Millionen Euro von der Rewe für ihre Mehrheitsanteile an dem Internet-Unternehmen erhielt.

Vor Gericht räumte der Angeklagte ein, nach dem Abschluss des Geschäfts von einem Treuhänder der Parabola AG zunächst drei Millionen Euro erhalten zu haben. Das Geld sollte eine Anerkennung für die erfolgreiche Abwicklung sowie Anreiz für eine zukünftige Zusammenarbeit sein.

"Ich habe einfach nicht das Rückgrat gehabt, dieser enormen Versuchung zu widerstehen. Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung", betonte der Ex-Manager. Er habe "in diesem Moment des Versagens" sein Leben zerstört. Später habe es noch weitere Zahlungen gegeben. Das Kölner Landgericht will am Freitag das Urteil verkünden.

In einem Vergleich mit seinem früheren Unternehmen hatte Berninghaus vor einigen Monaten bereits Schadenersatz in Gesamthöhe von rund elf Millionen Euro geleistet. Unter anderem verzichtete er auf alle Leistungen aus der Aufhebungsvereinbarung seines Vorstandsvertrages und auf alle Pensionsrechte.

ddp