Chauffeure Im Dienste ihrer Majestät

Ob aus Sicherheitsgründen oder Geltungsbedürfnis: Viele hochrangige Manager lassen sich von einem Fahrer durch die Lande kutschieren. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, entpuppt sich in der Praxis als diffizile Aufgabe.

Augsburg/Karlsruhe - Chauffeure sind viel unterwegs und dürfen keine Scheu vor der Überholspur haben. Auch nach Stunden am Steuer müssen sie konzentriert und sicher fahren können. Und wenn Minister, Konzernchefs oder Topmanager auf der Rückbank sitzen, wird von ihnen sogar viel mehr verlangt, als nur eine gepanzerte Limousine zu steuern: Sie sind Allround-Talente, für die Routenplanung ebenso verantwortlich wie für das Einhalten der Termine, für die Zeitungslektüre und das Wohlbefinden ihres Chefs.

Zwar gibt es einen eigenen Ausbildungsweg zum Berufskraftfahrer. Doch der ist nicht speziell für die Arbeit als Chauffeur ausgelegt. Im Gegenteil, er ist für ein ganz anderes Arbeitsfeld gedacht: Nach Angaben der Bundesvereinigung der Berufskraftfahrerverbände qualifiziert die Ausbildung in erster Linie für die Arbeit am Steuer eines Lkw oder Omnibusses. Ein eigener Ausbildungsberuf für Chauffeure fehlt bislang.

Die Möglichkeit, sich entsprechend weiterzubilden, gibt es aber beispielsweise an der Chef-Fahrer-Akademie (CFA) in Karlsruhe. "95 Prozent unserer Teilnehmer arbeiten bereits als Fahrer in Behörden oder großen Unternehmen. Aber im Prinzip kann man das auch ohne Berufserfahrung machen", sagt Walter Lutz, der selbst an der CFA unterrichtet, die zur b.i.g.-Firmengruppe gehört.

Die Fortbildung besteht aus Tagesseminaren mit verschiedenen Schwerpunkten, darunter auch Stil und Etikette: "Korrekter Umgang mit dem Chef, Sprache und gepflegtes Auftreten sind in dem Beruf wichtig", sagt Lutz. "Kfz-Kenntnisse spielen keine große Rolle. Wir gehen aber davon aus, dass jeder Chef-Fahrer ein Hinterrad wechseln kann." Dass Chauffeure davor Kraftfahrer oder Kfz-Mechaniker waren, sei gar nicht so selten. "Aber der berufliche Hintergrund kann so bunt sein wie das Leben", sagt Lutz. "Wir hatten in der Akademie auch schon frühere Metzger."

Manfred Miller beispielsweise war ursprünglich Müllwagenfahrer. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel fragte ihn eines Tages, ob er nicht sein Fahrer werden wolle. Miller sagte zu und ist heute, 15 Jahre später, immer noch Chef-Fahrer. Allerdings heißt der Oberbürgermeister inzwischen Wolfgang Schuster.

Wie viele hauptberufliche Fahrer es bundesweit gibt, ist statistisch nicht erfasst. "Zwischen 10.000 und 50.000", schätzt Lutz. Als Gehalt seien 2000 bis 3000 Euro brutto realistisch. "Wir haben die Weiterbildung zunächst firmenintern für das eigene Personal begonnen und dann gemerkt, wie groß die Nachfrage ist." In der Regel chauffieren Chef-Fahrer den Geschäftsführer oder den Unternehmensvorstand, häufig auch mehrere Vorstandsmitglieder. "In manchen Behörden haben sie mehrere Funktionen und übernehmen den Job des Chef-Fahrers jeweils nach Bedarf", sagt Lutz.

"Mehr Zeit als mit seiner Ehefrau"

Die Aufgaben eines Chef-Fahrers sind oft anspruchsvoller als es zunächst scheint: "Nur Fahren reicht nicht", sagt der Seminarleiter. "Zum Service gehört, frühzeitig zu wissen, wo genau es hingehen soll, die Route optimal zu planen, weite Fußwege zwischendurch zu vermeiden und eventuell auch das Gepäck ins Hotel zu bringen." Gefragt sind Persönlichkeiten mit Übersicht, Organisationsgeschick und ohne Angst vor großen Tieren: Ob Firmenchef oder Ministerpräsident - Chef-Fahrer müssen einen Draht zu ihrem Fahrgast finden.

"Mancher Chef verbringt mit seinem Fahrer mehr Zeit als mit seiner Frau", sagt Lutz. Der Mann am Steuer sollte deshalb wissen, welche Zeitung er morgens und welche Getränke er für zwischendurch besorgen muss - und ob er während der Fahrt besser Dvorak oder Dire Straits ins CD-Fach schiebt. "Und er sollte wissen, worüber sich der Chef unterhalten will - lieber über Fußball oder über etwas Aktuelles?" Kommunikation mit dem Chef ist deshalb auch ein Weiterbildungsthema an der Chef-Fahrer-Akademie.

Fahrer, die schon Erfahrung im Steuern von gepanzerten Limousinen haben, sich in puncto Sicherheit aber noch weiterbilden wollen, können das beim Fahrsicherheitszentrum des ADAC in Augsburg. Dabei geht es durchaus nicht nur um Fahrer von Regierungsmitgliedern. "In der Regel sind das Chauffeure von Vorständen aus Banken und Versicherungen", sagt Fridtjof Atterdal, Sprecher der Fahrsicherheitszentren Südbayern. "Es gibt mehr schützenswerte Menschen als man denkt."

Die Chauffeure erwerben mit dem Sicherheitstraining eine Zusatzqualifikation, erläutert Atterdal. Dabei wird unter anderem die sichere Beherrschung des Fahrzeugs in Extremsituationen geübt, beispielsweise schnelles Wenden, punktgenaues Bremsen und Rückwärtsfahren mit hohem Tempo. "Auch wie sich der Fahrer bei einem terroristischen Angriff verhalten sollte, wird dabei trainiert."

All das sind Vorbereitungen für den Fall der Fälle, der insgesamt vielleicht eher unwahrscheinlich ist. Doch wenn der Chauffeur seinen Wagen in Extremsituationen perfekt beherrscht, ist spontanes Bremsen auch im alltäglichen Berufsverkehr kein Thema - und der Chef im Fond kann ungestört seine Zeitung lesen.

Andreas Heimann, dpa

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