Untreue-Prozess "Ich habe mein Leben zerstört"

Eine Story aus Zeiten des Neuen Marktes wird seit heute vor dem Kölner Landgericht verhandelt. Im Mittelpunkt: Ernst Dieter Berninghaus, einst Hoffnungsträger von Rewe, des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers. Es geht um menschliche Gier, Treuhänder, ausländische Konten und E-Commerce.

Köln - Im Untreue-Prozess gegen den früheren Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus hat der Angeklagte am Mittwoch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weitgehend eingeräumt. "Ich habe einen schweren Fehler begangen, für den ich ohne Wenn und Aber die Konsequenzen trage", erklärte Berninghaus vor dem Kölner Landgericht.

Als Mitglied der Rewe-Unternehmensleitung sollte Berninghaus Anfang 2000 eine Internetplattform zur Erweiterung des Rewe-Geschäftsfeldes E-Commerce erwerben. Dabei entschied sich Berninghaus für die Hürther Nexum AG, für die er bereits drei Monate als Aufsichtsratsvorsitzender tätig war. Verkäufer war die Schweizer Investmentfirma Parabola AG, die schließlich 21,3 Millionen Euro von Rewe für ihre Mehrheitsanteile an dem Internetunternehmen erhielt.

Vor Gericht räumte Berninghaus nun ein, nach dem Abschluss des Verkaufs von einem Treuhänder der Parabola AG drei Millionen Euro erhalten zu haben. Das Geld sollte eine Anerkennung für die erfolgreiche Abwicklung sowie Anreiz für eine zukünftige Zusammenarbeit sein. "Ich habe einfach nicht das Rückgrat gehabt, dieser enormen Versuchung zu widerstehen. Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung", sagte der Ex-Manager. Er habe "in diesem Moment des Versagens" sein Leben zerstört.

Steuerfahnder kamen ihm auf die Schliche

Das Geld sei von dem Treuhänder bereits auf ausländischen Konten platziert gewesen. In den folgenden Jahren habe er die Zahlungen stets verdrängt. Erst als er vier Jahre später bereits Vorstandssprecher des Rewe-Konzerns war, sei die Steuerfahndung auf die Zahlungen aufmerksam geworden.

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit dem Nexum-Verkauf von verbotenen Zahlungen in Höhe von insgesamt 15,2 Millionen Euro an mehrere Beteiligte aus. 6,5 Millionen Euro soll der Angeklagte persönlich erhalten haben.

Zum Prozessauftakt hatte Berninghaus in einer 60 Seiten umfassenden Stellungnahme die Vorgeschichte des Nexum-Kaufs beschrieben. Dabei schilderte er, wie in Zeiten des Booms am Neuen Markt Rewe unter Druck geraten sei. Durch den Kauf des aufstrebenden Internetdienstleisters wollte der eher konservative Konzern den Anschluss nicht verlieren.

Als neuer und mit Abstand jüngster Manager in der Rewe-Führungsriege habe die erfolgreiche Akquise der Nexum AG für ihn existenzielle Bedeutung gehabt, sagte Berninghaus. Sowohl der Kauf an sich als auch der Kaufpreis von 21,3 Millionen Euro seien mehrfach von den Führungsgremien der Rewe geprüft und schließlich einstimmig beschlossen worden.

Der Vorsitzende Richter Klaus Dieter Bieber äußerte Zweifel an der Berechtigung des Kaufpreises. Schon ein Blick in die Bilanz der Nexum AG hätte nach Auffassung des Gerichts genügt, um zu belegen, dass die Summe von 21,3 Millionen Euro zu hoch ist. Der Konzern habe den Erwerb als strategisches Investment gesehen, erwidert Berninghaus. Zudem hätten New-Economy-Firmen seinerzeit astronomische Wertsteigerungen erzielt.

Das Gericht hat zunächst drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

In einem Vergleich mit seinem früheren Unternehmen hatte der Manager vor einigen Monaten bereits Schadenersatz in Gesamthöhe von rund elf Millionen Euro geleistet. Unter anderem verzichtete er auf alle Leistungen aus der Aufhebungsvereinbarung seines Vorstandsvertrages und auf alle Pensionsrechte.

ddp, dpa

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