Personalmanager "Brückenbauer und Kummerkasten"

Als Personalmanager zu arbeiten, heißt längst nicht mehr nur Akten zu verwalten und Gehälter auszuzahlen. Die Aufgaben sind heute ungleich vielfältiger als früher. Besetzt werden die Positionen zumeist mit Akademikern der verschiedensten Fachrichtungen.

Düsseldorf/Freiburg - Längst vorbei sind die Zeiten, als die Personalabteilungen in den Firmen einzig für die Verwaltung der Akten und die pünktliche Zahlung der Gehälter zuständig waren. "Personalmanager nehmen heute an der Strategieentwicklung im Unternehmen teil", sagt Sascha Armutat, Leiter des Referates Arbeitskreise bei der Deutschen Gesellschaft für Personalforschung (DGFP) in Düsseldorf.

Ausbildung und Wissen der Personaler oder Human Resource Manager, wie sie auf neudeutsch heißen, variieren. Ebenso ist es mit den Aufgaben, die ihnen bei ihren Arbeitgebern übertragen werden. "In einem kleinen Betrieb ist das ein Ein-Mann-Job", sagt Rainer Kasemir, Produktmanager beim Haufe-Verlag in Freiburg.

Dort werden in regelmäßigen Abständen Studien zum Thema Personalmanagement publiziert. In kleineren Firmen ist der Personaler "Vermittler, Brückenbauer und Kummerkasten zugleich". Zudem muss er sich um die Verwaltung der Gelder, Jobmodelle und Arbeitsschutz kümmern. "Auch im Arbeitsrecht sollte er sich einigermaßen auskennen", sagt Kasemir.

Größere Firmen beschäftigen ein Heer von Mitarbeitern, die an der langfristigen Bindung verdienter, motivierter und gut qualifizierter Angestellter arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Anwerben neuer Mitarbeiter, die in die strategische Planung des Unternehmens passen.

Zudem kümmern sie sich um die Weiterbildung und Qualifizierung der Kollegen und sind klassische Verwalter der Personalakten und Gehaltszettel. Human Resource Manager müssen das Mitarbeiterpotenzial strategisch planen, weiterentwickeln und optimal einsetzen - und das alles in genauer Abstimmung mit Geschäftsleitung und Betriebsrat.

"Mit den technischen Möglichkeiten ist die administrative Arbeit einfacher geworden", sagt Armutat. Dafür allerdings sind die Aufgaben der Personaler ungleich vielfältiger als früher. "Personal-Management ist heute eine komplexe Gratwanderung zwischen Sozialkompetenz und Wirtschaftlichkeitsdenken" - zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Personal-Management 2003" der Haufe Akademie in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen HRblue.

Eine einheitliche Ausbildung in Richtung Personalmanager oder -entwickler gibt es nicht. "Klassisch gibt es zwei Kontinente: die Personalentwicklung und die Verwaltung", sagt Kasemir. Auf Sachbearbeiterebene sind dies eher Lehrberufe, erst auf den Referentenstellen sitzen in der Regel Hochschulabsolventen.

Karrierechancen für Frauen

Überdurchschnittliche Karrierechancen für Frauen

"Stellen von Personalreferenten oder -leitern sind zu rund 80 Prozent mit Akademikern besetzt", sagt Kasemir. Die allerdings kommen nicht aus einem bestimmten Studiengang: "Das sind Betriebswirtschaftler mit einem Faible für Personal, Juristen mit dem Spezialgebiet Arbeitsrecht und Absolventen sozialwissenschaftlicher Studiengänge", sagt Armutat. Auch studierte Psychologen, Soziologen, Theologen und "ein gerüttelt Maß an Quereinsteigern", so Kasemir, finden sich in den Personalabteilungen.

Denn nicht nur fachliches Wissen müssen die Mitarbeiter in den Personalabteilungen mitbringen - auch Zwischenmenschliches ist gefragt. "Man muss Menschen mögen", sagt Kasemir. Zudem sei es notwendig, sich auf Menschen und deren Situationen einzulassen, betont Armutat. "Empathie und Kommunikationsfähigkeit sind genauso wichtig wie Durchsetzungsvermögen im Unternehmenskontext."

Nicht verwunderlich ist, dass in diesem Berufszweig Frauen die Nase vorn haben. "Personal ist der einzige Bereich, in dem Frauen bis in die höheren Hierarchieebenen Posten besetzen", sagt Armutat. Die Haufe-Studie belegt das mit Zahlen: Frauen bekleiden rund 41 Prozent aller Führungspositionen im Personalbereich.

Praktika und freie Tätigkeiten schon während des Studiums qualifizieren die Personaler für ihren Job. "Aber auch weiterführende Studiengänge wie Masterprogramme bereiten inzwischen auf die Arbeit im Personalwesen vor", sagt Armutat. MPA, "Master für Personalwesen und Arbeitsrecht" können an der Universität Mannheim Juristen mit dem ersten Staatsexamen werden. Der viersemestrige Aufbaustudiengang wird von der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Personalwesen und Arbeitswissenschaft angeboten und ist interdisziplinär ausgerichtet.

An der Fachhochschule Konstanz ist das Studium zum "Human Capital Manager" als berufsbegleitender viersemestriger Aufbaustudiengang konzipiert und schließt mit einem MBA ab. Das kostenpflichtige Studium richtet sich nach Angaben der Hochschule an leitende Mitarbeiter im gesamten Bereich des heutigen Human Resources Management, die die Weiterentwicklung in den Firmen mit vorantreiben wollen.

Auch die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik bietet einen Aufbaustudiengang "MBA Human Resource Management - Personalpolitik" an, der inhaltlich auf eine berufliche Tätigkeit mit dem Schwerpunkt Personal abzielt.

Verena Wolff, dpa

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