Gründer-Kolumne Gib UMTS eine Chance

Unterwegs erreichbar sein, einkaufen, im Internet surfen – mit UMTS kein Problem. Noch ist der Mobile Commerce allerdings nicht in Schwung gekommen, denn es fehlt an stimmigen Angeboten - genau hier liegen die Chancen für Gründer und M-Entrepreneure.

Ob in der Bahn, am Strand oder auf dem Golfplatz - in den Visionen der Mobilfunkbetreiber googeln, kaufen, bieten und chatten die Handynutzer der Zukunft losgelöst von örtlichen und zeitlichen Beschränkungen. Im M-Commerce verschmelzen die Grundlagen des Internets und der mobilen Kommunikation.

Elektronische Transaktionen können nicht mehr nur über stationäre Datennetzwerke zu Hause oder am Arbeitsplatz, sondern "jederzeit" und "überall" mit Hilfe des ohnehin ständigen Begleiters "Mobiltelefon" und anderen mobilen Endgeräten abgewickelt werden. Doch muss M-Commerce nicht mehr bieten als "nur" ein mobiles Internet?

M-Commerce eröffnet dann die Möglichkeit für innovative Produkte und Dienstleistungen, wenn die grundlegenden Attribute der mobilen Kommunikation berücksichtigt werden.

Die Erfolgsfaktoren im M-Commerce

  • Zugangsgeschwindigkeit: Mit UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) steht in Europa nun ein zur so genannten dritten Mobilfunkgeneration (3G) gehörender Mobilfunkstandard bereit, der die interaktive und multimediale mobile Kommunikation mit hohen Bandbreiten überhaupt erst einmal gewährleistet.
  • Ortsunabhängigkeit: Ein mobiles Endgerät verbindet den Nutzer mit Real-Time-Informationen und dies unabhängig vom eigenen Standort.
  • Bequemlichkeit: Daten und Informationen für die Transaktion sind immer "zur Hand" und einfach abzurufen.
  • Erreichbarkeit: Bestimmte Geschäftstransaktionen sind direkt abhängig von der permanenten Verfügbarkeit des Transaktionspartners. Mit nur einem Endgerät kann der Nutzer jederzeit und überall kontaktiert werden.
  • Personalisierung: Mit Hilfe zum Beispiel der PIN-Nummer erfolgt die Autorisierung des Nutzers und eröffnet somit ein höheres Maß an persönlicher Identifikation beziehungsweise Ansprache des Transaktionspartners.
  • Lokalisierung: Über die Lokalisierung des mobilen Endgerätes können hoch relevante Informationen für den konkreten Standort gegeben werden (so genannte Location Based Services).
  • Routing: Mit Hilfe der Verknüpfung zu Navigationssystemen (zum Beispiel GPS) kann sich der Nutzer direkt zu einem informations-, produkt- oder dienstleistungsbezogenen Standort führen lassen.

Aus technologischer Sicht steht M-Commerce nichts im Weg, nur macht der Nutzer mit?

Berücksichtigt der potenzielle Gründer diese Attribute bei der Gestaltung seiner neuen Geschäftsidee, dann hat er die Möglichkeit, auf der Nachfragerseite den so genannten situativen Nutzen als Bestandteil der Akzeptanz im M-Commerce zu adressieren. Dieser situative Nutzen ist gegeben, wenn ein ortsabhängiges und zeitkritisches Kundenbedürfnis mit Hilfe des mobilen Angebotes direkt, individuell, standortbezogen und damit besser gelöst werden kann, als über vergleichbare stationäre Technologien.

Die Rahmenbedingungen sind da: Acht von zehn Geräten, die derzeit verkauft werden, seien mittlerweile UMTS-fähig, meldet beispielsweise der Klassenprimus Vodafone . Die von Analysten geschätzte kritische Masse von 3,5 Millionen UMTS-Kunden ist so gut wie erreicht, was nicht zuletzt an den angebotenen UMTS-Handys liegt, die bei allen Anbietern hinsichtlich Technik, äußerer Erscheinung und Preis deutlich attraktiver geworden sind als ihre Vorgängermodelle. Aus technologischer Sicht steht M-Commerce somit nichts mehr im Wege.

Der Erfolg von M-Commerce lässt sich jedoch nicht allein am Abverkauf UMTS-fähiger Endgeräte festmachen, vielmehr entscheidet die dauerhafte aktive Nutzung von innovativen Geschäftsmodellen über Gewinne und Verluste der Anbieter. Und hier sieht es noch sehr vage aus, was attraktive Angebote angeht. Oder positiv ausgedrückt: Es besteht noch viel Spielraum für M-Entrepreneure mit guten Geschäftsideen.

Der Mehrwert fehlt

Die Vorhersage des UMTS-Forums, dass eines Tages mehr Daten als Sprache über mobile Netzwerke transferiert werden, ist nämlich derzeit noch weit von der Realität entfernt. Einer Schätzung des Telekom-Verbandes VATM zufolge lag der Datenanteil an den Gesamterlösen des deutschen Mobilfunks im Jahre 2005 erst bei knapp 3 Prozent. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die geringe Anzahl an mobilen Applikationen, die zudem häufig für Konsumenten wenig attraktiv sind, da sie keinen klaren Mehrwert über den "situativen Nutzen" bieten.

Verfolgt man die aktuelle Diskussion um dieses Thema, dann scheint es vor diesem Hintergrund insbesondere das Zauberwort "Location Based Services" zu sein, welches der Grundstein für erfolgreiche mobile Angebote sein soll.

Basierend auf den Attributen "Lokalisierung", "Personalisierung" und "Routing" werden den Konsumenten dabei zielgerichtet Produkte und Dienstleistungen angeboten, die speziell auf den Anwender und die Situation, in der dieser sich momentan befindet, ausgerichtet sind.

Wo ist die Killerapplikation?

Hierzu zählen bei den angeführten Beispielen immer wieder Hotel- oder Gastronomieangebote mit dynamischem Routenplaner sowie standortbezogene Veranstaltungstipps und Shopping-Informationen.

Dies bedeutet im letzteren Fall, dass man zum Beispiel in einem Laden vor Ort einen Preisvergleich zu dringend gesuchten Produkten über das Handy durchführen kann. Der Betreiber einer entsprechenden mobilen Applikation informiert über das mobile Endgerät nicht nur direkt über günstigere Angebote im näheren Umkreis, sondern er führt über GPS den Kunden auch noch dorthin.

An dieser Stelle bieten sich, jenseits jeglicher neuen Hype-Diskussionen, gute Potenziale für Unternehmensgründungen mit innovativen und kreativen mobilen Applikationen, die marketingorientiert ausgerichtet und damit an den Konsumentenwünschen und -interessen orientiert sein müssen. Und damit beginnt die oft zitierte Jagd nach der "Killerapplikation", wobei es nicht nur die "Eine" sein muss, sondern durchaus auch mehrere existieren können.

Wie sie aussehen könnten, ist im Moment jedoch noch unklar. Im Hinblick auf die Art der Anwendungen sprechen die in mehreren Studien ermittelten Kundenbedürfnisse jedoch schon heute eine klare Sprache. Nur zeitkritische, personalisierte und vor allem standortabhängige Transaktionen werden im M-Commerce eine Chance haben und somit auch zum Erfolg von UMTS beitragen.

In Anbetracht dieser Vorgaben heißt es für die M-Entrepreneure des mobilen Kommunikationsmarktes: Auf zur Suche nach tragfähigen Geschäftsideen im M-Commerce!

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