RWE Reißender Strom

Dietmar Kuhnt, langjähriger Vorstandschef von RWE, wird bei der nächsten Hauptversammlung den Aufsichtsrat verlassen. Offiziell wird mit seinem Alter argumentiert - dabei geht es eher um lang schwelende Streitigkeiten.

Düsseldorf - ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz soll als neues Mitglied in den Aufsichtsrat des RWE-Konzerns aufrücken.

Schulz solle in dem Kontrollgremium den Platz des ehemaligen Chefs des Energieversorgers RWE , Dietmar Kuhnt, einnehmen, der nicht erneut für einen Sitz kandidiere, teilte RWE am Dienstag mit. Darauf habe sich der RWE-Aufsichtsrat verständigt.

Schulz solle der Hauptversammlung am 13. April in Essen als neues Mitglied vorgeschlagen werden. WestLB-Chef Thomas Fischer stehe erneut für den Vorsitz des Aufsichtsrats zur Verfügung.

RWE begründet den Abgang von Kuhnt damit, dass Kuhnt die in der kommenden Legislaturperiode die in der Geschäftsordnung des Aufsichtsrats vorgegebene Altersgrenze von 72 Jahren überschreiten würde.

Eigentlicher Grund für den Abschied von Kuhnt aus dem Kontrollgremium dürften aber eher Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Vorstandschef Harry Roels sein. Kuhnt hatte als Vorstandschef von RWE den Einstieg in das weltweite Wassergeschäft und die Strategie der Internationalisierung forciert. Der heutige Konzernchef Harry Roels hatte im vergangenen Jahr erklärt, diese Aktivitäten gehörten nicht zum Kerngeschäft des auf Europa ausgerichteten Energieversorgers.

Das war nicht weniger als eine 180-Grad-Wende und zugleich ein großes Ärgernis für Kuhnt. Kuhnt hatte es gewurmt, dass er Anfang 2003 - nach seiner operativen Tätigkeit - nur einfaches Mitglied des Aufsichtsrats wurde. Ganz anders als die Regel, denn in jedem zweiten Dax-Unternehmen ist der alte Chef der neue Oberaufseher.

Gegen das Ansinnen den RWE-Aufsichtsrat zu führen, hatte vor allem der damalige Chefaufseher Friedel Neuber rebelliert. Kuhnt hatte nach Neubers Tod im vergangenen Jahr einen zweiten Anlauf gemacht. Doch eine Mehrheit für dieses Vorhaben zu erlangen, gelang ihm nicht. Stattdessen wurde WestLB-Chef Thomas Fischer gewählt.

manager-magazin.de mit Material von rtr

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