Montag, 21. Oktober 2019

Sybill Storz Scharmützel mit Störenfrieden

4. Teil: Gefahren für das Umsatzwachstum

"Oberste Manager absolut handverlesen"

In Teilen der Branche wird die Storzsche Führungsstruktur kritisch gesehen. "Die obersten Manager sind absolut handverlesen und sehr auf Frau Storz fixiert", schildert ein Kenner. Treffe man die Alleinherrscherin und angestellte Manager auf der Messe, dann seien die Herren nicht mehr als Mantelhalter. Ein anderer Kenner meint hingegen: "Ihre Dominanz wirkt nicht drohend oder lähmend." Die Wahrheit liegt wohl - wie so oft - in der Mitte.

Durch und durch digital: Image1, das neue Kamerasystem von Storz
Also alles bestens bei Storz? Derzeit wohl ja, aber ... Laut Branchenexperten könnten sich die wachsende Macht der Großkonzerne und die technologische Weiterentwicklung für die Tuttlinger als gefährlich erweisen. Denn mit Endoskopen setzt Storz nur auf ein Instrument, den menschlichen Körper zu untersuchen. Ein anderes ist die Computertomografie, die mehr und mehr eingesetzt wird. Freilich kommt diese Technologie nicht ohne Nebenwirkungen - Stichwort: Röntgenstrahlung - aus. Doch selbst Medizintechnikexperten wagen derzeit keine Prognose, ob diese Technologie Storz' weiteres Wachstum behindert.

Experten des Gesundheitsmarktes beobachten zudem in den vergangenen Jahren wie sich Großkonzerne wie Siemens Börsen-Chart zeigen, General Electric Börsen-Chart zeigen oder Philips Börsen-Chart zeigen als Gesamtanbieter aufstellen, getreu der Philosophie: Bei uns gibt es alles. Diese Großmacht könnte für die Margen der kleineren Firmen wie Karl Storz bedrohlich werden. Und Storz wäre nicht die erste deutsche Familienfirma, die sich an einen wirklichen Global Player verkauft hätte. Der einst durch einen Bilanzskandal aufgefallene US-Mischkonzern Tyco hat einige alteingesessene deutsche Firmen aufgekauft.

Sybill Storz ficht das Szenario nicht an. "Wir wollen nicht verkaufen, obwohl es Anfragen genug gibt." Aus ihrem Munde klingt das überdeutlich nach Treueschwur, nicht nach Lippenbekenntnis. Trotz aller Ausgeglichenheit scheinen sie dann doch eher die Patentdiebe aus der Ruhe zu bringen.

Wer weiß, vielleicht werden ihre Mitarbeiter ja wieder auf der nächsten Messe Anfang März in Indien - wie letztes Jahr geschehen - gefragt: "Sind Sie ein Spion von Karl Storz?"

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